CIH (Computervirus)

CIH
Name CIH
Aliase Tschernobyl, Spacefiller
Bekannt seit 1998
Erster Fundort Taiwan
Virustyp Dateivirus
Autoren Chen Ing-Hau
Dateigröße 1.000 Bytes
Wirtsdateien EXE
Verschlüsselung nein
Stealth ja
Speicherresident ja
System Windows 9x
Programmiersprache x86-Assembler

CIH bezeichnet eine Gruppe von Computerviren, welche Programmdateien befallen und vom taiwanischen Programmierer Chen Ing-Hau geschrieben wurden. Eine Infektion mit CIH konnte auch Firmwareschäden verursachen.

Chen Ing-Hau stellte das Virus am 26. April 1998 fertig. Am 25. Juni desselben Jahres wurde zum ersten Mal ein mit CIH infizierter Computer entdeckt.

Das Virus breitete sich anschließend stark aus und wurde in nahezu allen Industrie- und Schwellenländern gefunden. In den Jahren um die Jahrtausendwende gehörten CIH-Infektionen zu den häufigsten Malwarefunden. Im April 2001 war CIH noch stark verbreitet. 2,8 % der Infektionen, die an den Softwarehersteller Sophos gemeldet wurden, betrafen CIH-Funde.

Die CIH-Viren gehören zur Klasse der Dateiviren.

Aliasse

Versionen und Derivate

Chen Ing-Hau programmierte drei Versionen des Virus. Weitere Derivate wurden von meist unbekannten dritten Personen erstellt:

Die Malware-Enzyklopädie auf der Website von Microsoft umfasste im Juni 2020 insgesamt 27 verschiedene Derivate des ursprünglichen CIH-Virus.

Funktion

Hexdump des ersten CIH-Virus

Das Dateivirus ist speicherresident und befällt EXE-Dateien (Portable Executable) unter Windows 95, Windows 98 und Windows ME. Nicht betroffen sind Windows NT und alle darauf basierenden Windows-Betriebssysteme, wodurch das Virus heute praktisch keine Bedeutung mehr hat.

CIH löst seinen Schadcode (Payload) nur an vorprogrammierten Tagen aus, wodurch betroffene Rechner meist noch lange Zeit funktionstüchtig blieben und infizierte Dateien weitergereicht werden konnten. Die erste Version wurde einmal jährlich getriggert, wenn das Systemdatum den 26. April erreichte. Daher ist CIH ein sogenanntes Geburtstags-Virus. Entgegen einer weit verbreiteten Fehlannahme ist der 26. April aber nicht wirklich der Geburtstag des Virus-Autors Chen Ing-Hau. Es war das Datum, an dem er das Virus fertiggestellt hatte.

Payload

Die Schadensroutine überschreibt zunächst die Partitionstabelle im Master Boot Record der Festplatte mit Nullen, womit der Zugriff auf die Daten der Festplatte ohne spezielle Wiederherstellungslösungen unmöglich gemacht wird. Für die Partitionstabelle existiert kein hardwareseitiger Schutz.

Des Weiteren versucht sie auch, das BIOS des Rechners zu überschreiben. Betroffen davon waren viele Computer mit Intel-Pentium-Prozessoren, unter anderem Rechner mit Intel-430TX-Chipsätzen, bei denen zusätzlich der Schutz vor einem Überschreiben des BIOS fehlt oder nicht aktiviert ist. Ist das Überschreiben des BIOS erfolgt, startet der betroffene PC nicht mehr, und der BIOS-Chip auf der Hauptplatine muss ausgetauscht oder neu beschrieben werden. Um das Flash-BIOS gegen Überschreiben zu schützen, gibt es auf vielen Hauptplatinen einen Jumper, der eine ungewollte Änderung des BIOS verhindern soll. Allerdings garantiert dies keinen Schutz, da bei einigen BIOS-Versionen der Schreibschutz für das Flash-BIOS trotz eines solchen Jumpers softwareseitig gesetzt wird. Das macht sich das Virus zunutze und deaktiviert kurzerhand den Schreibschutz. Entgegen weitläufiger Meinung richtet CIH dabei keinen Schaden an Hardware an sich an, sondern an der auf der Hauptplatine gespeicherten Firmware. Obwohl das Virus gerade für diesen Effekt des Payloads bekannt ist, kam er in der Praxis nur relativ selten vor, da er nur auf kompatiblen Mainboards funktioniert. Selbst wenn das BIOS nicht überschrieben wird, kann aber das Überschreiben der Partitionstabelle dennoch auftreten.

