Carlos Gilly

Carlos Gilly Ortiz (* 19. November 1940 in Mora, Provinz Toledo) ist ein spanischer Historiker, der sich insbesondere mit der Geschichte der frühen Rosenkreuzer-Bewegung befasst, der Paracelsus-Schule und Alchemie.

Leben

Carlos Gilly ist der Sohn eines Automechanikers und einer Damenschneiderin. Er besuchte in Mora die Primarschule und absolvierte danach das Seminario Conciliar in Toledo. Von 1966 bis 1971 studierte er Geschichte (unter anderem bei Werner Kaegi), Philosophie (bei Kurt Rossmann) und Spanisch (bei Germán Colón) an der Universität Basel. Von 1972 bis 1979 arbeitete er als Antiquar. 1979 erlangte er das Lizenziat mit einer Arbeit über Theodor Zwinger.

1985 promovierte er bei Hans Rudolf Guggisberg mit einer Arbeit über Spanien und den Buchdruck in Basel im 16. Jahrhundert. Dafür wurde ihm die Jakob Burckhardt-Medaille der Johann Wolfgang von Goethe-Stiftung in Basel verliehen. Von 1985 bis 2008 arbeitete er als Wissenschaftlicher Bibliothekar an der Bibliotheca Philosophica Hermetica in Amsterdam. In diesem Zusammenhang besuchte er zahlreiche Bibliotheken in Europa auf der Suche nach seltenen Manuskripten und Büchern aus dem hermetischen Umfeld und aus Alchemie, Gnostik, Magie, radikalen reformatorischen Bewegungen und Kabbala. Er organisierte dort Ausstellungen (die teilweise auch in Florenz, Venedig, Wolfenbüttel und Moskau gezeigt wurden) und gab Sammelbände heraus. 1996 habilitierte er sich an der Universität Basel (über Adam Haslmayr) und war dort bis 2004 Privatdozent für Allgemeine und Schweizergeschichte. Nach seiner Pensionierung in Basel arbeitet er weiter an der Bibliotheca Hermetica.

Er befasste sich unter anderem mit frühem Buchdruck und Verlegern in Basel im 16. Jahrhundert (wie Pietro Perna), Adam Haslmayr, Matteo Gribaldi, Heinrich Khunrath, Jacob Böhme, Baruch de Spinoza, Theodor Zwinger (für Arbeiten zu Zwinger erhielt er die Jacob-Burckhardt-Medaille der Goethe-Stiftung Basel), Johann Arndt, Paracelsus, den Rosenkreuzern (z. B. Verbindung zu Tommaso Campanella, Johann Amos Comenius, Verbindungen nach Russland, Johann Valentin Andreae), Johannes Oporinus, Guillaume Postel, Sebastian Castellio, Antonio de Nebrija (und Erasmus von Rotterdam) und Juan de Valdés (Studien zu Valdés als Übersetzer und Kommentator von Martin Luther) und der Geistesgeschichte der Hermetik.

Er war wesentlich an der Zuordnung der frühen Rosenkreuzerbewegung in den Gelehrtenkreis um Tobias Heß, Christoph Besold und Valentin Andreae in Tübingen mitgewirkt und damit ältere Theorien wie die von Frances Yates, die insbesondere Verbindungen nach England vermutete, widerlegt.

Gilly wirkte am von Albert Bruckner begründeten Katalog der datierten Handschriften in der Schweiz in lateinischer Sprache von Anfang des Mittelalters bis 1500 mit.

Schriften

Herausgeberschaften (mit eigenen Beiträgen):

Aufsätze:

Er arbeitet an der auf 6 Bände angelegten Bibliographia Rosicruciana. Das europäische Schrifttum zu den Rosenkreuzern des 17. und 18. Jahrhunderts (Pelikaan, Amsterdam).

Einzelnachweise

  1. ↑ Angaben in seiner Dissertation
  2. ↑ Gilly: Zwischen Erfahrung und Spekulation. Theodor Zwinger und die religiöse und kulturelle Krise seiner Zeit, Teil 1, 2. In: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde. Bd. 77, 1977, S. 57–137, 125–223.
  3. ↑ Roland Kany: Superius sicut inferius. Besprechung von Gilly (Hrsg.): Rosenkreuz als europäisches Phänomen im 17. Jahrhundert. 2002, FAZ Feuilleton, 24. Juni 2002.
  4. ↑ 3 Bände, Dietikon-Zürich, Urs Graf Verlag, 1977- 1986