
Carl Menger von Wolfensgrün (* 23. Februar 1840 in Neu-Sandez, Galizien; † 26. Februar 1921 in Wien) war ein österreichischer Ökonom. Er gilt als Schulhaupt der Österreichischen Schule der Nationalökonomie und Begründer der österreichischen Grenznutzenschule und revolutionierte die Wert- und Preistheorie. Die auf seinem Œuvre basierende Wirtschaftstheorie wurde später von Eugen von Böhm-Bawerk, Friedrich von Wieser (im technischen und sozialen Bereich), Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek systematisch erweitert.
Carl Mengers Vorfahren waren sowohl mütterlicher- wie väterlicherseits deutsch-böhmischer Abstammung. Einige der Vorfahren zogen weiter in den Osten, um sich schließlich in Galizien anzusiedeln. Dort wurden sein Großvater, Anton Menger, und seine Großmutter, Anna Müller, geboren. Carl Mengers Vater, dessen Vornamen ebenfalls Anton lautet, führte das Adelsprädikat „Edler von Wolfersgrün“, den untersten der fünf österreichischen Adelsprädikate, wobei Zeitpunkt und Grund der Nobilitierung bis dato im Dunkeln liegen; sowohl Carl Menger als auch seine beiden Brüder legten später diesen Titel aus Bekenntnis zum Bürgertum ab. 1833 heiratete der gelernte Jurist Anton Menger Caroline Gerzabek. Die Anfang der 1840er Jahre gegründete Privatgeschäftskanzlei in Bielitz führte Anton Menger bis zu seinem Tode 1848, trotz der bestehenden gesetzlichen Verordnungen und seiner katholischen Konfession, die seinen Wirkungs- und Klientenkreis in dem überwiegend protestantisch geprägten Bielitz dauerhaft einschränkten.
Der frühe Tod des Vaters führte zu einer prekären wirtschaftlichen Lage der Familie. Caroline, die nicht nur den Verlust des Ehemannes, sondern auch den Tod von vier Kindern zu verkraften hatte, konnte dennoch die sechs verbleibenden Geschwister – wohl mit Hilfe eines Vermögens, auf das sie als Tochter reicher Kaufleute zurückgreifen konnte – den Erfordernissen entsprechend versorgen und überdies den drei Brüdern Max, Carl und Anton ein Universitätsstudium ermöglichen. Max, Carl und Anton schlugen wie der Vater eine juristische Laufbahn ein. Der Lebensweg der anderen drei Geschwister ist weitgehend unbekannt.
Der zwei Jahre ältere Bruder Carls, Max, profilierte sich als Wirtschafts- und Finanzjurist, war Mitglied des Fortschrittsclubs und erhielt Mandate im Gemeinderat von Wien, im Land- und im Reichsrat. Er galt als ausgewiesener Kenner der Steuerpolitik und des Nationalitätenproblems in Österreich und war maßgeblich an der Reform der Juristenausbildung beteiligt.
Der eineinhalb Jahre jüngere Bruder Carls, Anton, wiederum reüssierte als Universitätsprofessor (o. Univ.- Prof. an der Universität Wien 1877) insbesondere im Bereich des österreichischen Zivilrechtsverfahrens und engagierte sich als Hofrat und bekennender Sozialist für die Anliegen und Rechte der Arbeiterklasse. Die österreichische Zivilprozessordnung von 1895, das deutsche Bürgerliche Gesetzbuch von 1896 und der Vorentwurf eines schweizerischen Zivilgesetzbuches von 1900 wurden von ihm wesentlich beeinflusst.
Mengers Neffe Mansuet Kosel (1856–1919), der Sohn seiner 1835 geborenen Schwester Berta (Bertha), wirkte zudem 1904–1906 als österreichischer Finanzminister.
Obwohl wenige Einzelheiten über die Kindheit und Jugend Mengers bekannt sind, ist belegt, dass er die ersten Jahre auf dem Gut seines Großvaters verbrachte und sich schon früh mit den Werken von Montesquieu, Adam Smith, Jean-Baptiste Say, Louis Auguste Say, David Ricardo, Hufeland und Lauderdale auseinandersetzte.

