Carl Philip August Parrot, auch Karl Parrot (* 1. Februar 1867 in Castell; † 28. Januar 1911 in München) war ein deutscher Ornithologe und Gynäkologe.
Sein Vater Jean Parrot (1813–1901) war Arzt und Hofrat in Castell und zweimal verheiratet. 1838 heiratete er Clementine Louise Sturz (1811–1843) und 1856 Sophie Bürger (1832–1901). Carl stammte aus der zweiten Ehe und besuchte zunächst das Gymnasium in Würzburg. Nachdem seine Eltern im Jahr 1884 nach München zogen, schloss er dort das Gymnasium ab. Danach studierte er in München, Berlin und Wien Medizin mit Schwerpunkt Gynäkologie. Nach seiner Zeit als Assistenzarzt und Approbationsprüfung im Jahre 1892 eröffnete er schließlich in München seine eigene Praxis als Frauenarzt. Ein Jahr später promovierte er bei Otto von Bollinger (1843–1909) am pathologisch-anatomischen Institut in München. Seine Doktorarbeit trug den Titel Über die Größenverhältnisse des Herzens bei Vögeln.
Sein Onkel August Parrot (1825–1909) war schweizerischer Konsul in Sydney und später Privatier in Frankfurt am Main.
Geplagt von Asthma gab er seinen Beruf als Arzt auf und widmete sich ganz der Zoologie. Dafür arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Zoologischen Staatssammlung München.
Aus seiner Ehe gingen eine Tochter und ein Sohn hervor. Die Ehefrau und die Kinder überlebten ihren Mann und Vater.
Noch am 13. Januar 1911 leitete er bei voller Gesundheit die Vollversammlung der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern. Am 24. Januar begab er sich in die Klinik von Hofrat Dr. Josef Decker (–1935), um sich einem chirurgischen Eingriff zu unterziehen. Der Eingriff brachte Komplikationen mit sich, an deren Folgen er schließlich verstarb.
Neben seinen medizinischen Studien interessierte er sich seit frühester Kindheit für die Ornithologie, ein Hobby, dass er nach und nach auch wissenschaftlich betrieb. Beobachtete er zunächst nur Vögel in freier Natur, so legte er sich schließlich eine Privatsammlung sowie eine ornithologische Bibliothek an. Auf seinen Reisen nach Frankreich, England, Griechenland, Bosnien, Herzegowina, Ägypten, die Riviera und nach Korsika studierte er deren Avifauna und erweiterte seine Sammlung. Als Jäger mit einem Revier am Ammersee hatte er reichlich Gelegenheit die heimische Vogelwelt zu beobachten. Seine Erfahrungen dokumentierte er in zahlreichen Publikationen.
Seit dem Tod von Andreas Johannes Jäckel (1822–1885) war das Forschungsgebiet der Ornithologie in Bayern etwas verwaist. Zusammen mit Paul Leverkühn (1867–1905) gründete er 1889 einen Ornithologischen Lese-Cirkels in Bayern, innerhalb dessen die wichtigsten ornithologischen Fachschriften zirkulieren sollen. Gegen einen Jahresbeitrag von 15 Mark wurden 40 Zeitschriften veröffentlicht. 21 der Zeitschriften waren reine ornithologische Zeitschriften, 7 Jagd- und Sportzeitschriften und 12 allgemeine und spezielle zoologische Zeitschriften.
Parrot gründete zusammen mit dem Kunstmaler Gustav Hirsch, dem Landschaftsgärtner Raimund Grossegger, dem Lehrer Julius Mösmang und dem Bankbeamten Robert Rembold die Ornithologische Gesellschaft in Bayern. Die Gründungsversammlung fand am 5. Februar 1897 in seiner Wohnung in München, in der Klenzestraße 26, statt. Von 1897 bis 1903 führte der Verein den Namen Ornithologischer Verein München e.V. der im Jahr 1903 die Umwandlung in eine Gesellschaft folgte und auf ganz Bayern ausgedehnt wurde. Parrot war seit der Gründung bis zu seinem Tod Vorsitzender der Gesellschaft. Er schuf eine beachtliche Vereinsbibliothek, die allen Mitgliedern mit den wichtigsten ornithologischen Erscheinungen versorgen sollte. Die Vogelsammlung des Vereins wurde der zoologischen Staatssammlung in München übergeben. Da die Gesellschaft unterfinanziert war, schaffte er es mit der Hilfe von Alfons Graf von Mirbach-Geldern-Egmont Subventionen aus dem Ministerium für Finanzen und Innerem, dem Landrat von Oberbayern und der Akademie der Wissenschaft zu gewinnen.
