Burgviertel (Budapest)

Burgviertel mit Burgpalast

Das Burgviertel (ungarisch Várnegyed) neben dem Burgpalast auf dem Burgberg von Budapest ist eine der Sehenswürdigkeiten der ungarischen Hauptstadt. Obwohl das Burgviertel zweimal fast vollständig zerstört wurde, konnte es bis in die heutige Zeit bestehen. Das Viertel entstand aus dem alten Budaer Stadtkern, welcher sich vom Wiener Tor (ungarisch: Bécsi kapu) bis hin zum Szent György tér erstreckt. Das Burgviertel Vár ist ein Teil des I. Stadtbezirkes Budapests. Die Gebäude des Burgviertels sind überwiegend im barocken Stil erbaut worden.

Geschichte

Ansicht von Buda aus der Schedel’schen Weltchronik (1493)
Ansicht der Burg Buda und des Stadtteils Tabán (Mitte des 19. Jahrhunderts)

Bereits im 13. Jahrhundert erkannten die Ungarn und ihr König Béla IV. die strategische Bedeutung des 168 Meter hoch aufragenden Inselberges, welcher sich keilförmig entlang des rechten Ufers der Donau erstreckt. Da man in dem Berg den idealen Platz für die Residenz des ungarischen Königs sah, wurde an seiner Südostspitze begonnen eine Burg zu errichten, die Burg Buda. Parallel dazu entstand auf der nordwestlichen Seite des Berges eine Bürgerstadt. Im Verlaufe der Türkenkriege wurden weite Teile des Burgviertels fast vollständig zerstört, welche man im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts aber im barocken Stil wieder aufbaute. Ein zweites Mal stand das Burgviertel am Ende des Zweiten Weltkrieges kurz vor der Zerstörung. Beim anschließenden Wiederaufbau fand man unter vielen Häusern die mittelalterlichen Grundmauern und manche interessante Details, wie die gotischen Sitznischen.

Überblick

Wiener Tor

Das Wiener Tor, Eingang zum Burgviertel (1896)

Das Wiener Tor (ungarisch Bécsi kapu) ist einer der Hauptzugänge zum Burgviertel. Es befindet sich an der Stelle des einstigen Samstag-Tors (ungarisch: Szombat kapu).

Errichtet wurde es 1936 anlässlich des 250. Jahrestages der Befreiung Budas von den Türken (1686), woran eine Gedenktafel und -statue an der Innenseite des Tors erinnert. Die Pläne für das Bauwerk stammen von Jenö Lechner. Direkt hinter dem Tor erstreckt sich der Platz des Wiener Tores (ungarisch: Bécsi kapu tér), auf dem früher an Samstagen Markt abgehalten wurde.

Táncsics Mihály utca

Táncsics Mihály utca

Die Táncsics Mihály utca führt vom Wiener Torplatz in südlicher Richtung zum Dreifaltigkeitsplatz (ungarisch: Szentháromság tér). Benannt wurde die Straße nach dem ungarischen Schriftsteller Mihály Táncsics. Die ehemals Judengasse genannte Straße ist eine der ältesten auf dem Burgberg.

Zwischen Haus Nr. 17 und 23, entlang des nordöstlichen Teils der Befestigungsanlagen gelangt man zur Mihály-Babits-Promenade (ungarisch: Babits Mihály sétány). Sie reicht im Norden bis zum Wiener Tor. Unterhalb der Promenade und der Mauern befindet sich der Europapark (ungarisch: Europa-liget), der zum 100. Jahrestag der Vereinigung der Städte Buda und Pest angelegt wurde.

Andreas-Hess-Platz

Ehemaliges Rathaus von Buda

Der Andreas-Hess-Platz (ungarisch: Hess András tér) wurde nach dem Buchdrucker Andreas Hess benannt. In seinem Haus Nr. 4 entstand im Jahre 1473 das erste gedruckte Buch in Ungarn, die Chronica Hungarium.

Dreifaltigkeitsplatz

Eidesleistung von König Karl IV. an der Dreifaltigkeitssäule 1916

Der Dreifaltigkeitsplatz (ungarisch: Szentháromság tér) ist der zentrale Platz des Burgviertels. Begrenzt wird er im Norden vom ehemaligen Gebäude des Finanzministeriums und im Osten von der Matthiaskirche.

Eines der jüngeren Gebäude in der Dreifaltigkeitsstraße (ungarisch: Szentháromság utca) ist das Haus der Konditorei Ruszwurm (ungarisch: Ruszwurm cukrázda). Sie besteht seit 1827 und ist noch im alten Empire-Stil eingerichtet.

Fischerbastei

Fischerbastei

An der Nordseite der Matthiaskirche (ungarisch: Mátyás templom) befindet sich am Abhang vom Burgberg zur Donau hin die Fischerbastei. Sie wurde 1895 an der Stelle des mittelalterlichen Fischmarktes von Buda errichtet. Das im neoromanischen Stil errichtete Bauwerk dient als Aussichtsterrasse mit einem Blick über die Donau und Pest. Vor der Fischerbastei befindet sich die Statue des Heiligen König Stephan.

Gasse des Schatzmeisters

Die Gasse des Schatzmeisters (ungarisch: Tárnok utca) reicht vom Dreifaltigkeitsplatz zum Ehrenplatz (ungarisch: Dísz tér) und war einst eine typische Handelsstraße, was noch an einigen Häusern erkennbar ist. So ist das Haus Nr. 14, mit seiner mit bunten geometrischen Mustern bemalten Fassade, ein Beispiel für die einst hier stehenden gotischen Handelshäuser.

