Geschäftsplan

Der Begriff Geschäftsplan (engl. business plan) bezeichnet ein umfangreiches Schriftstück, das Geschäftsmöglichkeiten mit ihren Risiken und Chancen aufzeigt sowie Maßnahmen beschreibt, um die hieraus resultierenden künftigen Geschäfte nutzen zu können.

Allgemeines

Ein Geschäftsplan ist sowohl zur Unternehmensgründung als auch zur Strategischen und Operativen Planung bestehender Unternehmen notwendig. Ausgangspunkt ist in der Regel ein Marketingplan. Dieser wird durch weitere Teilpläne ergänzt; dazu gehören Beschaffungs-, Produktions-, Personal-, Forschungs- und Vertriebsplan. Hinzu kommt der Finanzplan, der eine Schätzung der notwendigen finanziellen und personellen Ressourcen (Plankosten) und der erwarteten Umsatzerlöse enthält, damit die Wirtschaftlichkeit der Investitionsausgabe beurteilt werden kann. Ein Geschäftsplan ist Grundlage für interne Zielvereinbarungen und zugleich Kommunikationsmittel, um private oder staatliche Investoren wie zum Beispiel Kreditinstitute, Wagniskapital­geber, Business Angels, Kooperationspartner (bei Fusionen) oder unternehmensinterne Gremien, die über die Freigabe von Finanzmitteln entscheiden, zu überzeugen.

Nutzen

Während strategische Planung von vielen Großunternehmen schon immer betrieben wurde, hat sich erst Ende der 1950er Jahre die Erkenntnis durchgesetzt, dass ein Geschäftsplan auch für Klein- und mittelständische Unternehmen vorteilhaft ist; noch später begannen Start-ups mit der Erstellung von formalen Businessplänen. Bis heute ist jedoch umstritten, welcher Zusammenhang zwischen der Qualität der Geschäftspläne und dem Erfolg des Unternehmens besteht bzw. wie eng er ist.

Ein Geschäftsplan hat folgende Vorteile:

Einsatzgebiete

Immer dann, wenn eine Geschäftsidee konkret in ein Gründungsvorhaben umgesetzt werden soll, wird ein Geschäftsplan benötigt. Das ist unabhängig vom Umfang des Vorhabens: Ob jemand nur ein Blumengeschäft eröffnen will oder ein neues innovatives Produktionsverfahren entwickelt wurde. Die Fragen sind die gleichen.

Unternehmensgründungen sind entgegen weit verbreiteter Meinung inzwischen längst nicht mehr der einzige Anwendungsbereich für Geschäftspläne. Gerade in großen Konzernen ist es inzwischen üblich, bei Produkteinführungen, Expansionen oder Firmenkäufen mit dem Werkzeug „Geschäftsplan“ zu arbeiten.

Geschäftspläne werden bei folgenden Anlässen eingesetzt:

Arten

Wenn man sich die unterschiedlichen Anwendungsbereiche für Geschäftspläne verdeutlicht, wird schnell klar, dass nicht alle Geschäftspläne die gleichen Schwerpunkte setzen. So hat ein firmeninterner Geschäftsplan andere Inhalte als ein Plan für eine Neugründung. Bei firmeninternen Plänen muss beispielsweise das Managementteam nur kurz oder gar nicht beschrieben werden. Beim Zahlenwerk kann meist auf die internen Controlling-Instrumente zurückgegriffen werden. Ein Plan zur Neuprodukteinführung hat seinen Schwerpunkt bei den Themen Markt, Wettbewerb, Marketing und Vertrieb. Bei Nachfolgeplänen muss die Übernahmefinanzierung und die Kompetenz des Nachfolgers fokussiert werden.

Doch auch bei Neugründungsvorhaben unterscheiden sich die Geschäftspläne je nach Phase der Unternehmensgründung. Da gibt es den Kurzplan der Startphase und einen ausführlichen Plan in der Gründungsphase. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist aber immer der ausführliche Plan gemeint, wenn von einem Geschäftsplan gesprochen wird.