Im Jahr 1859 nahm Menger das Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Wien auf und setzte dieses von 1860 bis 1863 in Prag fort. Nach Abschluss seines Studiums wurde er Redakteur bei der amtlichen Lemberger Zeitung. Von 1865 bis 1866 war er Mitherausgeber des neugegründeten Neuen Wiener Tagesblattes und bereitete gleichzeitig seine Promotion vor, die er im Jahre 1867 an der Universität Krakau erfolgreich ablegte. 1871 setzte er als Redaktionssekretär der kaiserlichen Wiener Zeitung, dem amtlichen Regierungsblatt, seine journalistische Karriere fort. Seine Hauptaufgabe war dabei die systematischen Beobachtung und Analyse der Marktlage. 1872 habilitierte sich Menger in Wien bei Lorenz von Stein und wurde im selben Jahr Privatdozent für Politische Ökonomie in Wien. Rufe an die Universitäten nach Karlsruhe, Basel und Zürich lehnt er ab. Als Habilitationsschrift legte er seine Grundsätze der Volkwirthschaftslehre vor, eine Schrift, die er bereits 1871 veröffentlicht hatte. Unbekannt ist, wann genau Menger in den Ministerialdienst trat. Gesichert ist, dass er im August 1873 zum „wirklichen“ (pensionsberechtigten) Ministerialsekretär im k.k. Ministerialpräsidium ernannt wurde. Im September desselben Jahres wurde der 33-jährige Menger zum außerordentlichen Professor an der Universität Wien bestellt. 1875 gab er freiwillig sein Ministerialamt zurück, um sich ganz seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit widmen zu können. Der im Jahre 1878 erstmals geschaffene Lehrstuhl für Politische Ökonomie an der Universität Wien wurde schließlich Menger angetragen. 1879 wurde er zum ordentlichen Professor ernannt. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde die österreichische Nationalökonomie von deutschen Professoren dominiert und geprägt.
1883 veröffentlichte er die Untersuchungen über die Methode der Sozialwissenschaften und der politischen Ökonomie insbesondere, ein Werk, das den sogenannten Methodenstreit der Nationalökonomie mit der Historischen Schule auslöste. Menger wurde dabei von seinen Schülern Eugen von Böhm-Bawerk und Friedrich von Wieser unterstützt. Dies gilt als eigentliche Geburtsstunde der Österreichischen Schule. Im gleichen Jahr begann und intensivierte sich ein Briefwechsel mit Léon Walras, mit dem ihn das gemeinsame Ziel verband, durch einen subjektivistischen Ansatz die Probleme der klassischen Nationalökonomie zu überwinden. Methodologisch grenzte sich Menger jedoch von Walras ab, was auch in seinem 1884 erschienenen Werk Die Irrthümer des Historismus zum Ausdruck kommt. Die Irrthümer stellen im Großen und Ganzen eine in Briefform gehaltene Polemik gegen Schmollers Einwände dar.
Seit 1886 setzte sich Menger für eine Studienreform an der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät ein, konnte jedoch unter den Professoren keine Mehrheit für seine Bestrebungen finden. Ab 1893 wurden einige Neuerungsvorschläge umgesetzt, doch blieb der größte Anteil der Forderungen Mengers unberücksichtigt.
In den 1890er Jahren konzentrierte sich Menger auf das Gebiet der Geldtheorie, die an einer metallistischen Auffassung orientiert ist. 1892 wurde Menger Mitglied der im März gebildeten Währungs-Enquête-Kommission. Menger plädierte für die Einführung einer Goldwährung. Für sein Engagement erhielt er vom Unterrichtsminister, Paul Freiherr Gautsch von Frankenthurn, eine Personalzulage von 1200 Gulden. Die Enquête zur Reform der Gebäudesteuer 1903 wurde von Eugen von Böhm-Bawerk, der nun Finanzminister war, initiiert und durch die Expertise der bereits etablierten österreichischen Schule, in der Menger die herausragende Figur war, bestimmt.
Auf Vorschlag des liberalen Erziehers des Kronprinzen, Josef Latour, wurde Menger von 1876 bis 1878 Privatlehrer des damals achtzehnjährigen Rudolfs. Das leitende Prinzip, seine Schüler zum selbständigen Denken und Urteilen zu befähigen, prägte auch dieses spezielle Lehrverhältnis. Die Folge war eine tiefgreifende Auseinandersetzung des Kronprinzen mit ökonomischen und sozialen Fragen. Er begleitete ihn auf zahlreichen Studienreisen. Angeregt durch eine Reise nach England verfassten sie 1878 das so genannte Adelspamphlet, eine anonyme Streitschrift, die sich äußerst kritisch mit der Aristokratie in Österreich auseinandersetzte.
