Charles Chubb

Charles Chubb (* 31. Dezember 1851 in Steeple Langford, Wiltshire; † 25. Juni 1924 im St George’s Hospital in London) war ein britischer Ornithologe und Mitarbeiter im Natural History Museum. Chubb verstarb als Folge eines Autounfalls, der sich nach dem Verlassen des Museums am 11. Juni 1924 in der Cromwell Road ereignete.

Leben und Wirken

Charles Chubb wurde als Sohn des Landvermessers William Chubb und seiner Mutter Thurza Chubb geboren. Er besuchte die National School in Steeple Langford Langford. Am 21. August 1877 wurde er am Natural History Museum als Assistent zweiter Klasse eingestellt und stieg 1908 zum Abteilungsleiter auf. Trotz seiner Pensionierung im Jahr 1920 arbeitete er bis zu seinem tragischen Unfall weiter im Vogelraum des Museums.

Einen großen Teil seiner Museumskarriere verbrachte er bis zu dessen Tod mit Richard Bowdler Sharpe, den er nach dem Umzug der naturhistorischen Sammlung von Bloomsbury nach South Kensington kennen lernte und den er tatkräftig in seinem Wirken unterstützte. Viel bibliographische Arbeit in Sharpes Catalogue of the Birds in the British Museum wurde von Chubb vorbereitet.

Nach dem Tod seines Mentors im Jahr 1909 nahm sich Chubb die Aufgabe vor, sich mit südamerikanischen Vogelarten zu beschäftigen. Dieses Forschungsgebiet fesselte ihn den Rest seines Lebens. Sein erster selbständiger Artikel handelte über die Vögel Paraguays, die William T. Foster (1867–1915) für das Museum gesammelt hatte. Bald darauf lernte er Wyndham Wentworth Knatchbull-Hugessen, 3. Baron Brabourne (1885–1915) kennen, mit dem er ein längeres generelles Werk über die Vogelwelt Südamerikas plante. Der erste Band, der 1912 erschien, enthielt eine Liste aller bis dahin bekannten Arten und wurde damals als Standardwerk betrachtet. Als der Baron 1915 in der Schlacht von Neuve-Chapelle verstarb, war es Chubb leider nicht mehr möglich, das Projekt weiter fortzuführen. Als 1916 von Chubb mit Hilfe der Sammlung von Frederick Vavasour McConnell (1868–1914) The birds of British Guiana erschien, würdigte dessen Frau Helen McConnell geb. Mackenzie im Vorwort ihren verstorbenen Mann. Ein zweiter Band von Chubb erschien schließlich im Jahr 1921. Er war bis dahin das vollständigste Werk über die Avifauna Britisch-Guayanas. 1919 begann er in der Fachzeitschrift The Ibis einen längeren Artikel mit dem Titel Notes on Collections of Birds in the British Museum, from Ecuador, Peru, Bolivia, and Argentinia, welcher sich hauptsächlich auf Sammlungen von Perry Oveitt Simons (1869–1901), Walter Goodfellow (1866–1953) und Baron Brabourne stützte und nie vollendet wurde. Dazu publizierte er viele kleinere Artikel in Bulletin of the British Ornithologists' Club und Annals and magazine of natural history. Für seine langen treuen Dienste für das Museum wurde er mit der Imperial Service Medaille ausgezeichnet.

Chubb war zweimal verheiratet. Die erste Ehe schloss er 1881 mit Ada Albion aus Forestgate, mit der er fünf Kinder hatte. 1912 heiratete er Alice Mabel Bake aus Fullam, mit der er zwei weitere Kinder zeugte. Der älteste Sohn Ernest Charles Chubb (1884–1972) schlug eine ähnliche Karriere wie sein Vater ein und wurde Kurator am naturhistorischen Museum in Durban.

Mitgliedschaften

1910 wurde Chubb Mitglied der British Ornithologists’ Union. Außerdem war er Fellow der Zoological Society of London. Seit 1911 war er korrespondierendes Mitglied der American Ornithologists’ Union.

Dedikationsnamen

Gregory Macalister Mathews ehrte ihn in 1913 in der Gattung Chubbia, die heute als Synonym zu Gallinago Brisson, 1760 betrachtet wird. Sharpe benannte 1892 den Farncistensänger (Cisticola chubbi) nach ihm. Auch wenn es keine explizite Widmung gab, nannte ihn Philip Lutley Sclater einen treuen Assistenten von Sharpe. Auch die Rotrückenklarino-Unterart (Cichlopsis leucogenys chubbi Chapman, 1924) wurde zu seinen Ehren benannt.