Ehrenplatz

Ehrenplatz

Der Ehrenplatz (ungarisch: Dísz tér) liegt am nördlichen Ende des Burgviertels und war einst der Paradeplatz. Im Mittelalter war der von barocken und klassizistischen Gebäuden umrahmte Platz der Marktplatz des Burgviertels. Hier befindet sich das Honvéd-Standbild, das 1893 von György Zala hier errichtet wurde und an die Freiheitskämpfe der Jahre 1848/1849 erinnern soll.

Sankt-Georgs-Platz

Sankt-Georgs-Platz: links im Bild die Reste des ehemaligen Honvédministeriums, rechts das Burgtheater

Der Sankt-Georgs-Platz (ungarisch: Szent György tér) befindet sich nördlich des Burgpalastes und südlich des Ehrenplatzes (ungarisch: Dísz tér), von welchem er durch die Reste des ehemaligen königlich ungarischen Honvédministeriums getrennt wird. An der Westseite des Platzes wurde ein weitläufiges Areal mit Palastruinen aus dem 15. Jahrhundert freigelegt, während sich an der Ostseite des Platzes das Burgtheater und das Palais Sándor befinden. Am östlichen Ende des Platzes steht die Statue des Vogels Turul, während sich im Süden die Gebäude des Burgpalastes anschließen.

Herrengasse

Herrengasse

Die Herrengasse (ungarisch: Úri utca) liegt in unmittelbarer Nähe zum Burgpalast. Die Geschichte der Herrengasse reicht bis in das 13. Jahrhundert zurück. Zur Jahrhundertwende 14. auf 15. Jahrhundert ließen sich hier die ungarischen Adligen und reichen Kaufleute ihre Stadthäuser errichten. Geprägt ist die Straße hauptsächlich durch Gebäude im romanischen, gotischen und barocken Stil. In den später folgenden Türkenkriegen wurden große Teile der Straße und ihrer Gebäude vernichtet. Die neue Bebauung wurde größtenteils im barocken und klassizistischem Stil errichtet.

Kapisztrán-Platz

Der Kapisztrán-Platz (ungarisch: Kapisztrán tér) liegt im Nordwesten des Burgviertels und wurde nach dem italienischen Franziskaner Johannes Capistranus benannt. Ihm zu Ehren errichtete 1922 József Damkó auf dem Platz ein Denkmal.

Parlamentsgasse

Die Parlamentsgasse (ungarisch: Országház utca) beginnt an der Südseite des Kapisztrán-Platzes und ist die Hauptstraße des Burgviertels.

Fortunastraße

Die Fortunastraße (ungarisch: Fortuna utca) trifft an der Matthiaskirche auf die Országház utca. Im Mittelalter lebten hier vor allem französische Handwerker, welche am Bau des Burgpalastes mitwirkten.

Höhlensystem

Unter dem Burgpalast befindet sich ein Höhlensystem. In Kriegszeiten wurde dieses immer wieder von der Budaer Bevölkerung als Schutz- und Lagerraum genutzt. Zu sehen sind hier unter anderem Reste alter Brunnenanlagen und ein alter Gefechtsstand der deutschen Wehrmacht aus dem Zweiten Weltkrieg.

Galerie

Verkehrsanbindung

Spezielle Kleinbusse zum Befahren der engen Straßen werden auf den Linien 16 und 16A eingesetzt.

Das Burgviertel ist in mehrfacher Weise mit dem ÖPNV des Budapesti közlekedési központ (BKK) erreichbar:

Die Busse der Linien 16, 16A, 16B und 116 verbinden das Burgviertel mit den U-Bahnhöfen am Széll Kálmán tér (1951–2011 Moszkva tér; M2 und Tram 4, 6, 17, 56 (A), 59 (A/B), 61) und am Deák Ferenc tér (M1, M2, M3, Tram 47 (B), 48, 49) und der Straßenbahnhaltestelle am Clark Ádám tér (Tram 19, 41).

Seit 1869 existiert außerdem die Budavári Sikló, eine Standseilbahn, die den Clark Ádám tér direkt mit dem Szent György tér verbindet.

(Stand: März 2020)

Literatur

Commons: Burgviertel (Budapest) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Janos Hauszmann: Kleine Geschichte Budapests. Pustet, Regensburg 2012, ISBN 978-3-7917-2454-6, S. 67.
  2. ↑ Anneliese Keilhauer: Der Burghügel (Várhegy) von Buda. In: Ungarn, Kultur und Kunst im Land der Magyaren. 3. Auflage. DuMont Buchverlag, Köln 1996, ISBN 3-7701-2096-5.
  3. ↑ Mária Vida: Das Apothekenmuseum „Goldener Adler“ im Budaer Burgviertel. Die Pharmazie in der Renaissance und im Barock. In: Aus der Geschichte der Heilkunde. Hrsg. von Museum, Bibliothek und Archiv für die Geschichte der Medizin „Ignác Semmelweis“ und der Ungarischen Gesellschaft für Geschichte der Medizin (MOTESZ). 2. Auflage. Budapest 1984 (= Orvostörténeti közlemények. Communicationes de historia artis medicinae, Supplement 13–14), S. 85–93.