Caroline Norton

Caroline Norton, gemalt von George Hayter im Jahr 1832

Caroline Elizabeth Sarah Norton (* 22. März 1808 in London; † 15. Juni 1877 ebenda), häufig auch Caroline Sheridan Norton, war eine britische Schriftstellerin und eine der ersten Reformerinnen der Gesellschaft des Vereinigten Königreichs. Aufgrund der juristischen Probleme, die sie wegen der Trennung von ihrem Ehemann hatte, und der dadurch sichtbar gewordenen Ungerechtigkeiten, denen Ehefrauen und geschiedene Frauen durch die Geschlechtsvormundschaft des Ehemannes ausgeliefert waren, setzte ein gesellschaftliches Umdenken ein, das allmählich zur Verbesserung der Rechte von Ehefrauen führte.

Leben

Jugend und Heirat

Caroline war eine Tochter von Thomas Sheridan und der Romanautorin Caroline Henrietta, geb. Callander sowie eine Enkelin des irischen Dramatikers und Politikers Richard Brinsley Sheridan. Nachdem ihr Vater 1817 in Südafrika gestorben war, lebte sie einige Jahre im Hampton Court Palace und wuchs dort früh in die bessere Gesellschaft hinein. Sie und ihre beiden Schwestern Helen Blackwood, Baroness Dufferin and Claneboye und Georgiana Seymour, Duchess of Somerset wurden aufgrund ihrer Schönheit und Fertigkeiten als die „drei Grazien“ der damaligen Londoner Gesellschaft bezeichnet. 1827 heiratete Caroline den Rechtsanwalt George Chapple Norton (* 1800; † 1875), einen jüngeren Bruder des Lords Grantley. Ihre Schwestern waren ähnlich „standesgemäß“ verheiratet worden.

Frühe literarische Leistungen

Bereits in ihren Jugendjahren begann Caroline ihre literarische Tätigkeit. Im Alter von 17 Jahren veröffentlichte sie anonym die witzige, von ihr selbst illustrierte Satire The Dandies’ Rout (London 1825). Vier Jahre später machte sie sich durch ihr erstes ernsthaftes lyrisches Werk Sorrows of Rosalie (London 1829) bekannt, das eine rührende Geschichte aus dem Landleben darstellt. 1830 folgte ihre auf der Legende vom Ewigen Juden beruhendes Gedicht The Undying One. Aufgrund dieser Poesien wurde sie der weibliche Byron genannt, und tatsächlich war sie mit diesem Dichter durch Stärke der Leidenschaft, Pathos und Kühnheit der Gedanken verwandt.

Eheprobleme und Skandalprozess

Caroline Norton (Teil eines Gemäldes von Frank Stone), um 1845

Die Ehe mit George Chapple Norton verlief sehr unglücklich. Ihr Gatte war eifersüchtig und besitzergreifend, und er wurde etwa bei seinen Anfällen von Trunksucht gegenüber Caroline öfters gewalttätig. Außerdem verlangte Norton von seiner Gemahlin, dass sie mittels ihrer Beziehungen seine Karriere fördern solle. Nach drei Ehejahren zog Caroline zu ihrer Schwester um, kehrte auf die Beteuerung ihres Gatten sich zu bessern, zu ihm zurück, fand dann aber die Situation nur noch schlechter als zuvor. 1836 trennte sie sich endgültig von ihm. Norton beschuldigte daraufhin in einem skandalösen Prozess den Premierminister Lord Melbourne eines außerehelichen Verhältnisses mit Caroline, die dieser 1831 kennengelernt hatte. Der Fall, der einen öffentlichen Skandal verursachte, wurde aber gegen Norton entschieden.

Situation der geschiedenen Ehefrau – Neue Familiengesetze

Norton verweigerte Caroline eine Scheidung und den Umgang mit ihren drei Söhnen, was ihm nach damaliger Rechtslage möglich war. Er brachte die Kinder bei Verwandten zuerst in Schottland und dann in Yorkshire unter, wovon die Mutter Unkenntnis blieb. Caroline Norton bemühte sich intensiv, auch durch politische Agitation, eine Verbesserung der Rechtslage für verheiratete und geschiedene Frauen herbeizuführen. Sie trug wesentlich zur 1839 erfolgten Verabschiedung des Custody of Infants Act bei. der Müttern bessere Möglichkeiten zum Erhalt des Sorgerechts oder zumindest Besuchsrechts für ihre Kinder einräumte.

Im Jahr 1853 kam es zu einem Gerichtsverfahren zwischen Caroline und ihrem Ehemann, da Norton sich weigerte, seiner Ehefrau finanzielle Unterstützungen zu zahlen und er darüber hinaus die Einkünfte aus dem Erlös ihrer Bücher für sich beanspruchte, was durchaus im Einklang mit dem damaligen Common law war. Caroline beklagte sich in Protestbriefen an Königin Victoria über die bestehenden Scheidungsgesetze und hatte damit bedeutenden Einfluss darauf, dass der Matrimonial Causes Act von 1857 beschlossen wurde, der das Scheidungsrecht reformierte.

Der Tod ihres Gatten George Chapple Norton im Jahr 1875 machte Caroline frei und sie heiratete im März 1877 einen alten Freund, den schottischen Historiker und Politiker Sir William Stirling-Maxwell. Sie starb bereits drei Monate danach.

Kritik durch Gedichte

In zwei Gedichten thematiesierte Norton soziale Probleme, 1836 in A Voice from the Factories eine beredte und mitreißende Verurteilung von Kinderarbeit, sowie 1845 mit The Child of the Islands, dessen Titel den Prince of Wales bezeichnet und worin die Autorin eine ergreifende Darstellung gesellschaftlicher Missstände im damaligen England gibt. Ihren Neffen und Nichten widmete sie Aunt Carry’s Ballads for Children (1847).

Weitere Werke (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ John Wroath: Until They Are Seven, The Origins of Women's Legal Rights. Waterside Press 1998, ISBN 1-872870-57-0.
Personendaten
NAME Norton, Caroline
ALTERNATIVNAMEN Norton, Caroline Elizabeth Sarah; Norton, Caroline Sheridan
KURZBESCHREIBUNG britische Schriftstellerin
GEBURTSDATUM 22. März 1808
GEBURTSORT London
STERBEDATUM 15. Juni 1877
STERBEORT London