Zu Themen wie Globalisierung, Theorien der Gewalt, Zeugenschaft, Fotografie und kulturellen Identitäten hält sie regelmäßig Seminare und Vorträge und publiziert dazu. 2007 erinnerte sie im Bericht Stumme Gewalt an ihren „Patenonkel“ und Freund ihres Vaters, Alfred Herrhausen, der als Vorstandssprecher der Deutschen Bank am 30. November 1989 bei einem Attentat ermordet wurde, das Mitgliedern der dritten Generation der Rote Armee Fraktion zugeschrieben wird. Emcke plädierte in der Veröffentlichung für einen gesellschaftlichen Dialog, an dem sich die Täter beteiligen sollten. Als Ersatz für die gescheiterte Aufklärung des Verbrechens im strafrechtlichenErmittlungsverfahren schlug sie nach dem Vorbild der Wahrheits- und Versöhnungskommission in Südafrika vor, durch „Freiheit gegen Aufklärung“ das Schweigen zu brechen: Den Tätern werde unter der Bedingung Amnestie gewährt, dass sie ein umfassendes Geständnis ablegten. Das impliziere beiderseits die Bereitschaft, auf Gewalt, Rache und Verachtung zu verzichten. Carolin Emcke erhielt 2008 für diesen Text und Vorschlag den Theodor-Wolff-Preis.
In ihrem autobiographischen Buch Wie wir begehren (2013) beschreibt Emcke die Entdeckung ihrer Homosexualität, wobei sie ihre Wünsche formuliert, aber auch die soziale Ausgrenzung als Ergebnis ihres Coming-out diskutiert. Im Januar 2014 führte sie zusammen mit Moritz Müller-Wirth für Die Zeit ein Interview mit Thomas Hitzlsperger über dessen Coming-out.
Von 2014 bis 2016 gehörte sie der ersten Jury des Bayerischen Buchpreises an. Zudem ist sie Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland. Sie gehört zu den Unterstützern der Charta der Digitalen Grundrechte der Europäischen Union, die Ende November 2016 veröffentlicht wurde. Seit 2017 veranstaltet Emcke die Reihe ABC der Demokratie in der Cumberlandschen Galerie des Staatstheaters Hannover, die viermal pro Jahr stattfindet. 2020 moderierte sie den Musik-Podcast Stereo beim NDR. Im Juni 2021 wurde eine Stelle in Emckes Gastrede auf dem virtuellen Bundesparteitag von Bündnis 90/Die Grünen von CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak als Verharmlosung des Antisemitismus kritisiert; er nahm den Vorwurf jedoch nach einem Telefonat mit Emcke zurück. Im September 2021 kuratierte sie das Projekt Archiv der Flucht am Berliner Haus der Kulturen der Welt.
Ihr Buch Gegen den Hass wurde von der Universität Freiburg für das Projekt Eine Uni – ein Buch ausgewählt.
Kollektive Identitäten. Sozialphilosophische Grundlagen. Campus, Frankfurt am Main / New York NY 2000, ISBN 3-593-36484-0 (Zugleich: Dissertation, Universität Frankfurt, 1998); 2. Auflage 2010, ISBN 978-3-593-39222-6.
Von den Kriegen. Briefe an Freunde. S. Fischer, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-10-017013-X (Die ursprünglichen Texte wurden von Sebastian Vogel aus dem Englischen übersetzt und für die Druckfassung von der Autorin überarbeitet).
Echoes of Violence. Letters from a War Reporter. Princeton University Press, Princeton/Oxford 2007, ISBN 978-0-691-12903-7.
Ja heißt Ja und … Ein Monolog. S. Fischer, Frankfurt am Main 2019, ISBN 978-3-10-397462-1.
Journal. Tagebuch in Zeiten der Pandemie. S. Fischer, Frankfurt am Main 2021, ISBN 978-3-10-397094-4.
Für den Zweifel Gespräche mit Thomas Strässle. Kampa Verlag, Zürich 2022, ISBN 978-3-311-14036-8.
Was wahr ist. Über Gewalt und Klima. Wallstein Verlag, Göttingen 2024, ISBN 978-3-8353-5625-2.
Respekt ist zumutbar. Texte zu unserer Gegenwart. S. Fischer, Frankfurt am Main 2025, ISBN 978-3-10-397740-0 (Auswahl der monatlichen Kolumnen in der SZ von 2014 bis 2025).
Was zählt ein Mensch? S. Fischer, Frankfurt am Main 2026, ISBN 978-3103976984.
↑Sie nennt ihn ihren Patenonkel. Siehe Carolin Emcke: Stumme Gewalt. Nachdenken über die RAF. Mit Beiträgen von Winfried Hassemer und Wolfgang Kraushaar, S. Fischer, Frankfurt 2008, S. 11, 24, 25 und 128. Im religiösen Sinn war er nicht ihr Patenonkel, denn ihre Taufe erfolgte einen Tag vor ihrer Konfirmation, da habe es keine Paten gebraucht. Er war ihr allerdings nah, so Emcke, daher die Bezeichnung „Patenonkel“. Siehe Stumme Gewalt. Nachdenken über die RAF. Mit Beiträgen von Winfried Hassemer und Wolfgang Kraushaar, S. Fischer, Frankfurt 2008, S. 38.
↑Carolin Emcke, Moritz Müller-Wirth:Thomas Hitzlsperger: „Homosexualität wird im Fußball ignoriert“. In: Die Zeit. Nr.3, 2014 (zeit.de[abgerufen am 31.Oktober 2016]).
↑Christoph Rohlwing:Homosexualität im deutschen Profifußball: Schwulenfreie Zone Fußballplatz? Tectum Wissenschaftsverlag, 2015, ISBN 978-3-8288-6315-6 (google.de[abgerufen am 23.Juni 2021]).