




Charles Babbage (* 26. Dezember 1791 in Walworth, Grafschaft Surrey, England; † 18. Oktober 1871 in London) war ein englischer Mathematiker, Philosoph, Erfinder und Politischer Ökonom. Er ist vor allem für die von ihm entwickelten mechanischen Rechenmaschinen Difference Engine und Analytical Engine bekannt.
Babbage war das erste der vier Kinder von Benjamin Babbage (1753–1827) und dessen Frau Elizabeth Plumleigh Teape (1759–1844).
Am 21. April 1810 wurde Babbage am Trinity College in Cambridge zugelassen, wo er sich im gleichen Jahr immatrikulierte.
Am 7. April 1812 wechselte er zum Peterhouse. 1814 erwarb er dort den Grad eines Baccalaureus artium (B. A.) und 1817 den eines Magister artium (M. A.).
Am 7. Mai 1812 gründeten Babbage und seine Mitstudenten Edward Bromhead, John Herschel, George Peacock und Michael Slegg (1791–1889), Richard Gwatkin (1791–1870?), John Whittaker (1790–1854) und Henry Wilkinson (1791/92–1838) die Analytical Society mit dem Ziel die „analytische Mathematik“ gegenüber der an der Universität gelehrten „synthetischen Mathematik“ zu fördern. Dies betraf insbesondere das von Gottfried Wilhelm Leibniz entwickelte Differentialkalkül gegenüber der Fluenten-Fluxionen-Methode von Isaac Newton, die das Mathematikstudium beherrschte.
Am 2. Juli 1814 heiratete Babbage in der St Michael’s Church von Teignmouth Georgiana Whitmore (1792–1827), eine Schwester von William Wolryche-Whitmore (1787–1858). Mit ihr hatte er acht Kinder, darunter Benjamin Herschel Babbage (1815–1878) und Henry Prevost Babbage (1824–1918).
Ab Februar 1815 hielt Babbage eine Vorlesungsreihe über Astronomie an der Royal Institution. Am 12. Januar 1820 gehörte Babbage zu den 14 Gründungsmitgliedern der Astronomical Society of London, deren Sekretär er von 1820 bis 1824 und Auslandssekretär von 1827 bis 1829 war.
Bis 1822 hatte Babbage ein funktionierendes Modell einer Rechenmaschine (zur Erstellung fehlerfreier Zahlentafeln) fertiggestellt. Mit Unterstützung der britischen Regierung begann 1823 die Arbeit an der difference engine no. 1. Im selben Jahr wurde ein erstes Modul der difference engine aus etwa 2.000 von insgesamt projektierten 25.000 Teilen durch den Feinmechaniker Joseph Clement fertiggestellt.
1826 veröffentlichte Babbage mit A comparative view of the various institutions for the assurance of lives eine Schrift, in der er das Geschäft mit Lebensversicherungen mit Hilfe von Sterbetabellen auf eine statistische Grundlage stellte. Er erkannte die Abhängigkeit der Sterblichkeit von der sozialen Klasse und schlug deshalb vor, für die unteren Schichten andere Sterbetafeln als für die oberen Schichten zu verwenden.
Nach dem Tod des Vaters, wodurch Babbage zu einem Erbe kam, welches ihm für den Rest seines Lebens ein sicheres Auskommen garantierte, und dem Ableben zweier Söhne und der Ehefrau innerhalb von sieben Monaten, trat er 1827 eine einjährige Europareise durch die Niederlande, Deutschland, Österreich und Italien an. Unter anderem bestieg er dabei den Krater des damals aktiven Vesuvs, traf mehrere Mitglieder der Familie Bonaparte, untersuchte den Serapistempel in Pozzuoli und besuchte Alexander von Humboldt in Berlin. Nach seiner Rückkehr war er bis 1834 politisch aktiv und unterstützte mit mäßigem Erfolg mehrere liberale Lokalpolitiker.
Von 1828 bis 1839 bekleidete Babbage den Lucasischen Lehrstuhl für Mathematik, hielt aber keine Vorlesungen.
Sein Bericht Reflections on the decline of science in England, and on some of its causes von 1830, in denen sich seine Unzufriedenheit mit dem Zustand der Londoner Royal Society widerspiegelte, führte 1831 zur Gründung der British Association for the Advancement of Science.
Für David Brewsters Edinburgh Encyclopaedia (1830) verfasste er die Einträge Notation und Porisms.
Seine 1832 unter dem Titel Economy of machinery and manufactures erschienene Analyse des Fabrikkapitalismus wurde eine wichtige Quelle für Karl Marx, der dieses Buch umfassend rezipierte und zitatenweise in seinem Werk Das Kapital verwendete. Dieses ist eine Analyse der Technologie und Organisation des Industriekapitalismus seiner Zeit, in der er unter anderem über die Senkung von Lohnkosten durch die Aufspaltung ganzheitlich-zusammenhängender Arbeit in mehrere, insgesamt weniger anspruchsvolle Tätigkeiten schrieb, was heute auch als „Babbage-Prinzip“ bekannt ist.
Im Jahr 1833 begann er die Arbeit an der analytical engine auf eigene Kosten. 1834 gründete er die Statistical Society of London. 1842 stellte die britische Regierung das Projekt difference engine no.1 endgültig ein, 1846 beendete Babbage die Entwicklung der analytical engine. Ab 1847 arbeitete er an detaillierten Plänen für eine difference engine no.2 (bis etwa 1849), die mit bedeutend weniger Bauteilen als no.1 auskam.
1854 gelang Babbage als Erstem die Entzifferung einer Vigenère-Chiffre, indem er beschrieb, wie man den passenden Schlüssel aus dem chiffrierten Text filtert. Er veröffentlichte sein Verfahren jedoch nie, so dass Wissenschaftler auf seine Erkenntnisse erst nach seinem Tod darauf aufmerksam wurden.
Am 14. März 1816 wurde Babbage zum Mitglied („Fellow“) der Royal Society gewählt. Am 24. Januar 1820 wurde er zum Mitglied der Royal Society of Edinburgh. Am 18. November 1823 wählte man Babbage zum Ehrenmitglied der Society of Art for Scotland.
1824 wurde Babbage mit der Goldmedaille der Astronomical Society of London ausgezeichnet.
Am 7. Oktober 1826 wurde Babbage zum korrespondierenden Mitglied der Königlichen Akademie Brüssel gewählt und am 1. Dezember 1845 zum „Associate“ ernannt. 1830 wurde Babbage zum auswärtigen Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ernannt. Im Dezember 1832 wurde er als auswärtiges korrespondierendes Mitglied in die Russische Akademie der Wissenschaften aufgenommen. 1832 wurde Babbage in die American Academy of Arts and Sciences und 1841 in die Accademia delle Scienze di Torino gewählt.
1831 wurde er als „Ritter“ des Guelphen-Ordens geadelt.
Nach Babbage sind der Asteroid (11341) Babbage und der Mondkrater Babbage benannt. Ihm zu Ehren ist der Charles Babbage Award der IEEE Computer Society benannt.
Nach ihm ist das „Babbage-Prinzip“ benannt, das sich mit der Senkung von Lohnkosten befasst.
Babbage beschäftigte sich mit Kryptologie, der Navigation von Unterwasserfahrzeugen und stellte eine Theorie zur Gletscherbildung auf. Zu seinen zahlreichen Erfindungen neben den Rechenmaschinen gehört angeblich auch ein Augenspiegel (Ophthalmoskop), den er unabhängig von Helmholtz entwickelt haben soll, und ein an der Stirnseite von Lokomotiven befestigter Schienenräumer, der „Kuhfänger“. Ebenso erkannte er, dass die Breite des Jahresringes eines Baumes vom Wetter beeinflusst wird und somit Rückschlüsse auf das Klima vergangener Zeiten zulässt.
Er schlug eine Verbesserung von Leuchttürmen vor. Um eine Verwechslung untereinander bzw. mit zufälligen Lichtsignalen zu verhindern, sollte jeder Leuchtturm seine Nummer mittels codierter Lichtsignale anzeigen (z. B. für die Nummer 243: zwei, vier und drei Lichtblitze, jeweils unterbrochen von einer kurzen Pause).
Babbage vermachte sein Gehirn der Wissenschaft. Es ist heute in einem Glas neben dem Nachbau seiner Maschinen im Science Museum in London ausgestellt.
Babbage entwickelte mit der „Differenzmaschine“ und der „Analytical Engine“ zwei mechanische Rechenmaschinen, von denen er zu Lebzeiten zwar kein funktionstüchtiges Exemplar fertigstellen konnte, deren letztere aber als Vorläufer des modernen Computers gilt. Babbages „Difference Engine“ wurde zu seinen Lebzeiten nie fertig. Erst zwischen 1989 und 1991 wurde im Londoner Science Museum die „Difference Engine No. 2“ funktionsfähig nachgebaut. Später haben auch Bastler diese Maschine mit modernen, präzisen Spielzeugbausätzen wie Lego und Meccano nachgebaut.
Britische Forscher begannen 2011 mit Hilfe von Babbages Entwürfen auch die „Analytical Engine“ in einem auf zehn Jahre berechneten Projekt nachzubauen und damit auf ihre Funktionstüchtigkeit zu prüfen.
1990 veröffentlichten William Gibson und Bruce Sterling den Steampunk-Roman The Difference Engine (Die Differenzmaschine).
Bücher
Zeitschriftenbeiträge
Sonstige
Sammelwerke
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Babbage, Charles |
| KURZBESCHREIBUNG | englischer Mathematiker, Philosoph, Erfinder und Politischer Ökonom |
| GEBURTSDATUM | 26. Dezember 1791 |
| GEBURTSORT | Walworth, Grafschaft Surrey, England |
| STERBEDATUM | 18. Oktober 1871 |
| STERBEORT | London, England |