
Centropa ist ein international tätiges Oral-History- und Bildungsinstitut, das sich mit jüdischer Geschichte im 20. Jahrhundert befasst. Centropa wurde im Jahr 2000 mit Büros in Wien und Budapest gegründet. Zur Zeit unterhält Centropa Büros in Wien, Budapest, Hamburg und Washington, D.C. Seit 2026 befindet sich das Hauptbüro in Hamburg.
Centropa dokumentiert jüdische Lebensgeschichten des 20. Jahrhunderts und verwendet die daraus entstandenen Interviews, Fotografien und Dokumente für digitale Archive, Filme, Ausstellungen, Publikationen und Unterrichtsmaterialien. Ein Schwerpunkt liegt auf der jüdischen Alltags- und Familiengeschichte in Mittel- und Osteuropa, auf dem Balkan, im Baltikum und in Gebieten der ehemaligen Sowjetunion.
Zwischen 2000 und 2009 führte Centropa 1.230 Interviews mit älteren Jüdinnen und Juden in 15 europäischen Ländern. Im Zuge des Projekts wurden 25.664 private Familienfotografien und Dokumente digitalisiert. Im Jahr 2023 wurde die Centropa-Sammlung vom United States Holocaust Memorial Museum (USHMM) in Washington, D.C. übernommen.

Das Oral-History-Projekt Centropa entstand im Jahr 2000. Ziel war es, die Erinnerungen älterer jüdischer Menschen in Mittel- und Osteuropa, auf dem Balkan, im Baltikum und in Staaten der ehemaligen Sowjetunion zu dokumentieren.
Zu den Gründern des Projekts gehörten Edward Serotta sowie die Historikerinnen Eszter Andor und Dora Sardi. Ausgangspunkt war die Idee, nicht ausschließlich Erinnerungen an den Holocaust zu dokumentieren, sondern jüdische Lebensgeschichten über das gesamte 20. Jahrhundert hinweg festzuhalten. Die Befragten berichteten daher unter anderem über Kindheit, Familie und Alltag, religiöse und kulturelle Traditionen, Verfolgung und Holocaust sowie über ihr Leben nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die Interviews wurden zwischen 2000 und 2009 durchgeführt. Centropa interviewte dabei 1.230 ältere Jüdinnen und Juden in 15 Ländern. Anders als bei vielen videobasierten Zeitzeugenprojekten wurden die Interviews nicht gefilmt. Sie wurden als Audio aufgezeichnet, digitalisiert und transkribiert. Gleichzeitig digitalisierten die Interviewteams private Fotografien und Dokumente der Befragten und hielten die dazugehörigen Erinnerungen und Erläuterungen fest.
Insgesamt umfasst das Archiv 1.230 Interviews und 25.664 digitalisierte Familienfotografien und Dokumente. Die Interviews wurden in mehreren Sprachen geführt; mehr als tausend wurden ins Englische übersetzt.
Seit 2005 nutzt Centropa die Archivmaterialien zudem für thematische Internetangebote, Filme, Wanderausstellungen, Bildungsprogramme und illustrierte Bücher. Später kamen unter anderem Dokumentarfilme, digitale Stadtrundgänge und Podcasts hinzu.
Im Jahr 2023 übernahm das United States Holocaust Memorial Museum die Centropa-Sammlung. Das Museum beschreibt sie als eine Sammlung von 1.230 Audiointerviews in elf Sprachen mit annähernd 40.000 Seiten Transkriptionen sowie rund 25.000 privaten Fotografien und Dokumenten. Centropa verwendet die Materialien weiterhin für seine Bildungs- und Medienarbeit.
Centropa besteht aus mehreren rechtlich selbstständigen Organisationen. In Österreich ist Centropa als Verein unter dem Namen Zentrum zur Erforschung und Dokumentation jüdischen Lebens in Ost- und Mitteleuropa registriert. In Deutschland besteht der Verein Zentrum für Jüdische Geschichte des 20. Jahrhunderts e. V. mit Sitz in Hamburg. In Ungarn besteht die Centropa Alapítvány, in den Vereinigten Staaten das Central Europe Center for Research and Documentation, Inc. als gemeinnützige Organisation.
Centropa unterhält Teams in Hamburg, Wien, Budapest und Washington, D.C. Seit 2026 ist Fabian Rühle Executive Director von Centropa. Er arbeitet im Hamburger Büro und hatte zuvor das europäische Bildungsprogramm der Organisation aufgebaut.
Die Arbeit wird von Historikern, Pädagogen, Journalisten und Medienschaffenden getragen und richtet sich insbesondere an Schulen, Bildungseinrichtungen, Museen und Akteure der historisch-politischen Bildung.
Das Oral-History-Archiv entstand im Rahmen des Projekts Jewish Witness to a European Century (deutsch etwa Jüdische Zeitzeugen eines europäischen Jahrhunderts). Es enthält lebensgeschichtliche Interviews, Fotografien und persönliche Dokumente zur jüdischen Alltags- und Familiengeschichte des 20. Jahrhunderts.
Eine Besonderheit des Projekts ist die Verbindung lebensgeschichtlicher Interviews mit privaten Familienfotografien. Die Bilder dienen nicht lediglich als Illustrationen, sondern werden durch die Erinnerungen der Interviewten in ihren familiären und historischen Zusammenhang eingeordnet. Während der Gespräche wurden die Befragten nach den auf den Bildern dargestellten Personen, ihren Familien, Berufen, Schulen sowie nach ihrem alltäglichen Leben gefragt.
Die Interviews behandeln das Leben vor dem Zweiten Weltkrieg ebenso wie den Holocaust und die Nachkriegszeit. Dazu gehören unter anderem Erfahrungen jüdischer Familien unter kommunistischer Herrschaft sowie gesellschaftliche und politische Veränderungen gegen Ende des 20. Jahrhunderts.
Die Sammlung umfasst 1.230 Audiointerviews. Nach Angaben des USHMM wurden sie in elf Sprachen aufgenommen und ergeben zusammen annähernd 40.000 Seiten Transkriptionen. Hinzu kommen rund 25.000 Fotografien und persönliche Dokumente.
Seit Mitte der 2000er-Jahre bereitet Centropa Teile des Archivs für die Bildungsarbeit auf. Seit 2005 entstanden auf Grundlage der Interviews und Fotografien thematische Internetangebote, multimediale Filme, Wanderausstellungen, Bildungsprogramme und Bücher.
Seit 2007 arbeitet Centropa verstärkt mit Pädagogen an Bildungsprogrammen für Schulen in Europa, den Vereinigten Staaten und Israel. Aus ausgewählten Interviews entstanden biografische Kurzfilme, bei denen Fotografien aus dem Archiv mit den Lebensgeschichten der Interviewten verbunden werden.

