
Carolin Amlinger (* 1984 in Zell) ist eine deutsche Literaturwissenschaftlerin und Soziologin. Sie lehrt am Fachbereich Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft der Universität Basel.
Carolin Amlinger studierte Philosophie, Germanistik und Soziologie an der Universität Trier. Dort war sie anschließend wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Neueren deutschen Literaturwissenschaft. Sie war Doktorandin am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin forschte sie am Institut für Soziologie der TU Darmstadt, wo sie 2020 mit der Dissertation Schreiben. Eine Soziologie literarischer Arbeit promoviert wurde.
Amlinger war von 2019 bis 2022 PostDoc-Assistentin im SNF-Projekt Halbwahrheiten. Wahrheit, Fiktion und Konspiration im „postfaktischen Zeitalter“ unter der Leitung von Nicola Gess und bearbeitete dort das Teilprojekt Partisanen des Wortes. Der gespaltene Ideenhaushalt der Postmoderne. Seit 2022 ist sie PostDoc-Assistentin in der Neueren deutschen Literaturwissenschaft am Lehrstuhl von Nicola Gess. Von 2022 bis 2023 war sie Visiting Research Fellow am SFB 1472 Transformationen des Populären der Universität Siegen in der CRG Kommentar und Konflikt.
Seit Februar 2024 schreibt Amlinger vierwöchentlich in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung die Kolumne „Kritik und Krise“. Ende 2025 erhielt sie den Ruf auf die Professur für Kultursoziologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, die sie im Oktober 2026 antreten wird.
Ihre Dissertation Schreiben. Eine Soziologie literarischer Arbeit erschien im Oktober 2021 im Berliner Suhrkamp Verlag. In seiner Rezension nennt Kevin Kempke das Buch „ein fundiert argumentierendes literatursoziologisches Grundlagenwerk“. Niels Werber schreibt in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Carolin Amlinger leistet soziologische Aufklärung in Form einer dichten Beschreibung des Literaturbetriebs.“ Ihre Dissertation wurde 2022 mit dem Dissertationspreis der Freunde der TU Darmstadt und dem Dissertationspreis der DGS-Sektion Arbeits- und Industriesoziologie ausgezeichnet.
Im Oktober 2022 erschien das gemeinsam mit Oliver Nachtwey verfasste Buch Gekränkte Freiheit. Aspekte des libertären Autoritarismus im Suhrkamp Verlag. Unter Anlehnung an die Kritische Theorie analysieren sie dort die Dialektik der Freiheit in der spätmodernen Gesellschaft. Das Buch erhielt große Aufmerksamkeit, war auf Platz 1 der Sachbuch-Bestenliste von Deutschlandfunk Kultur, ZDF und Die Zeit und auf der Sachbuch-Bestenliste von Welt, Neue Zürcher Zeitung, rbbKultur und Ö1. Im Spiegel bezeichnet Arno Frank das Buch als einen „Beitrag im andauernden Gespräch einer aufgeklärten Gesellschaft mit sich selbst.“ Im März 2023 wurde das Buch für den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch und Essayistik nominiert.
Im Oktober 2025 veröffentlichte Amlinger gemeinsam mit Nachtwey den Band Zerstörungslust. Elemente des demokratischen Faschismus. Ihnen wurde hierfür der Geschwister-Scholl-Preis für das Jahr 2025 zugesprochen.
Im Zusammenhang mit Zerstörungslust beschreiben Amlinger und Nachtwey „Nullsummendenken“ als ein Erklärungsmuster für den Aufstieg der radikalen Rechten: Werden gesellschaftliche Ressourcen als schrumpfend wahrgenommen, verschiebt sich der Konflikt demnach von der Frage ihrer Verteilung hin zu der Frage, wer überhaupt noch an ihnen teilhaben soll. Der Klimawandel kann diese Wahrnehmung zusätzlich verstärken, weil er das Bewusstsein einer schwindenden Zukunft und begrenzter werdender Ressourcen befördert. Amlinger verbindet die Attraktivität rechter Politik zudem mit Statusängsten und der Wahrnehmung der Gesellschaft als einer „Gesellschaft des kollektiven Verlustes“, wobei soziale Unsicherheit nicht auf ökonomische Ungleichheit, sondern etwa auf Migration projiziert werden kann. Die Nullsummenlogik kann dabei sozial sehr unterschiedliche Gruppen verbinden, darunter ökonomisch benachteiligte Angehörige der Arbeiterklasse, Selbstständige und Kleinunternehmer sowie Teile der oberen Mittelklasse, deren jeweilige Interessen und Verlustwahrnehmungen sich deutlich unterscheiden.
Mit dem Begriff der „Zerstörungslust“ erfassen Amlinger und Nachtwey eine transgressive Lust an Grenzüberschreitung und Gewalt, durch die politische Selbstermächtigung erfahren werden kann. Amlinger charakterisiert die AfD in diesem Zusammenhang als „nationalrevolutionäre“ Partei, die ihre Attraktivität nicht allein aus Protest beziehe, sondern sich als gesellschaftlicher Aufbruch inszeniere und insbesondere jungen Menschen das Gefühl vermitteln könne, an einer exklusiven Zukunft mitzuwirken. Den Aufstieg der radikalen Rechten versteht sie dabei nicht als spezifisch ostdeutsches oder deutsches Phänomen, sondern als Teil einer umfassenderen Entwicklung in westlichen Demokratien.
Als langfristige demokratiepolitische Gegenstrategie plädiert Amlinger dafür, gesellschaftliche Konflikte stärker als vertikale Verteilungskonflikte zwischen oben und unten zu politisieren, anstatt soziale Ungleichheiten kulturell auf Minderheiten zu projizieren. Dazu zählt sie eine stärkere Besteuerung hoher Einkommen, Vermögen und Erbschaften zur Finanzierung von Sozialstaat und Infrastruktur sowie eine „soziale Erneuerung der Demokratie“. Ergänzend betont sie die Bedeutung frei zugänglicher sozialer Orte, an denen unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen miteinander in Kontakt kommen und soziale Zugehörigkeit erfahren können, ohne sich nach außen abzugrenzen.
Ihre Forschungsschwerpunkte sind Literatursoziologie, Buchmarktforschung, kritische Gesellschaftstheorie und Autoritarismustheorien.

| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Amlinger, Carolin |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Literaturwissenschaftlerin und Soziologin |
| GEBURTSDATUM | 1984 |
| GEBURTSORT | Zell (Mosel) |