Der Einfluss Mengers auf Rudolf war sicherlich beachtlich, gerade was Rudolfs ökonomischen und gesellschaftlichen Liberalismus und sein sozial-politischen Engagement betraf. So blieb der Kronprinz vom Antisemitismus seiner Zeit unberührt und lehnte einen staatlichen Dirigismus ab. Auch der volkswirtschaftliche Teil des so genannten Kronprinzenwerks (1886–1902) ist Zeugnis der Relevanz Mengers. Jedoch führte eine Überbewertung dieses Einflusses 1886 wahrscheinlich zum Ende der Kontakte, da sich Vorwürfe (vor allem seitens Erzherzog Albrechts) wegen eines zu starken liberalen Einflusses häuften.
Ab 1899 arbeitete Menger intensiv an seinem sozialen Werk. Um die Jahrhundertwende widmete er sich vermehrt dem Studium von Wilhelm Wundt und der österreichischen Schule der Psychologie rund um Franz Brentano, Christian von Ehrenfels und Oskar Kraus sowie den Forschungsergebnissen auf den Gebieten der Biologie und Physiologie. Diese Bemühungen verfolgten in erster Linie den Zweck, seiner Werttheorie eine Theorie der menschlichen Bedürfnisse zugrunde zu legen.

Im Wintersemester 1902/3 suchte der 62-jährige Menger um die Enthebung seiner Vorlesungspflicht und im Frühjahr 1903 um die Emeritierung an, da sein Gesundheitszustand sich zusehends verschlechterte – er litt an Neurasthenie und an einer Ohrenkrankheit. Mit großer Wahrscheinlichkeit hat auch die Geburt seines Sohnes Karl Menger im Jahr 1902 dazu beigetragen, sich immer mehr aus der Berufs- und Lehrtätigkeit zurückzuziehen. 1911 lernte er noch Ludwig von Mises kennen, der sein Werk fortsetzte und den er sehr schätzte.
Die familiären Umstände sind weitgehend unklar. So war er zwar im Melderegister als „ledig“ gemeldet, lebte jedoch mit Hermina Andermann zusammen. Ihr vermachte er auch sein Vermögen, das vor allem auf seiner ca. 25.000 Bände umfassenden Bibliothek gründete. Hermina verkaufte diese Bestände nach Japan, wo ein großer Teil heute an der Hitotsubashi-Universität in Tokio zu finden ist.
Kurz nach seinem 81. Geburtstag starb Carl Menger am 26. Februar 1921 in Wien und wurde in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 0, Reihe 1, Nummer 88) beigesetzt.
Zahlreiche andere wissenschaftliche Gesellschaften nahmen Menger in ihre Reihen auf (Reale Accademia dei Lincei, American Academy of Political and Social Sciences, Österreichische Akademie der Wissenschaften) und er erhielt mehrere Ehrendoktorwürden (Budapest 1896, Prag 1899), darunter den Titel „Erster Doktor der Staatswissenschaften“ an der Universität Wien anlässlich seines achtzigsten Geburtstags.
Über die philosophischen Einflüsse scheiden sich die Geister. Unbestritten ist eine rudimentäre Auseinandersetzung Mengers mit Platon und eine äußerst akribische mit Aristoteles, im Speziellen mit seiner Ethik.
„Platon meint, das Geld sei „ein vereinbartes Zeichen für den Tausch“, und Aristoteles sagt, das Geld sei durch Uebereinkunft entstanden, nicht durch die Natur, sondern durch das Gesetz.“
Auch Kants Einfluss ist evident. Manche Autoren betonen darüber hinaus die Rolle des Rationalismus und des Idealismus, wie er z. B. durch die Philosophie Christian Wolffs repräsentiert wird. Betrachtet man die Literatur, so wird mehrheitlich davon ausgegangen, dass Menger eine aristotelianisch-essentialistische Position vertritt, eine Position, die bei genauerer Betrachtung mit seiner Theorie der subjektiven Bewertung und der Position des methodologischen Individualismus in grobem Widerspruch steht. Einen anderen Zugang bietet die Orientierung an der Frage, ob Menger die Schlusstechnik der Deduktion oder der Induktion als angemessener für seine ökonomische Theorie und methodologische Position erachtet. Anhand seiner Preistheorie kann gezeigt werden, dass Menger nicht nur einen nominalistischen Zugang, sondern einen explizit anti-essentialistischen hat.
