CSD Hamburg

CSD Hamburg im Jahr 2014

Der Christopher Street Day Hamburg, kurz CSD Hamburg (auch Hamburg Pride), ist eine jährliche queere Demonstration in Hamburg am ersten August-Wochenende. Er fand erstmals 1980 statt und ist mit bis zu 300.000 Teilnehmenden eine der größten Pride-Veranstaltungen Deutschlands. Die Demonstration ist Höhepunkt der einwöchigen Pride Week und wird seit 2004 von dem gemeinnützigen Verein Hamburg Pride e. V. veranstaltet.

Geschichte

Die ersten CSDs in Deutschland unter diesem Namen fanden 1979 in Berlin und Bremen statt. In Hamburg fand der erste CSD am 28. Juni 1980 statt, organisiert von der Homosexuellen Aktion Hamburg. Rund 1.500 Menschen demonstrierten da gegen den Paragrafen 175 und für eine Besserung der Lebenssituation von Homosexuellen. Als die Polizei Fotos von Demonstrationsteilnehmenden machte, kam es im Sternschanzenpark zu einer Auseinandersetzung zwischen Polizei und Demonstrierenden, bei denen die Hamburger Polizei Reizgas und Schlagstöcke einsetzte. Zwei verletzte Demonstrationsteilnehmende mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Von da an gab es regelmäßige Demonstrationen, wobei Differenzen zwischen Schwulen- und Lesbenbewegung zu Konflikten führten und Ende der 1980er Jahre nur noch wenige Menschen zu den Demonstrationen kamen. 1992 kam es unter dem Motto „Das Wärmste am Norden“ zu einer Neuausrichtung des CSD.

Logo des Europride 2004, Hamburg

2003 wurde der Verein Hamburg Pride e. V. gegründet, der mittlerweile als gemeinnützig anerkannt ist. Mit mehr als 1000 Mitgliedern zählt er zu den größten CSD-Vereinen Deutschlands. Die Mitglieder wählen einen Vorstand, der ehrenamtlich für den Verein tätig ist. 2004 war der CSD Hamburg Austragungsort der paneuropäischen Europride. Dabei nahmen rund 360.000 Menschen an der Demonstration teil.

In den Jahren 2020 und 2021 wurden wegen der Corona-Pandemie keine klassischen Demonstrationen organisiert, sondern Fahrrad-Demonstrationen. In den folgenden Jahren wurden für die reguläre CSD-Demonstration Rekord-Teilnahmezahlen vermeldet. 2024 nahmen rund 250.000 Menschen teil und der CSD musste aufgrund des Andrangs seine Route ändern; 2025 mit etwa 260.000 Menschen noch mehr. Der CSD Hamburg ist damit eine der größten queeren Veranstaltungen Deutschlands. Prominente Politikerinnen und Politiker, auch Hamburgs Erster Bürgermeister, nehmen regelmäßig an der Demonstration teil. 2026 gab es mit 300.000 Menschen einen neuen Teilnehmerrekord.

Rahmenprogramm

Die Pride Week in Hamburg startet offiziell mit der „Pride Night“, die an wechselnden Eventlocations organisiert wird und sich inhaltlich am jeweiligen CSD-Motto orientiert. Dabei verleiht der Verein Hamburg Pride e. V. die „Pride Awards“ für queeres Engagement: den Hamburg Pride Award für ehrenamtliche Arbeit in der Stadt Hamburg und einen Ehren-Pride-Award für Personen des öffentlichen Lebens, die Vorbildcharakter für die queere Community und die Gesellschaft in Deutschland haben. In den vergangenen Jahren wurden u. a. die Juristin Susanne Baer (2025), der Aktivist Fabian Grischkat (2024), der Aktivist Riccardo Simonetti (2023), die Initiative #OutInChurch (2022) und die Journalistin Georgine Kellermann (2021) ausgezeichnet.

Im Rahmen der Pride Week organisiert Hamburg Pride e. V. das „Pride House“ in dem Stadtteil St. Georg, dem zentralen Veranstaltungsort. Jedes Jahr bieten dort unterschiedliche Vereine und Netzwerke rund 30 Veranstaltungen zu queeren Themen an.

Auf dem Volksfest Hamburger Dom, das zeitgleich mit dem CSD-Wochenende stattfindet, gibt es seit 2016 einen Regenbogentag.

Am Wochenende der CSD-Demonstration findet von Freitag bis Sonntag das CSD-Straßenfest um die Binnenalster und am Hamburger Rathaus statt. Zum Programm gehören politische Kundgebungen und musikalische Auftritte.

CSD-Mottos und Teilnehmendenzahlen

Jahr Teilnehmende CSD-Motto
2026 300.000 Solidarisch queer. Haltung zeigen – für eine Zukunft ohne Angst!
2025 260.000 Wir sind hier, um zu bleiben. Queere Menschen schützen.
2024 250.000 5 vor 12! Du & ich gegen Rechtsdruck
2023 200.000–250.000 Selbstbestimmung jetzt! Verbündet gegen Trans*feindlichkeit
2022 250.000 Auf die Straße! Vielfalt statt Gewalt!
2021 8.500 Keep on Fighting. Together.
2020 2.500 Keep on Riding. Together.
2019 240.000 Grundsätzlich gleich – Für eine bessere Verfassung
2018 80.000 Teilnehmende, 100.000 Zuschauende Freie Bahn für Genderwahn
2017 20.000 Kommt mit uns! Diskriminierung ist keine Alternative
2016 15.000 Teilnehmende, 150.000 Zuschauende Normal ist, wer Menschen achtet!
2015 15.000 Teilnehmende, 150.000 Zuschauende Akzeptanz ist schulreif: Sexuelle Vielfalt auf den Stundenplan!
2014 150.000 Grenzenlos stolz statt ausgegrenzt – In Hamburg und weltweit
2013 125.000 Mehrheit für Vielfalt: Du hast die Wahl
2012 120.000 Ehe 2.0 – Nach den Pflichten jetzt die Rechte!
2011 100.000 Trau Dich! Zeig Dich! Out ist In.
2010 80.000 Gleiche Rechte statt Blumen
2009 k. A. Flotter 3er fürs Grundgesetz
2008 k. A. Butter bei die Fische
2007 k. A. Homo-Reform ’07
2006 k. A. Spielt doch keine Rolle.
2005 k. A. Get in touch!
2004 k. A. Love breaks barriers
Commons: CSD Hamburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Stefanie Döscher: CSD in Hamburg: Bunt und vielfältig - Vorläufer-Demo eskalierte 1980 in Polizeigewalt. NDR, abgerufen am 13. Juni 2026.
  2. ↑ Olaf Wunder: CSD 1980: Als Polizisten auf Lesben und Schwule einschlugen. In: Hamburger Morgenpost. 6. August 2021, abgerufen am 13. Juni 2026 (deutsch).
  3. ↑ Der Verein | Hamburg Pride. Abgerufen am 16. Juni 2026.
  4. ↑ EuroPride Seeks to Break Barriers in EU. In: Deutsche Welle. Abgerufen am 13. Juni 2026 (englisch).
  5. ↑ Christopher Street Day: 260.000 Menschen feiern in Hamburg. NDR, 3. August 2025, abgerufen am 13. Juni 2026.
  6. ↑ Christopher Street Day: 260.000 Menschen feiern bei CSD in Hamburg. In: Die Tageszeitung: taz. 3. August 2025, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 13. Juni 2026]).
