
Caroline Wahl (auch Caro Wahl; * 1. Juni 1995 in Mainz) ist eine deutsche Schriftstellerin. Ihr Debütroman 22 Bahnen aus dem Jahr 2023 wurde ein Verkaufsschlager und erhielt zahlreiche positive Kritiken und Preise. Auch das Nachfolgewerk Windstärke 17 wurde ein Erfolg.
Caroline Wahl wuchs als Tochter einer Grundschullehrerin und eines Chirurgen mit drei Geschwistern in Schriesheim in der Nähe von Heidelberg auf und studierte Germanistik in Tübingen und Deutsche Literatur in Berlin. Danach war sie unter anderem als Verlagsassistentin für den Diogenes Verlag in Zürich tätig. In dieser Zeit schrieb Wahl innerhalb von drei Monaten ihren ersten Roman 22 Bahnen.
2022 zog sie nach Rostock, wo sie für eine Kommunikationsagentur tätig war, und lebte dort als freie Schriftstellerin. Im Herbst 2024 zog sie nach Kiel.
Wahls Debütroman 22 Bahnen wurde im April 2023 vom Kölner DuMont Buchverlag veröffentlicht. Die Erzählerin schildert darin aus der Ich-Perspektive der Studentin Tilda deren Alltag und Familienleben. Dabei muss sich Tilda nicht nur auf ihr anspruchsvolles Mathematikstudium konzentrieren, sondern auch um die elfjährige Halbschwester Ida kümmern, da die Mutter alkoholkrank ist und die Väter die Familie verlassen haben.
Namhafte Rezensenten des Romans wie Elke Heidenreich, Christine Westermann oder Denis Scheck bestätigten Wahl, einen ergreifenden Schreibstil gefunden zu haben, bei dem die Leser das Schicksal der beiden Schwestern authentisch wahrnehmen können, ohne dass die Autorin auf die Gründe für die Alkoholsucht der Mutter eingeht. Dabei hat die Schriftstellerin keine eigenen Erfahrungen mit Suchtproblemen im familiären Umfeld, führte jedoch unter anderem Gespräche mit Personen, die in Suchtstationen arbeiten, um die Thematik realistisch wiederzugeben. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer gab an, er habe sich in das Buch früh „verliebt“.
Andere Rezensenten bemängeln, dass Wahl kein tieferes Interesse an ihren Figuren zeige und zu wenig Recherche betrieben habe. Auf der Website 54 Books kritisiert Eva-Sophie Lohmeier an Wahls ersten beiden Büchern beispielsweise:
„Beide Love Interests, Viktor wie Leif, haben interessante Augenfarben und Berufe, sind etwas verstockt, haben aber einen guten Kern und lieben aufrichtig. Sie sind nach Anfangsschwierigkeiten emotional verfügbar, sehen sehr gut aus und sind praktischerweise beide auch noch sehr wohlhabend. Und zwar alles in jungen Jahren selbst erarbeitet, nicht geerbt. Wenn es solche tüchtigen Herren mit güldenem Herzen braucht, um die armen, begabten Waisenkinder zu freien, damit ihnen die Welt offensteht, dann sind wir endgültig im Reich der Genrekonventionen angekommen.“
Laut Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt sei Wahl ein „Phänomen“ der zeitgenössischen Literatur, Wahls Debüt „Durchhalteliteratur“, das als „post-sozialdemokratischer“ Roman die sozialen Verhältnisse ungeschönt darstelle, diese jedoch anstelle ihrer Kritik fortwährend romantisiere.
Wahl wollte immer einen Roman über eine starke, eigenwillige, aber auch sensible junge Frau schreiben und sieht hier insbesondere die Romane von Alina Bronsky Scherbenpark, Angelika Klüssendorf Das Mädchen sowie Spieltrieb von Juli Zeh als Vorbild. Der Stil und das Thema des Romans sprechen dabei insbesondere jugendliche Leser an; so wurde 22 Bahnen bald nach der Veröffentlichung auf BookTok besprochen. Der Norddeutsche Rundfunk wählte die Erzählung 2023 zum NDR-Buch des Monats Mai.
Auf der Spiegel-Bestsellerliste stand der Roman 30 Wochen unter den Top-20 im Kalenderjahr 2023 und wurde in diesem Jahr mehr als 100.000 Mal in Deutschland verkauft. In ihrem Erscheinungsjahr erhielt die Erzählung den Buchpreis der Stiftung Ravensburger Verlag, den Bayern-2-Publikumspreis, den Ulla-Hahn-Autorenpreis und den Grimmelshausen-Förderpreis. Im gleichen Jahr wurde sie zum Lieblingsbuch des unabhängigen Buchhandels gewählt. Bis Juni 2024 wurden 340.000 Exemplare gedruckt. Bis August 2025 wurde der Roman etwa eine Million Mal verkauft; im selben Monat wurde auch die gleichnamige Verfilmung vorgestellt.
2024 erschien Wahls zweiter Roman Windstärke 17, der auf der Insel Rügen spielt und das weitere Leben der aus dem Debütroman schon bekannten Figur Ida thematisiert. Der Verlag DuMont startete mit einer Erstauflage von 130.000 Exemplaren. Für diesen Roman erhielt sie 2026 die Franz-von-Sales-Medaille der Deutschsprachigen Provinz der Oblaten des Hl. Franz von Sales.
Wahl veröffentlichte am 20. August 2024 auf Instagram einen Beitrag, in dem sie ihre Enttäuschung darüber äußerte, nicht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2024 zu stehen. Der Post stieß auf gemischte Reaktionen und wurde in den Medien kontrovers diskutiert.
Im August 2025 veröffentlichte Wahl mit Die Assistentin ihren dritten Roman, der mit einem Verlagswechsel einherging und in einem Verlag spielt. Iris Radisch nannte die Lektüre des Buches „verschenkte Lebenszeit“. Der Roman Die Assistentin sei „ein belangloses Buch“, dessen Thema, wie man sich als junge Frau gegen alte Männer durchsetze, „zu oberflächlich abgehandelt“ werde. Wahl selbst las hier das Hörbuch ein – ihre Lesung stieß jedoch auf laute Kritik, so dass parallel eine neue Lesung der Schauspielerin Chantal Busse durch den Argon Verlag in Auftrag gegeben wurde.
Ihr bisheriges Werk wurde im Juli 2026 auf der wissenschaftlichen Tagung Problematisierte Popularität. Caroline Wahls Literatur des SFB „Transformationen des Populären“ an der Universität Siegen thematisiert.
In Wahls im August 2026 erschienenen 1999 Meter über dem Meer reist Idas Freundin Samara, eine Nebenfigur aus Wahls ersten Werken, nach Bali, lebt dann für eine Agentur arbeitend in einer Berliner WG und inszeniert sich schließlich als Künstlerin in der Welt der Schönen und Reichen in St. Moritz. Nach der taz-Redakteurin Julia Hubernagel könne der Roman „bestürzend schlecht“ genannt werden: Er reihe Klischees aneinander, gebe über weite Strecken Bewusstseinsstrom wieder, ohne dass klar werde, wessen Bewusstsein es sei, und bleibe bei der Darstellung reicher Menschen oberflächlich, da weder gefragt werde, woher ihr Reichtum komme, noch welche negativen Folgen er für sie habe.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wahl, Caroline |
| ALTERNATIVNAMEN | Wahl, Caro |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Schriftstellerin |
| GEBURTSDATUM | 1. Juni 1995 |
| GEBURTSORT | Mainz |