Bevor durch Menger die Phase der Österreichischen Schule der Nationalökonomie an der Universität Wien 1871 eingeläutet wurde, waren es die sogenannten Kameralisten, die die Entwicklung der Nationalökonomie an der Universität Wien prägten. Kennzeichnend für die Kameralwissenschaft, wie sie z. B. durch Joseph Freiherr von Sonnenfels und Josef von Kudler repräsentiert wurde, ist die Position des methodologischen Essentialismus. Der methodologische Essentialismus ist z. B. in der organizistischen Auffassung begründet, dass (sozialen) Institutionen wie z. B. dem Staat, Preisen und dem Geld (im engeren, historistischen Sinne auch der Sprache und dem Volk) ein Wesen bzw. eine Essenz zukommt bzw. innewohnt (vgl. Emanatistische Logik).
Menger bricht als einer der Ersten mit der essentialistischen Tradition, die in Deutschland im Rahmen der Historischen Schule weiterhin bestehen bleibt, indem er stattdessen eine verbesserte Position des methodologischen Individualismus in Kombination mit einer verbesserten Theorie der subjektiven Bewertung in seinen Grundsätzen der Volkswirthschaftslehre paradigmatisch einführt.
Das individualistische Paradigma geht zurück auf die schottische Moralphilosophie des 18. Jahrhunderts, welche sich einerseits gegen die rationalistische Naturrechtslehre, andererseits gegen einen Kontraktualismus wandte. Ihre prominentesten Vertreter waren David Hume und Adam Smith. Menger hatte sich mit beiden intensiv auseinandergesetzt, wobei er innerhalb der Sozialphilosophie Smiths, den er insgesamt als „ausgezeichneten Denker“ ehrte, eine einseitige „pragmatische“ Gesellschaftsauffassung verortete.
Im Mittelpunkt von Mengers subjektiver Wertlehre steht die These, dass der Wert eines Gutes durch die subjektive Wertschätzung seiner jeweils letzten Einheit („Grenzeinheit“) bestimmt wird (Grenznutzenbetrachtung). Ziel seines nominalistischen und anti-organizistischen Zugangs ist die bis dahin gescheiterte Entwicklung einer einheitlichen Preistheorie, welche eine befriedigende Erklärung von Tausch und der Preisbildung liefern soll. Der Wert eines Gutes hängt gemäß Menger also vom individuellen Nutzen ab. Er
„[…] ist demnach nichts den Gütern Anhaftendes, keine Eigenschaft derselben, eben so wenig aber auch ein selbständiges, für sich bestehendes Ding. Derselbe ist ein Urtheil, welches die wirtschaftenden Menschen über die Bedeutung der in ihrer Verfügung befindlichen Güter für die Aufrechthaltung ihres Lebens und ihrer Wohlfahrt fällen, und demnach ausserhalb des Bewusstseins derselben nicht vorhanden.“
Die verhaltenstheoretische Auffassung von der subjektiven Nutzenbewertung der Güter bildet den einheitlichen Bezugspunkt seiner Preistheorie. Die Preisbildung orientiert sich am Grenznutzen der Nachfrager und erfolgt im Tausch der subjektiv bewerteten Güter auf dem Markt. Die Nutzenfunktion zeigt hier, dass zwar der Nutzen mit jeder konsumierten Einheit wächst, aber dieses zusätzliche Wachstum immer geringer wird. Das lässt sich auf die Sättigung der Bedürfnisbefriedigung zurückführen: Das Interesse am Konsum nimmt mit der Sättigung gleichzeitig ab und der Konsument ist für jede weitere Einheit dieses Gutes weniger zu zahlen bereit. Damit lässt sich auch das Paradoxon erklären, dass lebenswichtige Güter im Überschuss (Wasser) im Vergleich zu unwichtigeren Luxusgütern (Diamanten) nur geringen Wert haben (vgl. Wasser-Diamanten-Paradoxon). David Ricardos klassische Kostenwertlehre, welche die Preisbildung über die Herstellungskosten der Güter herleitet, wird von Mengers Marginalprinzip abgelöst und der Übergang von der Klassik zur Neoklassik ist endgültig vollzogen.
Menger war ein Verfechter des Konkurrenzmarktes und des Freihandels und ein moderater Protagonist des Liberalismus und Kapitalismus.

„Die Begründung einer Methodologie der Sozialwissenschaften ist die wichtigste Aufgabe der Gegenwart auf dem Gebiete der Erkenntnistheorie.“
Die klassische Nationalökonomie bzw. die Politische Ökonomie, ganz allgemein verstanden als Theorie des Handelns und des Wirtschaftens, versucht jene Fragen zu klären, die sich aus (makroökonomischen) Phänomenen des sozialen Lebens, v. a. des gesellschaftlichen Zusammenlebens, ergeben: Wie lässt sich Tausch erklären? Wie lassen sich relative Preise erklären? Wie lassen sich soziale Institutionen erklären? Die Methode der Sozialwissenschaft steht demnach immer schon mit zur Disposition.