Aufbau

Welche Kapitel oder Bestandteile ein Geschäftsplan exakt enthalten soll, hat bisher noch niemand eindeutig definiert. Beeinflusst durch amerikanische Vorbilder, Risikokapitalgeber, Unternehmensberatungen, Businessplan-Wettbewerbe und die Vorstellungen von Banken oder öffentlichen Fördereinrichtungen hat sich in den letzten Jahren jedoch eine weitestgehend standardisierte Gliederung eines Geschäftsplanes herausgebildet. Diese Standardisierung ermöglicht potentiellen Kapitalgebern auf der einen Seite, verschiedene Businesspläne unterschiedlicher Unternehmungen zu vergleichen. Auf der anderen Seite kann somit ein systematisches und analytisches Vorgehen der Verfasser bei der Erstellung sichergestellt werden. Die Reihenfolge der Gliederungspunkte oder die Kapitelaufteilung kann dabei im Einzelfall variieren. Die relevanten Inhalte sind dagegen fast überall gleich definiert. Ein professioneller Geschäftsplan sollte daher folgende Kapitel enthalten:

  1. Zusammenfassung (Executive Summary): Hier stehen die wichtigsten Punkte des Vorhabens, kurz und prägnant formuliert.
  2. Produkt- und Unternehmensidee: Hier wird die Produktidee vorgestellt. Außerdem muss der Kundennutzen, auch im Vergleich zu den Wettbewerbern, deutlich werden.
  3. Management- bzw. Gründerteam: Hier werden alle Teammitglieder mit ihren spezifischen, für das Vorhaben (meist eine Unternehmensgründung) wichtigen Qualifikationen vorgestellt.
  4. Markt und Wettbewerb: An dieser Stelle wird mit Hilfe von Markt- und Branchendaten ein vertiefter Einblick zu Konkurrenten und Kunden gegeben.
  5. Marketing und Vertrieb: Hier wird zur Markteintrittsstrategie und zu konkreten Werbe- und Vertriebsüberlegungen ausführlich Stellung genommen.
  6. Unternehmensform: Die Gesellschaftersituation, die gewählte Rechtsform und andere formale Punkte werden hierin beschrieben.
  7. Finanzplanung: In der Finanzplanung wird u. a. die Gewinn- und Verlustrechnung, die Liquiditätsplanung und der Kapitalbedarf aufgeführt.
  8. Risikobewertung und Alternativszenarien: Hier werden Risiken aufgezeigt. Außerdem werden Angaben über alternative Entwicklungen mit Hilfe von Best-case- und Worst-case-Szenarien dargestellt.

Manche Investoren oder Wettbewerbe verlangen in Geschäftsplänen noch einen Ablaufplan. Dieser sollte zwar erstellt werden, er ist aber nicht zwingend Bestandteil des Geschäftsplanes an sich. Durch die häufige Aktualisierung ist es oft nicht sinnvoll, diesen in den Geschäftsplan zu integrieren. Im Zweifel sollte der Empfänger des Planes gefragt werden, ob ein Ablaufplan erwartet wird.

Geschäftsplan und Business Model Canvas

Um einen Geschäftsplan/Businessplan zu erarbeiten, lässt sich das Business Model Canvas nutzen. Es hilft dabei, sich einen Überblick über die wichtigsten Schlüsselfaktoren eines erfolgreichen Geschäftsmodells zu verschaffen.

  1. Schlüssel-Partner: Wer kommt als Partner in Frage?
  2. Schlüssel-Aktivitäten: Welches sind die wichtigsten Tätigkeiten, um dieses Geschäftsmodell in die Tat umzusetzen?
  3. Nutzen-Versprechen: Welchen Nutzen haben die Kunden, wenn sie das Produkt oder die Dienstleistung kaufen?
  4. Kunden-Beziehungen: Wie können die in Frage kommenden Kunden gewonnen und gebunden werden?
  5. Kunden-Arten: Welche ist die Kunden-Zielgruppe?
  6. Schlüssel-Ressourcen: Welche Ressourcen sind unverzichtbar?
  7. Vertriebs- und Kommunikations-Kanäle: Wie erfahren Kunden von dem Angebot? Wie bekommen sie es?
  8. Kosten: Welches sind die wichtigsten Ausgaben, ohne die das Geschäftsmodell nicht funktionieren würde?
  9. Einnahmequellen: Woher kommt in diesem Geschäftsmodell das Geld?

Entwickelt hat das Business Model Canvas der Schweizer Unternehmer, Dozent und Autor Alexander Osterwalder. Es gilt mittlerweile weltweit als Mittel der Wahl, um innovative Geschäftsmodelle zu finden und veraltete auf den Prüfstand zu stellen. Das Besondere beim Business Model Canvas ist die Methode, mit der sich viele Einzelideen zu einem Geschäftsmodell baukastenartig zusammenfügen und zueinander in Beziehung setzen lassen, bis ein marktfähiges Modell gefunden ist. Am besten funktioniert das Ganze, wenn eine bereichsübergreifende Gruppe mit der Methode arbeitet.