Identifikation und Entfernung

  • Die ersten Versionen von CIH wurden noch im Jahr 1998 von nahezu jeder gebräuchlichen Antivirussoftware erkannt. Der Einsatz solcher Software war um die Jahrtausendwende aber vor allem im Privatbereich noch keine Selbstverständlichkeit und etablierte sich erst in den folgenden zehn Jahren.
  • Windowssysteme auf NT-Basis waren nicht anfällig, ebenso Betriebssysteme von anderen Herstellern.

Auswirkungen

Erkennungsmeldung eines Virenscanners

Zum ersten Mal tauchte das Virus am 25. Juni 1998 in Taiwan auf, verbreitete sich jedoch später auf der ganzen Welt. Am 26. April 1999, was zufällig dem Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 entsprach, wurde die Schadensroutine von CIH erstmals aktiviert, wodurch das Virus seinen Alternativnamen Chernobyl erlangte. Weltweit waren Rechner von Virusinfektionen betroffen. Zwei Varianten des Programmes werden dagegen einmal am 26. Juni aktiviert und die andere am 26. Tag eines jeden Monats.

Die Verbreitung wurde offenbar dadurch begünstigt, dass sowohl widerrechtlich kopierte Software als auch legale Softwareprodukte mit dem Virus verseucht waren. Denn auch kommerzielle Quellen waren von CIH betroffen:

Der Programmierer Chen Ing-Hau musste sich wegen der schädlichen Folgen des Virus ab dem Jahr 2000 vor Gericht verantworten. Das Verfahren zog sich über Jahre in die Länge. Zu einer Haftstrafe kam es nie.

Einzelnachweise

  1. ↑ https://www.crn.de/security/chernobyl-virus-aus-den-90ern-wieder-aufgetaucht.92039.html
  2. ↑ Dirk Delbrouck: Top Ten der Viren im April. In: zdnet.de. 2. Mai 2001, abgerufen am 6. März 2024.
  3. ↑ https://www.trendmicro.com/vinfo/de/threat-encyclopedia/malware/PE_CIH.DAM/ F-Secure.com: Thread Descriptions PE_CIH.DAM
  4. 1 2 3 4 5 6 https://www.trendmicro.com/vinfo/de/threat-encyclopedia/malware/pe_cih.1003 TrendMicro.com: Threat Encyclopedia PE_CIH.1003
  5. 1 2 https://www.microsoft.com/en-us/wdsi/threats/malware-encyclopedia-description?Name=Win95/CIH&threatId= Microsoft.com: Malware Encyclopedia Description Win95/CIH
  6. ↑ Dietmar Müller: Panda warnt vor CIH.1106. In: zdnet.de. 29. November 2002, abgerufen am 6. März 2024.
  7. ↑ Virus:DOS/CIH Description | F-Secure Labs. Abgerufen am 22. August 2022 (englisch).
  8. ↑ Wing Commander Secret Ops Released. In: golem.de. 28. August 1998, abgerufen am 3. Februar 2024.
  9. ↑ Hacker infizieren sich selbst. In: computerwoche.de. 16. Juli 1999, abgerufen am 3. März 2024.
  10. ↑ Norbert Luckhardt: Back Orifice war infiziert. In: Heise online. 16. Juli 1999. Abgerufen am 4. März 2024.
  11. ↑ Andreas Beier: CIH-Virus auf „Wall Street Trader“-CD. In: Heise online. 29. Juni 1999. Abgerufen am 4. März 2024.
  12. ↑ https://www.crn.de/security/chernobyl-virus-aus-den-90ern-wieder-aufgetaucht.92039.2.html