Carl Krohne

Carl Krohne, auch Karl Krohne, (* 10. Dezember 1836 in Dankelshausen bei Hannover; † 19. Februar 1913 in Berlin; vollständiger Name: Carl Georg Julius Krohne) war ein deutscher evangelischer Theologe, der als Leiter des Strafvollzugs im preußischen Ministerium des Innern zum bedeutenden Reformer des Strafvollzugs wurde.

Biografie

Krohne war der Sohn des hannoverschen Landpfarrers Friedrich Krohne und dessen Ehefrau Dorette geb. Meyer. Er wandte sich, wie sein Vater, der Theologie zu und studierte von 1855 bis 1858 evangelische Theologie an der Universität Jena und an der Georg-August-Universität Göttingen. Am 1. Oktober 1858 legte er sein erstes theologisches Examen beim Konsistorium in Hannover ab. Sein zweites theologisches Examen bestand er am 10. Juni 1861 in Oldenburg und wurde am 29. September 1861 ordiniert. Er war Hilfsprediger in einigen oldenburgischen Kirchgemeinden und wurde schließlich Pfarrer an der Strafanstalt in Vechta. Hier legte er den Grundstein zu seiner späteren Tätigkeit als Leiter des Strafvollzugs. Weiterhin soll er evangelischer Divisionspfarrer gewesen sein.

Am 4. April 1873 wurde Krohne Direktor der Strafanstalt Vechta. Danach war er ab dem 1. Januar 1876 Leiter eines Zuchthauses in Rendsburg. Die Erbauung der neuen Königlich Preußischen Strafanstalt Wehlheiden bei Kassel (heute Justizvollzugsanstalt Kassel I) von 1873 bis 1882 geht auf Krohne zurück; er wurde hier der erste Direktor. 1884 erhielt er die Leitung der Strafanstalt (Berlin-)Moabit. Er war die treibende Kraft für die Errichtung der 1886 eröffneten Strafanstalt Siegburg, die 1896 auf Betreiben Krohnes einen Neubau erhielt.

1892 wurde er Vortragender Rat und Dezernent für das Gefängniswesen im preußischen Ministerium des Innern in Berlin. Schon vorher war er zum Wirklichen Geheimen Oberregierungsrat ernannt worden.

Krohne wurde zu einem bedeutenden Reformer im preußischen Strafvollzug im 19. Jahrhundert, der das Gefängniswesen durch Verbesserungen der Verhältnisse des Strafvollzugs mit der Möglichkeit der Resozialisierung nachhaltig prägte.

1911 formulierte der Reformer seine Ansichten:

„Im Strafvollzug ist neben dem vollen Ernst der Beugung unter die Rechtsordnung, der Rest von Gefühl für Sittlichkeit und Ehre, der auch in dem schlechtesten Verbrecher noch steckt, sorgfältig gehütet und weiter gebildet werden. Anstrengende aber nicht geisttötende Arbeit soll die Körper- und Geisteskräfte stärken; die Hoffnung, eine Abkürzung der Strafe sich verdienen zu können, soll die soziale Lebensenergie, die im verbrecherischen Treiben fast verloren gegangen ist, stärken; durch vorläufige Entlassung unter fürsorglicher Leitung soll die Wiedereingliederung in das geordnete soziale Leben erleichtert werden; vor allem aber soll die Gesellschaft den Rechtsbrecher, der den redlichen Willen hat, sich aus seinem tiefen Fall wieder aufzurichten, nicht zurück stoßen; sie soll nicht nur vergeben, sondern auch vergessen können.“

Ehrungen

Schriften

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Carl Krohne. Seine Schriften und Reden auf dem Gebiete des Strafrechts und der Jugendfürsorge. (vergleiche Literatur)
  2. ↑ Carl Krohne-Straße. In: Monika Porsch: Bremer Straßenlexikon. (Gesamtausgabe) Schünemann, Bremen 2003, ISBN 3-7961-1850-X, S. 108.
Personendaten
NAME Krohne, Carl
ALTERNATIVNAMEN Krohne, Karl Georg Julius (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG deutscher evangelischer Theologe, preußischer Ministerialbeamter und Strafreformer
GEBURTSDATUM 10. Dezember 1836
GEBURTSORT Dankelshausen
STERBEDATUM 19. Februar 1913
STERBEORT Berlin