Burgstall

Burgstall „Heidenschloss“ bei Friedrichshafen, wahrscheinlich die „Alte Burg“ der Herren von Raderach
Burgstall „Bertaburg“ auf dem Bergsporn Landsöhr
Burgstall Schlosshügel bei Weidenberg (Franken)

Als Burgstall (Singular der Burgstall, Plural die Burgställe, altertümlich die Burgstähl), auch Burgstadel, Burgstätte, Burgstelle oder Altburgstelle, wird in der Burgenkunde eine Burg bezeichnet, von der noch weniger erhalten ist als eine Ruine. Die Fachliteratur kennt zudem den Begriff abgegangene Burg oder abgekommene Burg, der meist mit der Bezeichnung „Burgstall“ gleichzusetzen ist.

Definitionen

Das Wort Burgstall – ‚die Stelle der Burg‘ – ist mittelalterlichen Ursprungs und bezeichnet ursprünglich schlicht ‚Burg, Burgberg‘, später speziell ‚kleinere Burg‘. Diese Bedeutung hielt sich bis in die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts.

Heute bezeichnet man mit Burgstall eine nicht fertiggestellte Burgbaustelle oder den Standort, an dem einst eine Burg stand, deren Mauern heute völlig oder weitgehend eingeebnet sind. Eine fachliche Definition lautet beispielsweise:

„Als ‚Burgstall‘ werden abgekommene Sitze bezeichnet, deren Burgstelle dem natürlichen Gelände angepasst sind, aber durch erhaltene künstliche Bodeneingriffe (Wall, Graben, Terrassierungen) identifiziert werden können.“

Viele Burgen, die heute nur noch als Burgställe erhalten sind, wurden bereits im Mittelalter geschleift oder dem natürlichen Verfall preisgegeben, manche aber auch erst später, beispielsweise als Folge der Dachsteuer in Österreich. Flurnamen in Bezug auf die Befestigung haben sich seitdem meist erhalten, ebenso sind noch erkennbare ebene Gevierte oder Schutthügel zahlreich vorhanden, da sie burggemäß meist an eher unzugänglichen Plätzen liegen – wenn nicht, wurden sie verbreitet als „Steinbruch“ für nahe Bauten genutzt und sind vollständig abgegangen. Teils sind nur noch erdbauliche Reste wie Gräben oder Erdwälle oberirdisch erkennbar. Das heißt, dass Burgställe nur noch als Geländeunebenheiten oder gar nur in Luftbildaufnahmen erkennbar sind. Heute sind sie zumeist als Bodendenkmal geschützt.

Abgrenzung des Begriffs zu Ruine oder Burg:

Ein Gutteil aller nicht mehr erhaltenen Burgen ist aber schlicht in einem jüngeren Bauwerk, etwa einer frühneuzeitlichen Festung oder einem mittelneuzeitlichen Schloss, aufgegangen, wo sie noch als Baureste in Form einzelner Trakte (oft Teile der Kernburg), Gebäude oder Befestigungselemente bestehen oder die Grundmauern von Neubauten oder gartenbaulichen Terrassen bilden.

Literatur

Siehe auch

Commons: Burgstall – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Adelung – Der Burgstall. Abgerufen am 9. September 2019.
  2. ↑ vgl. z. B. Burg Gechingen: Eintrag Gechingen bei leo-bw.de
  3. ↑ Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen: 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Auflage. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-228-6.
  4. ↑ Otto Piper: Burgenkunde. Nachdruck der 3. Auflage von 1912. Weltbild, Augsburg 1994, ISBN 3-89350-554-7.
  5. ↑ Thomas Kühtreiber: Objekttypen. Hausberg/Burgstall/Erdwerk. In: NÖ-Burgen online. Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit, Krems an der Donau, abgerufen am 27. Dezember 2021.
  6. ↑ Vergl. Objekttypen. In: NÖ-Burgen online. Abgerufen am 27. Dezember 2021 (Abschnitte Nicht mehr erhaltene Wehranlage/Adelssitz/Burgstelle, deren genaue Lage aber bekannt ist, und Nicht lokalisierter Sitz).