Caltex

Caltex ist eine Handelsmarke des US-amerikanischen Mineralöl- und Energiekonzerns Chevron Corporation.

Bedeutung

Caltex-Tankstelle in Australien, 2009
Caltex-Tankstelle in Südafrika, 2014

Eine große Bekanntheit besitzt Caltex im südlichen Afrika sowie im asiatisch-pazifischen Raum vor allem als Tankstellenkette. Die Vermarktung erfolgt durch die Caltex International Pte. Ltd. mit Sitz in Singapur. Seit 2015 ist Caltex in 29 Staaten vertreten. Dazu zählen unter anderem Australien, Neuseeland, Südafrika, China, Indien, Malaysia, Singapur, Südkorea und die Philippinen. In einigen Ländern sind neben Chevron verschiedene Anteilseigner an dem Unternehmen beteiligt, in anderen ist Caltex eine reine Verkaufsmarke.

Geschichte

International

Caltex ist ein Akronym und steht für California Texas Oil Company, ein Unternehmen das 1936 von Texaco und Standard Oil of California gegründet wurde. Ziel der beiden Ölgesellschaften war es, außerhalb der USA nur mit ihrer gemeinsamen Tochter zu operieren, um zusammen mehr Marktanteile in anderen Ländern zu gewinnen.

Die California Texas Oil Company wurde 1968 in Caltex Petroleum Corporation umbenannt. Die Hauptverwaltung befand sich in Dallas. Das europäische Geschäft von Caltex wurde 1969 nach einer Auflage der amerikanischen Kartellbehörde auf die Anteilseigner aufgeteilt. 1984 fusionierte Standard Oil of California mit Gulf Oil und änderte den Firmennamen in Chevron Corporation. 1998 benannte sich die internationale Caltex Petroleum Corporation in Caltex Corp um. 1999 verlegte das Unternehmen seinen Sitz von Dallas nach Singapur. Zwei Jahre später schlossen sich die beiden Muttergesellschaften zu ChevronTexaco zusammen (seit 2005: Chevron Corporation).

Deutschland

Caltex-Tankstelle des Typ 3 von 1957 in Hannover-Badenstedt
Caltex-Tankboot in der Kieler Förde bei Friedrichsort, 1965

In der Bundesrepublik Deutschland vertrieb die Caltex von 1956 bis 1969 in mehr als 800 Tankstellen Mineralölprodukte über das Tankstellennetz der Tank-Kraft GmbH in Hannover, einer Tochtergesellschaft der Braunkohle-Benzin AG (West-Berlin).

In Deutschland ist die Marke Caltex weiterhin geschützt.

Die Typ 3-Tankstelle

Caltex setzte als einer der kleineren Anbieter von Tankstellendienstleistungen auf ein einheitliches und auffallendes Corporate Design, auch hinsichtlich der Gebäude. Der Entwurf für den als Standard verwendeten „Typ W III/3“ fällt vor allem durch sein Flugdach auf, das in weitem Bogen die eigentliche Tankanlage überspannt. Der Entwurf stammt von 1956 und dem Frankfurter Architekten Willy H. Weisensee. Ursprünglich plante Caltex 4000 solcher Typen-Tankstellen zu errichten. Die Angaben zur Zahl der tatsächlich gebauten schwankt zwischen 800 und 1500. Die gewagte und futuristische Architektur verlieh den Stationen einen hohen Wiedererkennungseffekt. Das freitragende Betondach war nur an der Seite, an der sich das Häuschen für den Tankwart befand, verankert und wölbte sich im Übrigen ohne Stützen über die Tankanlage. Zwei dominante Flanken enthielten die Träger, während die eigentliche Dachfläche sehr filigran gestaltet war. Der modulare Bautyp sah immer gleich aus, konnte aber rechts- oder linksseitig durch eine Wagenpflegehalle ergänzt werden. Für den weiß-grünen Anstrich gab es eine genaue Vorschrift zur Gestaltung. Ein gutes Dutzend ehemaliger Caltex-Stationen blieb bis heute erhalten – die meisten überstanden die Zeit mit einer werkstatt- oder zumindest automobilnahen Nutzung.

