CES-Funktion

Als CES-Funktion (kurz für englisch constant elasticity of substitution – „konstante Substitutionselastizität“) bezeichnet man in der Volkswirtschaftslehre eine Klasse von Funktionen, die sich dadurch auszeichnen, dass sie an jeder Stelle ihres Definitionsbereiches dieselbe Substitutionselastizität aufweisen. Diese Eigenschaft ist in einer Vielzahl von ökonomischen Anwendungen – sei es im mikro- oder im makroökonomischen Bereich – vorteilhaft. Für bestimmte Parameterkonstellationen gehen aus der allgemeinen CES-Funktion überdies spezielle Funktionsklassen hervor, die ebenfalls weitläufig Gebrauch finden.

In der wissenschaftlichen Praxis finden CES-Funktionen unter anderem als Nachfragefunktionen (CES-Nachfragefunktion), Nutzenfunktionen (CES-Nutzenfunktion) und Produktionsfunktion (CES-Produktionsfunktion) Verwendung.

Definition

Als CES-Funktion bezeichnet man allgemein eine Funktion
z=β⋅[α1x1−ρ+α2x2−ρ+⋯+αnxn−ρ]−γ/ρ
mit β,γ>0; xi>0 und αi>0 für alle i=1,…,n sowie ρ≠0.

Dabei ist (aus noch zu erläuternden Gründen) γ der Homogenitätsgrad. Fast immer setzt man β=1 und in der Regel auch γ=1.

Unterschiedliche Verwendungszwecke

Nutzt man die Funktion als Produktionsfunktion, bezeichnet man sie regelmäßig mit y (statt z), um auszudrücken, dass sie die produzierte Menge eines Gutes anzeigt. Die xi stehen dann für die Menge des eingesetzten Inputfaktors i, wobei es eben n Inputfaktoren gibt. Häufig verwendet wird so beispielsweise die Zwei-Faktoren-CES-Produktionsfunktion y=[α1K−ρ+α2L−ρ]−1/ρ (bisweilen auch mit der Vorgabe α1+α2=1), wobei K für den Kapital- und L für den Arbeitseinsatz steht; in einer von Robert Solow im Feld der Wachstumstheorie eingeführten Version ist y=(αKρ+Lρ)1/ρ.

Bei der Verwendung als Nutzenfunktion (in der Regel u) bezeichnet xi die Menge des konsumierten Gutes i.

Eigenschaften

Es lässt sich zeigen, dass die CES-Funktion im definierten Sinne homogen vom Grade γ ist. Weiterhin ist sie für ρ≤−1 quasikonvex, für ρ≥−1 quasikonkav. Für 0<γ≤1 und zugleich ρ≥−1 ist sie überdies konkav und für 0<γ<1, ρ>−1 sogar strikt konkav.

Spezialfälle

Es kann gezeigt werden, dass die CES-Funktion für ρ→0 in eine Funktion vom Cobb-Douglas-Typ (mit Substitutionselastizität σ=1) und für ρ→∞ in eine Leontief-Funktion (σ=0) übergeht.

Spezifische Parameterkonstellationen erlauben weitere Präzisierungen. So ist beispielsweise z=[α1x1−ρ+⋯+αnxn−ρ]−1/ρ mit α1+⋯+αn=1 vom CES-Typ mit Substitutionselastizität σ=1/(1+ρ). Für ρ→0 konvergiert σ→1 und z reduziert sich zur linear-homogenen Cobb-Douglas-Funktion z=x1α1⋯xnαn. Für ρ→∞ folgt wiederum σ→0 und es ergibt sich im Grenzwert die Leontief-Funktion z=min⁡{x1,…,xn}.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Die hiesige Definition folgt Sydsæter u. a. 2008, S. 72 und Simon/Blume 1994, S. 275. Bei ihr handelt es sich um eine generalisierte Form; vielfach werden auch bereits bestimmte Eigenschaften vorausgesetzt. So beschränkt sich der weit überwiegende Teil der Literatur auf den Fall mit β=1 (Sydsaeter/Strøm/Berck 2005, S. 166; Varian 1992, S. 19; Jehle/Reny 2011, S. 130; Mas-Colell/Whinston/Green 1995, S. 97) und üblicherweise ist auch γ=1 (Varian 1992, S. 19; Jehle/Reny 2011, S. 130; Mas-Colell/Whinston/Green 1995, S. 97); bisweilen wird überdies nur der Fall mit αi=1 betrachtet (Jehle/Reny 2011, S. 130). Regelmäßig wird in der Funktion auch ρ statt −ρ verwendet (Varian 1992, S. 19; Jehle/Reny 2011, S. 130; Mas-Colell/Whinston/Green 1995, S. 97; wie hier Sydsaeter/Strøm/Berck 2005, S. 166 und Wied-Nebbeling/Schott 2007, S. 128); daraus ergibt sich jedoch lediglich ein interpretatorischer Unterschied infolge abweichender Elastizitätsdefinitionen.
  2. ↑ Vgl. beispielsweise Wied-Nebbeling/Schott 2007, S. 128.
  3. ↑ Robert M. Solow: A Contribution to the Theory of Economic Growth. In: The Quarterly Journal of Economics. 70, Nr. 1, 1956, S. 65–94 ( (PDF; 2,2 MB); JSTOR:1884513).
  4. ↑ Zu dieser und den folgenden Eigenschaften vgl. Sydsæter u. a. 2008, S. 72 (dort auch mit Beweisen) und Sydsaeter/Strøm/Berck 2005, S. 166.
  5. ↑ Diese Eigenschaft ist freilich nicht von nennenswerter praktischer Relevanz; im Fall ρ<−1 würde die CES-Technologie dann nämlich konkave Isoquanten implizieren, was wenig plausibel erscheint.
  6. ↑ Vgl. beispielsweise Wied-Nebbeling/Schott 2007, S. 128 ff. für den Fall n=2 und α1+α2=1.
  7. ↑ Vgl. Jehle/Reny 2011, S. 131.