Centropa organisiert regionale und internationale Fortbildungen für Lehrkräfte. Dazu gehört die Centropa Summer Academy, bei der Pädagogen aus verschiedenen Ländern zusammenkommen, sich mit jüdischer Geschichte und dem Holocaust beschäftigen und Methoden des biografischen und historischen Lernens diskutieren.
Bei Seminaren und Fortbildungen werden zudem jüdische historische Stätten besucht und Unterrichtsmaterialien entwickelt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf grenzüberschreitenden Schülerprojekten, bei denen Jugendliche die jüdische Geschichte ihrer Heimatorte erforschen und ihre Ergebnisse in digitalen Formaten präsentieren.
Zu den von Centropa verwendeten Formaten gehören neben Unterrichtsmaterialien und Kurzfilmen auch Dokumentarfilme, Podcasts, Ausstellungen, Bücher und digitale Stadtrundgänge.
Neben dem Zeitzeugenarchiv betreibt Centropa internationale Bildungs- und Erinnerungsprojekte. Dazu gehören Wanderausstellungen, lokale Geschichtsprojekte, thematische Bildungswebsites sowie grenzüberschreitende Projekte mit Jugendlichen und Lehrkräften.
Das Centropa Jewish Network (CJN) dient der Vernetzung jüdischer Schulen in Europa und Israel.
Mit dem Projekt Trans.History wurden interdisziplinäre Bildungsangebote für Pädagogen, Jugendliche und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen aus der Ukraine und der Republik Moldau entwickelt und mit Austauschformaten für deutsche Pädagogen verbunden.
Weitere Projekte beschäftigen sich unter anderem mit jüdischem Leben auf dem Balkan, in der Ukraine und der Republik Moldau sowie mit der lokalen jüdischen Geschichte verschiedener Städte und Regionen Europas. Die Ergebnisse werden unter anderem als Filme, Podcasts, Ausstellungen, grafische Erzählungen und digitale Rundgänge veröffentlicht.

Seit 2005 entwickelt Centropa Wanderausstellungen mit unterschiedlichen thematischen und geografischen Schwerpunkten. Dabei werden Fotografien und Lebensgeschichten aus dem Archiv mit historischen Karten und erläuternden Texten verbunden.
Die Ausstellungen sind für den Einsatz unter anderem in Schulen, Bibliotheken, Museen und Kulturzentren konzipiert. Thematische Ausstellungen entstanden zu verschiedenen Aspekten der jüdischen Geschichte Mittel-, Ost- und Südosteuropas, darunter zu Litauen, Ungarn, Spanien, Bosnien und Herzegowina, Österreich, Polen und Rumänien.
Centropa veröffentlicht Dokumentarfilme und biografische Kurzfilme, die auf den Interviews und Materialien des Archivs beruhen. Zu den veröffentlichten Produktionen gehören unter anderem: