Center for Public Integrity

Logo des CPI

Das Center for Public Integrity (CPI; deutsch Zentrum für Öffentliche Integrität) war eine Non-Profit-Organisation, die der US-amerikanische Journalist Charles Lewis im März 1989 in Washington, D.C. gründete. Schwerpunkt ihrer Tätigkeit war investigativer Journalismus. Finanziell wurde das CPI durch eine Reihe von Stiftungen gefördert, darunter die Ford Foundation und die John S. and James L. Knight Foundation (Florida).

Zielsetzung

Das CPI nannte als ihr Ziel (mission), „Machtmissbrauch, Korruption und Pflichtversäumnis einflussreicher öffentlicher und privater Institutionen offenzulegen“, um sie zu verantwortlichem Handeln zu veranlassen. Mit über 50 Mitarbeitern war das CPI eines der größten unparteiischen investigativen Zentren in den USA. Seine Berichte veröffentlichte das CPI im Internet oder übergab sie an „media outlets“ in den USA und in anderen Ländern.

Geschichte

Nachdem er das CPI im März 1989 gegründet hatte, blieb Charles Lewis bis Januar 2005 Direktor. Bis dahin hatte das CPI 14 Bücher und mehr als 250 investigative Berichte veröffentlicht, das 2004 veröffentlichte Buch The Buying of the President hielt sich drei Monate lang auf der Bestseller-Liste der New York Times. Im Jahr 2005 hatte das CPI in Washington über 40 Vollzeitmitarbeiter. Diese arbeiteten mit einem Netzwerk von Autoren und Herausgebern in über 25 Ländern zusammen.

Lewis’ Nachfolgerin als Direktor wurde Roberta Baskin, die im Mai 2006 jedoch wieder aus der Organisation ausschied. Im Januar 2007 wurde Bill Buzenberg zum Direktor des CPI.

International Consortium of Investigative Journalists

Logo des ICIJ

1997 startete das CPI das Projekt International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ). 2013 war es ein Netzwerk von 160 Journalisten in etwa 60 Ländern. Weltweit bekannt wurde ICIJ u. a. durch Offshore-Leaks, Panama Papers und Paradise Papers.

Weitere Berichte

Der erste von CPI erarbeitete Bericht America’s Frontline Trade Officials (Amerikas Front-Handelsbeamte) belegte, dass während einer Zeitspanne von 15 Jahren fast die Hälfte der beobachteten White House trade officials nach der Pensionierung Lobbyisten für andere Länder oder ausländische Organisationen wurde. Lewis beschrieb den Erfolg des Berichts wie folgt:

“[It] prompted a Justice Department ruling, a General Accounting Office report, a Congressional hearing, was cited by four presidential candidates in 1992 and was partly responsible for an executive order in January 1993 by President Clinton, placing a lifetime ban on foreign lobbying by White House trade officials.”

„[Er] veranlasste eine Weisung des Justizministeriums, einen Bericht des General Accounting Office, ein Kongress-Hearing, wurde 1992 von vier Präsidentschaftskandidaten zitiert und war teilweise verantwortlich für eine Anweisung Präsident Clintons im Januar 1993 mit einem lebenslangen Verbot ausländischer Lobbyarbeit für Weißes-Haus-Handelsbeamte.“

1996 veröffentlichte das CPI den Bericht Fat Cat Hotel von Margaret Ebrahim. Er beschrieb Zusammenhänge zwischen Übernachtungen im Lincoln Bedroom im Weißen Haus unter US-Präsident Bill Clinton und Spenden an die Demokratische Partei und/oder für Clintons Wiederwahlkampagne. Die Autorin erhielt dafür einen Preis von der Society of Professional Journalists.

Ein 2003 veröffentlichter Bericht mit dem Titel Windfalls of War (gemeint sind windfall profits) untersuchte Zusammenhänge zwischen Wahlkampfspenden für George W. Bush und der Erteilung von Aufträgen für Wiederaufbauprojekte in Afghanistan und im Irak. Der Bericht wurde in den Medien der USA kontrovers diskutiert.

Auch der CPI-Bericht Who’s Behind the Financial Meltdown? fand viel Aufmerksamkeit.

2010 veröffentlichte das CPI zusammen mit dem National Public Radio den Bericht Sexual Assault on Campus, der Versäumnisse von Colleges und staatlichen Stellen beim Vermeiden und Aufklären von sexuellen Übergriffen, z. B. Vergewaltigungen, aufzeigte.

2023 verfehlte CPI sein Einnahmeziel von 6 Mio. US-Dollar um rund 2,5 Mio. US-Dollar. Anfang 2024 wurden deshalb eine Fusion oder Schließung erwogen. CEO Paul Cheung und Chefredakteur Matt DeRienzo verließen die Organisation im Februar 2024.

Im März 2024 begann eine größere Entlassungswelle. Im Mai wurde schließlich praktisch die gesamte verbliebene Belegschaft entlassen. Anfang 2024 hatte CPI noch ungefähr 25 Mitarbeiter. Am 30. November 2024 waren keine Mitarbeiter mehr beschäftigt.

Am 31. März 2025 berichtete die Columbia Journalism Review, dass CPI die Veröffentlichung eingestellt hatte und sich in Auflösung befand. Zu diesem Zeitpunkt liefen Gespräche über die Übernahme des Archivs durch das Project On Government Oversight (POGO).

Kritik

Der Journalist Alex Beam vom Boston Globe forderte vom CPI mehr „Empathie für die Teufel“. Die Kritik an den Milliardären Charles G. Koch und David H. Koch nehme sehr viel Raum ein. Beim CPI sei „scheinbar jeder Tag der Fürchte-die-schrecklichen-Koch-Brüder-Tag“. Dabei seien die Koch-Brüder, so Alex Beam, „so schlecht, dass sie schon wieder gut sind“. Wenn es sie nicht gäbe, hätte die Linke sie erfinden müssen. Allein die Nennung des Namens Koch werde in der nächsten Dekade genügen, um für „jede schrullige Weltrettungs-Wohltätigkeitsveranstaltung“ Spendengelder fließen zu lassen.

Die konservative Washington Post-Kolumnistin Jennifer Rubin kritisierte in diesem Zusammenhang, dass das CPI auch Spenden des als progressiv geltenden Milliardärs George Soros annehme. Dadurch werde das CPI Teil einer ihrer Ansicht nach von Soros gesteuerten „Anti-Koch-Kampagne“. Das CPI betreibe, so Rubin, linksliberalen Meinungsjournalismus.

Publikationen

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ How the CPI is funded publicintegrity.org
  2. 1 2 3 4 Sewell Chan: The Center for Public Integrity is shutting down. In: Columbia Journalism Review. Abgerufen am 30. September 2026 (englisch).
  3. ↑ Center for Public Integrity
  4. ↑ PI reduces staff to compensate for $2 million budget hole
  5. 1 2 3 The Growing Importance of Non-Profit Journalism. (PDF; 376 kB) The Joan Shorenstein Center on the Press, Politics and Public Policy
  6. ↑ icij.org
  7. ↑ An “i” Toward Tough Journalism. (Memento des Originals vom 14. Juni 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. In: Johns Hopkins Magazine.
  8. ↑ Margaret Ebrahim: Fat Cat Hotel (Publici: Newsletter of the Center for Public Integrity, Band 2, Nr. 5, August 1996)
  9. ↑ Center for Public Integrity, 30. Oktober 2003: Winning contractors
  10. ↑ Rezeption in US-Printmedien (Memento des Originals vom 29. April 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.; Beispiel: Daniel Drezner (Slate, 3. November 2003): Fables of the Reconstruction: Bush isn’t really favoring Halliburton and Bechtel
  11. ↑ Sexual Assault on Campus. publicintegrity.org
  12. ↑ Campus Rape Victims: A Struggle For Justice. npr.org
  13. ↑ Alex Beam: Empathy for the Devils Boston Globe, 2. September 2011
  14. ↑ Jennifer Rubin: Is the Center for Public Integrity’s work advocacy or journalism? Washington Post, 2. September 2011