Erhaltene Anlagen

Die wenigen, noch erhaltenen Anlagen sind heute oft Kulturdenkmäler:

OrtBundeslandNachnutzungAnmerkung
Bad Camberg Hessen
Erwitte Nordrhein-Westfalen Gebrauchtwagenhandel
Gevelsberg Nordrhein-Westfalen
Hamburg-Bramfeld Hamburg KÜS-Prüfstelle Kulturdenkmal
Hanau-Steinheim Hessen
Hannover-Badenstedt Niedersachsen Kulturdenkmal
Hofgeismar Hessen Verkaufsraum Autohändler Kulturdenkmal
Kleinlinden Hessen Leerstand Kulturdenkmal
Nieder-Wöllstadt Hessen
Nürnberg-Erlenstegen Bayern Shell-Ladestation Baudenkmal
Rüsselsheim Hessen Kfz-Prüfstelle Kulturdenkmal

Caltex-Raffinerie Raunheim

Zudem betrieb das Unternehmen ab den 1960er Jahren die Caltex-Raffinerie in Raunheim (Hessen) mit großem Tanklager, die an die Rhein-Main-Rohrleitung (RMR) angeschlossen war. Das Betriebsgelände befand sich direkt neben der A 3. Die Raffinerie wurde später von der RWE Dea übernommen. Nachdem die Anlagen länger außer Betrieb waren, erwarb im Jahr 2004 die Fraport das Gelände.

Sonstiges

1987 kollidierte der für Caltex Philippines fahrende Tanker Vector mit der Fähre Doña Paz. Beide Schiffe gerieten in Brand und sanken. Dabei starben 4317 Menschen.

Siehe auch

Literatur

Commons: Caltex – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. ↑ Gabelung Burgundische Straße/Empelder Straße.
  2. ↑ Die Tankstelle in der Erlenstegenstraße 39 war bis 2015 in Betrieb. 2020 eröffnete sie nach denkmalgerechter Sanierung neu als Selbstbedienungs-Tankstelle ohne örtliches Personal (Nürnberger Nachrichten 22. Januar 2020). 2023 wurde sie zu einer reinen Elektroauto-Ladestation umgebaut (inFranken.de 17. August 2023).

Einzelnachweise

  1. ↑ fuels and stations Homepage Chevron, abgerufen am 17. Juni 2019
  2. 1 2 3 One journey. Almost eighty years in the making. Caltex, abgerufen am 17. Juni 2019
  3. 1 2 Profil Caltex Australia Finanzen.net, abgerufen am 17. Juni 2019
  4. 1 2 Caltex Australia Homepage Caltex Australia, abgerufen am 17. Juni 2019
  5. ↑ Caltex New Zealand Homepage Caltex Neuseeland, abgerufen am 17. Juni 2019
  6. ↑ Caltex South Africa Homepage Caltex Südafrika, abgerufen am 17. Juni 2019
  7. ↑ Caltex New Zealand Homepage Caltex Neuseeland, abgerufen am 17. Juni 2019
  8. ↑ Caltex South Africa Homepage Caltex Südafrika, abgerufen am 17. Juni 2019
  9. 1 2 History GS Caltex. Caltex, abgerufen am 17. Juni 2019
  10. 1 2 3 Start mit Winkeln Der Spiegel vom 21. April 1969, abgerufen am 17. Juni 2019
  11. ↑ Zuviel Zapfsäulen Der Spiegel vom 20. Juni 1956; abgerufen am 17. Juni 2019
  12. ↑ Georg Krause: Chemiker-Zeitung. Band 81. A. Hüthig, 1957, S. 195.
  13. ↑ Markenregister
  14. ↑ Marschall, S. 19.
  15. ↑ Marschall, S. 18.
  16. ↑ Marschall, S. 20.
  17. ↑ Marschall, S. 17.
  18. ↑ Biene.
  19. ↑ Biene.
  20. ↑ Marschall, S. 17.
  21. ↑ E.-M. Eilhardt: Ein Baudenkmal der 50er Jahre: die ehemalige CALTEX-Tankstelle in Hannover-Badenstedt. In: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen, 1993, ISSN 0720-9835
  22. ↑ Marschall, S. 23.
  23. ↑ Marschall, S. 24f.
  24. ↑ Marschall, S. 17.
  25. ↑ Denkmalliste Aktennummer D-5-64-000-2516.
  26. ↑ Marschall, S. 24.