In seinem zweiten Hauptwerk Untersuchungen über die Methode der Socialwissenschaft und der Politischen Oekonomie insbesondere überträgt Carl Menger die Begründung der theoretischen Sozialwissenschaft auf die der Politischen Ökonomie. Die Begründung weist sich jeweils durch zwei Positionen aus – erstens: die empirisch-realistische Richtung; zweitens: die exakte Richtung. Hier zeichnet sich deutlich ein Problem ab, das später Karl Popper, der trotz seiner Ablehnung eines Subjektivismus in Zusammenhang mit einer Theorie der Bewertung viele Ansichten mit den „österreichischen Subjektivisten“ teilt, in aller Klarheit erörtern wird: das Induktionsproblem. Denn empirisch-realistisch bedeutet stets eine „(endliche) Klasse von singulären Beobachtungssätzen“; und „exact“ verweist auf die strenge Allgemeinheit, die jedoch keinesfalls empirisch-realistisch fundiert werden kann, wie das Fries- bzw. Münchhausen-Trilemma zeigt.
„Die Welt der Erscheinungen kann unter zwei wesentlich verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet werden. Entweder sind es die concreten Phänomene und ihre Stellung in Raum und Zeit und in ihren concreten Beziehungen zu einander, oder aber die im Wechsel dieser letzteren wiederkehrenden Erscheinungsformen, deren Erkenntnis den Gegenstand unseres wissenschaftlichen Interesses bildet. Die erste Richtung der Forschung ist auf die Erkenntnis des Concreten, richtiger des Individuellen, die letztere auf jene des Generellen der Erscheinungen gerichtet […].“
Menger selbst ist sich dieser Problematik sehr bewusst, weist er doch seinerseits der Historischen Schule nach, dass sie dieser Dichotomie, hier in Form eines induktivistischen Essenzialismus, keinerlei Beachtung schenkt. Wie also ist Sozialwissenschaft als Wissenschaft möglich? Was ist ihre Methode und was zeichnet sie gegenüber anderen Wissenschaften aus? Die erste Frage führt zum Abgrenzungsproblem, die zweite kulminiert im später so genannten Methodenstreit in den Sozialwissenschaften.
Mengers Methodologie zielt auf die Verdeutlichung der „Struktur befriedigender Erklärungen in den theoretischen Sozialwissenschaften“. Nach Menger sind „soziale Ereignisse, Tatsachen, Prozesse und Institutionen als das ungeplante Ergebnis des Zusammenspiels des intendierten Verhaltens der Individuen und somit als strukturelles Phänomen zu erklären“.
Mengers Versuch, die traditionelle Dichotomie von Apriorismus und Empirismus durch eine Synthese, die auf „einer immanenten und spezifisch erkenntnistheoretischen Kritik der alternativen Konstitutionsversuche der theoretischen Wissenschaften“ fußt, zu überwinden und die theoretischen Sozialwissenschaften zu begründen, muss als gescheitert angesehen werden. Er hält zwar dem naiven Empirismus der Historischen Schule einen strengen Positivismus entgegen, indem er die „empirisch-realistische Forschungsrichtung“ konstituiert, kann aber das Induktionsprinzip, mit welchem er die „exacte Forschungsrichtung“ begründet, nicht rechtfertigen. Sein Versuch, die empirisch-realistische in die exakte Forschungsrichtung zu integrieren, muss „in Hinblick auf die strenge Allgemeinheit der Wirklichkeitsaussagen transzendental scheitern“.
Seit 2014 wird durch den Verein für Socialpolitik „für innovative, internationale Forschungsleistungen auf den Gebieten der monetären Makroökonomie, Geldpolitik und Währungspolitik“ der „Carl-Menger-Preis“ vergeben, der von der Deutschen Bundesbank, der Oesterreichischen Nationalbank sowie der Schweizerischen Nationalbank gemeinsam gestiftet wurde und mit 20.000,- Euro dotiert ist. Erste Preisträgerin ist Hélène Rey, Professorin an der London Business School.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Menger, Carl |
| ALTERNATIVNAMEN | Menger von Wolfensgrün, Carl (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Ökonom |
| GEBURTSDATUM | 23. Februar 1840 |
| GEBURTSORT | Neu-Sandez, Galizien |
| STERBEDATUM | 26. Februar 1921 |
| STERBEORT | Wien |