Cadmoselit

Cadmoselit
Cadmoselit aus Ust'Uyok, Turan, Tuwa, Russland
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Cds

Chemische Formel CdSe
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

II/B.06
II/C.13-040

2.CB.45
02.08.07.03
Kristallographische Daten
Kristallsystem hexagonal
Kristallklasse; Symbol dihexagonal-pyramidal; 6mm
Raumgruppe P63mc (Nr. 186)Vorlage:Raumgruppe/186
Gitterparameter a = 4,30 Å; c = 7,01 Å
Formeleinheiten Z = 2
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 4 (VHN = 203–222 kg/mm2)
Dichte (g/cm3) gemessen: 5,47; berechnet: 5,807
Spaltbarkeit vollkommen
Bruch; Tenazität spröde
Farbe schwarz; hellgrau im Auflicht; schwaches Braun in Öl mit inneren, bräunlichen Reflexionen
Strichfarbe schwarz
Transparenz durchscheinend bis undurchsichtig
Glanz Diamantglanz, Harzglanz

Cadmoselit (russisch Кадмоселит) ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Zusammensetzung CdSe und damit chemisch gesehen Cadmiumselenid.

Cadmoselit kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem und entwickelt sehr kleine, hexagonal-pyramidale Kristalle im Bereich von einigen zehntel Millimetern Größe mit horizontaler Streifung. Die Farbe des durchscheinenden bis undurchsichtigen Minerals ist ungewöhnlich wechselhaft. Bei indirekter Beleuchtung wirkt es schwarz, im Auflicht dagegen hellgrau. In Öl getaucht erscheint die Farbe schwach braun mit inneren, bräunlichen Reflexionen. Seine Strichfarbe ist allerdings immer schwarz.

Etymologie und Geschichte

Erstmals gefunden wurde Cadmoselit in der Vanadium-Selen-Uran-Lagerstätte „Ust'Uyok“ bei Turan in Südsibirien im heutigen Russland. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch Je. S. Burjanowa, G. A. Kowalew und A. I. Komkow (russisch Е. З. Бурьянова, Г. А. Ковалев, А. И. Комков), die das Mineral nach dessen Zusammensetzung Cadmium und Selen benannten. Ihre Erstbeschreibung veröffentlichte das Mineralogenteam 1957 im russischen Fachmagazin Sapiski Wsessojusnogo Mineralogitscheskogo Obschtschestwa (russisch Записки Всесоюзного Минералогического Общества).

Da der Cadmoselit bereits vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Cadmoselit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet. Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Cadmoselit lautet „Cds“.

Das Typmaterial des Minerals wird im Mineralogischen Museum, benannt nach A. J. Fersman (englisch Fersman Mineralogical Museum, FMM) unter der Inventarnummer 72553 aufbewahrt.

Klassifikation

Bereits in der letztmals 1977 überarbeiteten und daher veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Cadmoselit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung „Sulfide mit M : S = 1 : 1“, wo er gemeinsam mit Greenockit, Rhodostannit und Wurtzit in der „Wurtzit-Reihe“ mit der Systemnummer II/B.06 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/C.13-040. Dies entspricht der ähnlichen Abteilung „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : S,Se,Te ≈ 1 : 1“, wo Cadmoselit zusammen mit Buseckit, Greenockit, Rambergit und Wurtzit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/C.13 bildet.

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Cadmoselit ebenfalls in die Abteilung „Metallsulfide, M : S = 1 : 1 (und ähnliche)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „mit Zink (Zn), Eisen (Fe), Kupfer (Cu), Silber (Ag) usw.“ zu finden, wo es zusammen mit Greenockit, Rambergit und Wurtzit die „Wurtzitgruppe“ mit der Systemnummer 2.CB.45 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Cadmoselit die System- und Mineralnummer 02.08.07.03. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfide einschließlich Selenide und Telluride“. Hier findet er sich in der „Wurtzitgruppe“ mit der Systemnummer 02.08.07, in der auch Wurtzit und Greenockit eingeordnet sind.

Chemismus

In der idealen, stoffreinen Zusammensetzung von Cadmoselit (CdSe) besteht das Mineral aus Cadmium (Cd) und Selen (Se) im Stoffmengenverhältnis von 1 : 1. Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichtsprozent) von 58,74 Gew.-% Cd und 41,26 Gew.-% Se.

Bei natürlichen Cadmoselitproben können die Werte je nach Bildungsbedingungen und Stofftransport in geringem Umfang abweichen. Zudem können auch formelfremde Beimengungen enthalten sein. So ergab beispielsweise die Analyse des Typmaterials aus Russland einen Massenanteil von 49,37 Gew.-% Cd und 37,50 Gew.-% Se sowie Fremdbeimengungen von 2,83 Gew.-% Zink (Zn), 1,95 Gew.-% Eisen (Fe) und einen aus der Differenz ermittelten Anteil von 8,35 Gew.-% Schwefel (S). Das enthaltene Eisen wird dabei dem vergesellschafteten Ferroselit zugeschrieben.

Kristallstruktur

Cadmoselit kristallisiert in der hexagonalen Raumgruppe P63mc (Raumgruppen-Nr. 186)Vorlage:Raumgruppe/186 mit den Gitterparametern a = 4,30 Å und c = 7,01 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.

Bildung und Fundorte

Cadmoselit bildet sich in sedimentären Schichten unter reduzierenden Bedingungen bei mittlerer bis hoher Alkalinität. Begleitminerale sind unter anderem Calcit, Clausthalit, Ferroselit, Greenockit, Laumontit, Pyrit und gediegen Selen.

Außer an seiner Typlokalität „Ust'Uyok“ in Russland konnte Cadmoselit bisher nur noch in der „Kidd Creek Mine“ im Bezirk Cochrane (Ontario) in Kanada und in der „Tumiñico Mine“, Sierra de Cacho in der argentinischen Provinz La Rioja gefunden werden (Stand: 2009).

Siehe auch

Literatur

Commons: Cadmoselite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. 1 2 Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 351 kB; abgerufen am 19. Oktober 2026]).
  2. 1 2 Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
  3. ↑ David Barthelmy: Cadmoselite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 19. Oktober 2026 (englisch).
  4. 1 2 3 4 Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 82 (englisch).
  5. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Cadmoselite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org [PDF; 46 kB; abgerufen am 19. Oktober 2026]).
  6. ↑ Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: September 2026. (PDF; 3,1 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, September 2026, abgerufen am 20. Oktober 2026 (englisch).
  7. ↑ Catalogue of Type Mineral Specimens – C. (PDF 312 kB) Commission on Museums (IMA), 9. Februar 2021, abgerufen am 20. Oktober 2026 (Gesamtkatalog der IMA).
  8. ↑ Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Original am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (englisch).
  9. ↑ Richard V. Gaines, H. Catherine W. Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason, Abraham Rosenzweig: Dana’s New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, New York u. a. 1997, ISBN 0-471-19310-0, S. 73 (englisch).
  10. ↑ Cadmoselit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung, abgerufen am 20. Oktober 2026.
  11. ↑ Fundortliste für Cadmoselite beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 19. Oktober 2026.