Bei Oceanites nereis chubbi Mathews, 1912 handelt es sich um ein Synonym für die Graurücken-Sturmschwalbe (Garrodia nereis (Gould, 1841)). Lamprocolius chubbi Alexander, 1903 ist ein Synonym für die Prachtglanzstar-Unterart (Lamprotornis splendidus lessoni (Pucheran, 1858)), Tyrannus chubbii Davis, 1979 für den Trauertyrann (Tyrannus melancholicus Vieillot, 1819).

Nicht ihm gewidmet sind die Rotohrsylvietta-Unterart (Sylvietta ruficapilla chubbi (Ogilvie-Grant, 1910)) und die Tropfengrünastrild-Unterart (Mandingoa nitidula chubbi (Ogilvie-Grant, 1912)), die zu Ehren seines Sohnes Sohn Ernest benannt wurde.

Erstbeschreibungen und Synonyme von Chubb

Sein Hang zu Fragen der Systematik sieht man an der großen Anzahl der von ihm für die Wissenschaft neu beschriebenen Gattungen, Arten und Unterarten.

Gattungen

Arten

Zu den Arten gehören chronologisch u. a.:

Unterarten

Zu den Unterarten gehören chronologisch u. a.:

Synonyme

In der Literatur finden sich gelegentlich folgende Synonyme von ihm, die früher als eigenständige Unterarten betrachtet wurden:

  • Termitenspecht (Pardipicus nivosus nivosus (efulenensis) (Chubb, C, 1908))
  • Goldbürzelorganist (Euphonia cyanocephala cyanocephala (intermedia) Chubb, C, 1910)
  • Schwarzkehlarassari (Pteroglossus aracari atricollis (roraimae) Brabourne & Chubb, C, 1912)
  • Berlepschtinamu (Crypturellus berlepschi (macconnelli) (Brabourne & Chubb, C, 1914))
  • Brauntinamu (Crypturellus soui albigularis (hoffmannsi) (Brabourne & Chubb, C, 1914))
  • Rotkehltinamu (Crypturellus strigulosus (hellmayri) (Brabourne & Chubb, C, 1914))
  • Wellentinamu (Crypturellus undulatus adspersus (confusus) (Brabourne & Chubb, C, 1914))
  • Darwinralle (Coturnicops notatus (duncani) (Chubb, C, 1916))
  • Cayenneralle (Aramides cajaneus cajaneus (salmoni) Chubb, C, 1918)
  • Fledermausfalke (Falco rufigularis rufigularis (pax) Chubb, C, 1918)
  • Cayenneralle (Aramides cajaneus cajaneus (grahami) Chubb, C, 1919)
  • Schwarzkappentinamu (Crypturellus atrocapillus garleppi (affinis) (Chubb, C, 1919))
  • Gelbbauch-Breitschnabeltyrann (Tolmomyias flaviventris aurulentus (collingwoodi) (Chubb, C, 1920))

Publikationen (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ William Lutley Sclater (1924), S. 780–781.
  2. ↑ William Lutley Sclater (1924), S. 781.
  3. 1 2 William Lutley Sclater (1924), S. 782.
  4. 1 2 Theodore Sherman Palmer (1924), S. 646.
  5. ↑ Theodore Sherman Palmer (1924), S. 647.
  6. ↑ Gregory Macalister Mathews (1913, S. 157.)
  7. ↑ Richard Bowdler Sharpe, S. 157.
  8. ↑ Richard Bowdler Sharpe, S. 462.
  9. ↑ Frank Michler Chapman, S. 15.
  10. ↑ Gregory Macalister Mathews (1912), S. 18.
  11. ↑ Boyd Alexander (1903), S. 48.
  12. ↑ Louie Irby Davis (1979), S. 39.
  13. ↑ François Vuilleumier u. a., S. 143–144.
  14. ↑ William Robert Ogilvie-Grant (1910), S. 10.
  15. ↑ William Robert Ogilvie-Grant (1912), S. 64.

Anmerkungen

  1. ↑ Der Sohn ist auch der Erstbeschreiber des Schwarzwangengirlitz (Crithagra mennelli (Chubb, EC, 1908)).
Personendaten
NAME Chubb, Charles
KURZBESCHREIBUNG britischer Ornithologe
GEBURTSDATUM 31. Dezember 1851
GEBURTSORT Steeple Langford, Wiltshire
STERBEDATUM 25. Juni 1924
STERBEORT London