Er galt als ausgezeichneter Systematiker und begeisterter biologischer Vogelbeobachter. So beschäftigte er sich mit der Ornithogeographie, d. h. Verbreitung und Vorkommen von Arten und Unterarten und dem Vogelzug. So initiierte er und der Präparandenlehrer Karl Bertram beispielsweise eine Studie über den Zug der Rauchschwalbe (Hirundo rustica) die Wilhelm Gallenkamp unter dem Titel Die Ankunft der Rauchschwalbe im Frühjahr 1905 in Bayern publizierte. Zusätzlich engagierte er sich im Bereich der Vogelberingung und dem Vogelschutz. Insbesondere das unnötige Töten von Raubvögeln und der Erhalt der als nützlich geltenden Vogelarten lag ihm am Herzen. Dieses Anliegen verfolgte er auch als Mitglied des Landesausschusses für Naturpflege und der Münchner städtischen Vogelschutzkommission. Trotzdem galt er auch als Anhänger der Vogelhaltung, denn er war der Meinung, dass diese das Verständnis für die freie Natur fördere. Jedes Jahr publizierte er Materialien zur bayerischen Ornithologie sowie ein Beobachtungsbericht die die Resultate der ornithologischen Landesforschung dokumentierte. Dabei arbeitete er auch mit Ludwig Freiherr von Besserer-Thalfingen (1857–1948), Josef Gengler (1863–1931), Wilhelm Gallenkamp und Karl Bertram zusammen. Agostino Bonomi (1850–1914) würdigte in seinem Nachruf auf den Verstorbenen die wertvollen Skripten Parrots, die er in seinem Artikel Sesta contribuzione all’ Avifauna tridentina. Note ornitologiche in Accademia Roveretana degli Agiati di Scienze, Lettere ed Arti verwenden konnte.
In den letzten Jahren seines Wirkens arbeitete er fast täglich in der ornithologischen Abteilung der Königlichen Bayerischen Zoologischen Staatssammlung. Die Einrichtung einer ornithologischen Abteilung war ebenso sein Verdienst, wie die Berufung des Fachornithologen Carl Eduard Hellmayr zum Kurator oder die Anstellung von Gustav Küsthardt als Präparator. Für Philogène Auguste Galilée Wytsman (1866–1925) bearbeitete er in dessen Werk Genera Avium den vierzehnten Teil über die Bienenfresser (Meropidae).
Wie angesehen Parrot in der Welt der Vogelforscher war, zeigt sich in der Anzahl der Nachrufe. Im Journal für Ornithologie aus dem Jahr 1911 finden sich sogar zwei Nachrufe. So schrieben u. a. Eduard Schnorr von Carolsfeld (1868–1949), Herman Schalow (1852–1925), Carl Eduard Hellmayr, Ludwig Freiherr von Besserer-Thalfingen, Anton Johann Franz Clevich (1876–), Otto Kleinschmidt (1870–1954) mit Rudolf Thielemann (1872–1934) und Agostino Bonomi Nachrufe auf Parrot.
Parrot war Ehrenmitglied der Ungarisch Ornithologischen Zentrale in Budapest. Ausschussmitglied der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft, Ausschussmitglied des Vereins für Naturkunde in München, korrespondierendes Mitglied der Naturhistorischen Gesellschaft in Nürnberg, Mitglied des permanenten internationalen ornithologischen Komitees und des bayerischen Landesausschusses für Naturpflege.
Ernst Hartert ehrte ihm 1911 in Dendrocopos major parroti einer Unterart des Buntspechts, Erwin Stresemann 1913 mit Centropus sinensis parroti einer Unterart des Heckenkuckucks.
Karl Görnitz nannte 1921 eine Unterart der Grauammer Emberiza calandra parroti, da Emberiza calandra insularis ein Name den Parrot 1910 verwendete bereits durch Fringillaria tahapisi insularis (Ogilvie-Grant & Forbes, 1899) einer Unterart der Bergammer vergeben war. Später stellte sich heraus, dass es sich bei dieser Unterart in Wirklichkeit um ein Synonym für die Nominatform handelte.
Außerdem ist ihm in München die Parrotstraße gewidmet.
Parrot hat zahlreiche Arten bzw. Unterarten, die neu für die Wissenschaft waren, beschrieben. Zu den Arten und Unterarten gehören chronologisch u. a.:
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Parrot, Carl |
| ALTERNATIVNAMEN | Parrot, Carl Philip August (vollständiger Name); Parrot, Karl |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Ornithologe und Gynäkologe |
| GEBURTSDATUM | 1. Februar 1867 |
| GEBURTSORT | Castell |
| STERBEDATUM | 28. Januar 1911 |
| STERBEORT | München |