Das Geschäftsmodell, das man mit Hilfe des Business Model Canvas finden kann, ist der Kern jedes guten Businessplans. Allerdings geht das Business Model Canvas nicht auf das Thema Finanzen ein. Ein Businessplan ist hier umfassender. Er enthält zusätzlich alle wichtigen Überlegungen zum Thema Finanzen: Kapitalbedarf, Finanzierung, Liquidität und Rentabilität. Ein Business Model Canvas wird daher meist auch als Vorarbeit für den Businessplan gesehen.

Umfang

Welchen Umfang ein Geschäftsplan haben soll, lässt sich nicht allgemein festlegen. Sofern ein Geschäftsplan für ein Gründungsvorhaben mit einem starken lokalen Bezug erstellt wird (z. B.: Handwerksbetrieb, Gaststätte, Ladengeschäft, Internet-Café) ist ein Umfang von 5–10 DIN A4-Seiten richtig. Handelt es sich um eine Gründung mit regionalem Bezug (z. B.: IT-Dienstleistung, Spedition, Landwirtschaft, Handel) sollten 10–20 A4-Seiten ausreichen. Bei nationalem oder internationalem Bezug und der Notwendigkeit, größere externe Investoren mit dazu zu holen, sollten die Ausführungen auf 20–40 Seiten gemacht werden. Mehr als 50 Seiten sind kritisch, da kaum ein Investor oder anderer Entscheider bereit ist, so detailliert in einen Plan einzutauchen. Beteiligungsgesellschaften (Wagniskapital und Private Equity) bekommen etwa 500 bis 1200 Geschäftspläne pro Jahr zugesendet. Im Schnitt nehmen sich Investoren zur Prüfung eines Geschäftsplan 8–12 Minuten Zeit. Sofern weitergehendes Interesse entsteht, wird sich der Investor notwendige Zusatzinformationen in einem persönlichen Gespräch beschaffen.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Stephen Robbins u. a.: Fundamentals of Management. 7. Auflage, Boston: Pearson 2011., ISBN 0-13-509518-2
  2. ↑ Singler, Axel: Businessplan. 3. Auflage, 128 S., Haufe-Lexware, München, 2010, S. 6ff., ISBN 978-3-448-10041-9
  3. ↑ P. McKiernan, C. Morris: Strategic planning and financial performance in UK SMEs: does formality matter? In: British Journal of Management vol. 5 (1994), no. 2, S. 31–42; hier: S. 32.
  4. ↑ Stephanie Lahn: Der Business-Plan in Theorie und Praxis. Springer Gabler, Wiesbaden 2015, S. 120.
  5. ↑ Singler, Axel: Businessplan. 3. Auflage, 128 S., Haufe-Lexware, München, 2010, S. 9ff., ISBN 978-3-448-10041-9
  6. ↑ Anna Nagl: Der Businessplan: Geschäftspläne professionell erstellen. Mit Checklisten und Fallbeispielen. 8. überarb. Auflage. Springer Gabler, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-05264-5, S. 4.
  7. ↑ Singler, Axel: Businessplan. 3. Auflage, 128 S., Haufe-Lexware, München, 2010, S. 11, ISBN 978-3-448-10041-9
  8. ↑ Singler, Axel: Businessplan. 3. Auflage, 128 S., Haufe-Lexware, München, 2010, S. 12, ISBN 978-3-448-10041-9
  9. ↑ Singler, Axel: Businessplan. 3. Auflage, 128 S., Haufe-Lexware, München, 2010, S. 13, ISBN 978-3-448-10041-9
  10. 1 2 3 Singler, Axel: Businessplan. 3. Auflage, 128 S., Haufe-Lexware, München, 2010, S. 14, ISBN 978-3-448-10041-9
  11. ↑ Hutzschenreuter, Thomas: Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 3. Aufl., Gabler, Wiesbaden, 2009, S. 34ff., ISBN 978-3-8349-1593-1
  12. ↑ Singler, Axel: Businessplan. 3. Auflage, 128 S., Haufe-Lexware, München, 2010, S. 15, ISBN 978-3-448-10041-9
  13. ↑ Start-ups help VCs beat slowdown
  14. ↑ Dean A. Shepherd, Richard Ettenson, Andrew Crouch, New venture strategy and profitability: A venture capitalist's assessment, Journal of Business Venturing, Volume 15, Issues 5-6, September-November 2000, Page 450, ISSN 0883-9026, doi:10.1016/S0883-9026(98)00007-X.
  15. ↑ Singler, Axel: Businessplan. 3. Auflage, 128 S., Haufe-Lexware, München, 2010, S. 16, ISBN 978-3-448-10041-9