
Die Capsula eburnea („Elfenbein-Büchse“), auch Secreta Hippocratis genannt, ist ein spätantiker Kurztraktat aus dem 4. oder 5. Jahrhundert. Er dient zur geheimen Todesprognostik anhand von Hauteffluoreszenzen. Der Name „Capsula eburnea“ leitet sich von einem Vorwort ab, das diesem Kurztraktat meist beigegeben ist. In diesem Vorwort wird behauptet, im Grab des Hippokrates oder des Demokrit habe ein römischer Kaiser eine Elfenbein-Büchse gefunden, in der dieser Kurztraktat zur geheimen Todesprognostik verwahrt war.
Dem Traktat vorangestellt ist die Auffindungslegende, in der die Capsula eburnea entweder Hippokrates oder Demokrit zugeschrieben wird. Es folgen 21 bis 24 Kapitel, anatomisch „von Kopf bis Fuß“ nach dem regionalen Auftreten von Hautausschlägen gereiht. Unter Einbezug weiterer Symptome wird abschließend eine Todesprognostik aufgestellt. Als Beispiel das erste Kapitel in der Übersetzung von Manfred Ullmann:
Als Quelle der Capsula eburnea von „Pseudo-Hippokrates“ wird ein griechischer Text vermutet. Dieser griechische Text war zunächst im byzantinischen Raum verbreitet.
Die westeuropäische Überlieferung des Traktats ist durch zwei Übersetzungsstränge geprägt:
In arabischer Sprache war die „Capsula eburnea“ weit verbreitet.
Die hebräische Übersetzung der „Capsula eburnea“ fußt auf der in griechischer Sprache überlieferten Urfassung.
In zwei Manuskripten aus dem deutschen Sprachraum konnte die isolierte Auffindungslegende der „Capsula eburnea“ nachgewiesen werden. Hier diente die Auffindungslegende als Vorsatz zur Anpreisung eines anderen Textes medizinischen Inhalts:
In dem um 1280 entstandenen Arzneibuch Ortolfs von Baierland war eine Bearbeitung der „Capsula eburnea“ enthalten, die nach der im 12. Jahrhundert durch Gerhard von Cremona nach arabischen Quellen erstellten lateinischen Übersetzung verfasst war.
Eine althochdeutsche Übersetzung veröffentlichte 1916 Friedrich Wilhelm.