  7. ↑ Christopher Street Day: 260.000 Menschen feiern in Hamburg. In: ZDF Heute. 3. August 2025, abgerufen am 13. Juni 2026.
  8. ↑ Christopher Street Day in Hamburg: So war die größte CSD-Demo der Stadtgeschichte. In: ndr.de. Abgerufen am 2. August 2026.
  9. ↑ Pride Night | Pride Week | Hamburg Pride. Abgerufen am 16. Juni 2026.
  10. ↑ Pride Award | Pride Week | Hamburg Pride. Abgerufen am 16. Juni 2026.
  11. ↑ Pride Week | Hamburg Pride. Abgerufen am 16. Juni 2026.
  12. 1 2 Christopher Street Day in Hamburg: Neue Route und große Demonstration für Gleichstellung. NDR, abgerufen am 13. Juni 2026.
  13. ↑ Meilensteine | Hamburg Pride. Abgerufen am 16. Juni 2026.
  14. ↑ CSD-Demo in Hamburg: 300.000 Menschen waren dabei. In: ndr.de. Abgerufen am 1. August 2026.
  15. ↑ Pride 2026 | Hamburg Pride. Abgerufen am 1. August 2026.
  16. ↑ ndr.de: Bunter Umzug mit Rekordbeteiligung: 260.000 Menschen feiern bei CSD-Demo in Hamburg. Abgerufen am 16. Juni 2026.
  17. ↑ Bob Geisler: CSD Hamburg: 250.000 Menschen setzen buntes Zeichen gegen Rechts. 4. August 2024, abgerufen am 16. Juni 2026.
  18. ↑ FUNKE Mediengruppe: CSD in Hamburg: So bunt war es 2023 – die besten Bilder gibt es hier. 6. August 2023, abgerufen am 16. Juni 2026.
  19. ↑ Hunderttausende feiern beim Christopher Street Day in Hamburg. 6. August 2022, abgerufen am 16. Juni 2026.
  20. ↑ CSD in der Hansestadt: Tausende radelten beim Hamburg Pride mit. 7. August 2021, abgerufen am 16. Juni 2026.
  21. ↑ Rechte einfordern in Corona-Zeiten: Hamburg feiert CSD mit Fahrraddemo. 1. August 2020, abgerufen am 16. Juni 2026.
  22. ↑ FUNKE Mediengruppe: CSD 2019: Bürgermeister eröffnet Parade – plötzlich Feuer und Qualm. 3. August 2019, abgerufen am 16. Juni 2026.
  23. ↑ hamburgerallgemeinerundschau: 80.000 Teilnehmer bei CSD-Parade 2018. In: Hamburger Allgemeine Rundschau. 9. August 2018, abgerufen am 16. Juni 2026.
  24. ↑ hamburgerallgemeinerundschau: 20.000 Teilnehmer beim CSD in Hamburg. In: Hamburger Allgemeine Rundschau. 7. August 2017, abgerufen am 16. Juni 2026.
  25. ↑ FUNKE Mediengruppe: Zehntausende Zuschauer bei CSD-Parade in Hamburg. 6. August 2016, abgerufen am 16. Juni 2026.
  26. ↑ Rosi Chankova: 15.000 Teilnehmer bei CSD-Parade in Hamburg. 1. August 2015, abgerufen am 16. Juni 2026.
  27. ↑ CSD 2014: gayweb Hamburg. Abgerufen am 16. Juni 2026.
  28. ↑ Hamburg: Rund 125 000 Teilnehmer bei Christopher Street Day. In: RP Online. 4. August 2013, abgerufen am 16. Juni 2026.
  29. ↑ Homosexualität: Zehntausende Homosexuelle ziehen bei CSD-Parade durch Hamburg - WELT. Abgerufen am 16. Juni 2026.
  30. ↑ dpa WELT: Schwulen-Parade: 100.000 Menschen feiern beim Christopher Street Day - WELT. Abgerufen am 16. Juni 2026.
  31. ↑ dpa: 80.000 feiern beim Christopher Street Day. 9. August 2010, abgerufen am 16. Juni 2026.