Charles Frederic Hartt

Charles Frederic Hartt

Charles Frederic Hartt (* 23. August 1840 in Fredericton, New Brunswick; † 18. März 1878 in Rio de Janeiro, Brasilien) war ein kanadischer Geologe, Naturforscher und Paläontologe.

Herkunft und Ausbildung

Hartt war das älteste von zehn Kindern von Jarvis William Hartt (12. Juli 1812 – 30. Juni 1873) und dessen Frau Prudence (geborene Brown; 29. Juli 1816 – 4. November 1873). Er studierte Naturwissenschaften an der Horton Academy in Wolfville, Nova Scotia und am College der Acadia University, an dem sein Vater als Professor tätig war. 1860 schloss er sein Studium mit einem Bachelor of Arts dem später sein Master of Arts folgte.

Bereits im Alter von zehn Jahren zeigte Hartt eine starke Neigung zu naturkundlichen Studien und ein Talent für das Zeichnen. Auch das Erlernen fremder Sprachen fiel ihm sehr leicht. Sein besonderes Interesse galt der Naturkunde und der Geologie seiner Heimat. Bereits während des Studiums durchwanderte er weite Teile Nova Scotias und sammelte Gesteinsproben auf seinen Exkursionen. Im Jahr 1860 zog er gemeinsam mit seinem Vater nach Saint John, wo dieser eine höhere Lehranstalt gründete. Hartt begann dort mit der der Erforschung der Gesteine in der neuen Umgebung. Dabei entdeckte er 1861 bei Duck Cove in den Schieferschichten aus dem Devon Überreste fossiler Pflanzen und Insekten der Ordnung der Neuroptera. Louis Agassiz wurde auf ihn aufmerksam und lud ihn ein als Student und Mitarbeiter an das naturhistorische Museum der Harvard University in Cambridge, Massachusetts zu kommen. Dort verbrachte er rund vier Jahre und nutzte die ihm gebotenen Möglichkeiten zum Studium und für eigenständige Forschung. In den Ferien setzte er seine Erkundungen in den Provinzen fort. Hartt führte seine Arbeiten teilweise in Verbindung mit der geologischen Landesaufnahme im südlichen New Brunswick durch, die von Loring Woart Bailey geleitet wurde. Die Resultate seiner geologischen Erforschung von New Brunswick bilden einen Teil von John William Dawsons Werk Acadian geology.

Forschungsreisen

Hartt begleitete gemeinsam mit dem zweiten Geologen Orestes Hawley St. John (1841–1921) Agassiz auf die sogenannte Thayer-Expedition nach Brasilien, die im April 1865 in New York startete und im Juli 1866 zurückkehrte. Dabei hatte er Gelegenheit in der Colonia Leopoldina im südlichen Bahia die Sitten und Gebräuche der Botokuden zu beobachten. Diese Reise weckte sein Interesse an der Geologie dieses Gebietes und er unternahm 1867 eine weitere Reisen dorthin. Nach der Rückkehr wurde er 1868 zum Professor für Naturgeschichte am Vassar College ernannt. Er wechselte von dort noch im selben Jahr an die Cornell University, um dort den Lehrstuhl für Geologie zu übernehmen, und blieb bis zu seinem Tod Leiter des Fachbereichs Geologie. 1869 wurde er zum Generalsekretär der American Association for the Advancement of Science gewählt. Er sollte eigentlich in diesem Amt 1870 an einer Tagung teilnehmen, begab sich stattdessen auf seine dritten Reise nach Brasilien, von der er Anfang 1872 zurückkehrte.

Auf Hartts Initiative hin wurde im damaligen Kaiserreich Brasilien eine staatliche geologische Landesdurchforschung eingerichtet und er wurde 1874 gebeten, Pläne für die systematische geologische Erforschung Brasiliens auszuarbeiten. Daher begab er sich im August 1874 nach Rio de Janeiro, wo er seine Vorschläge unterbreitete. Am 1. Mai 1875 trat die „Geologische Kommission des Kaiserreiches Brasilien“ portugiesisch Commissäo Geologica do Imperio do Brazil erstmals unter seiner Leitung zusammen. Hartt beabsichtigte noch mehrere Schriften zu veröffentlichen, zu denen er bislang mehr oder weniger Material zusammengestellt hatte. Er plante unter anderem Werke über die brasilianischen Altertümer, eine Schrift über die Mythologien brasilianischer Ureinwohner sowie eine Grammatik mit Wörter- und Lesebuch der Sprache der Tupi. 1876 wurde er zum Vorstand der geologischen Abteilung des Nationalmuseums in Rio de Janeiro ernannt. Im Juni 1877 wurde Verfügt, dass die Geologische Kommission ihre Tätigkeit am 1. Januar 1878 einstellen sollte. Hartt war mit dem Geologen Orville Adalbert Derby (23. Juli 1851 – 27. November 1915) befreundet, der seine Arbeit in Brasilien fortführte.

Familie

Seit dem 23. Dezember 1869 war Hartt mit Lucy Cornelia (geborene Lynde; 7. September 1846 – 16. Februar 1912) verheiratet, einer Tochter von Albertus L. Lynde († 21. Mai 1865) und dessen Frau Lucy.

Schriften (Auswahl)

1870 wurde das Werk Geology and physical geography of Brazil mit zahlreichen Zeichnungen und Karten veröffentlicht, die er selbst angefertigt hatte. Er schrieb Monographien für amerikanische und brasilianische Zeitschriften und hinterließ zahlreiche Manuskripte, die noch unveröffentlicht waren, da er in Brasilien plötzlich einem Fieber erlag. Eine Auflistung wichtiger Schriften findet sich in Archivos do Museu Nacional do Rio de Janeiro Band 12.

Literatur

Commons: Charles Frederick Hartt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Richard Rathbun: Sketch of the life and scientific work of Prof. Charles Fred. Hartt. Tuttle, Morehouse & Taylor, New Haven 1879 (Textarchiv – Internet Archive – Nachdruck, Original in Proceedings of the Boston Society of Natural History Band 19, S. 338–364, 1878).
  2. ↑ Friedrich Katzer: Charles Frederic Hartt. In: Grundzüge der Geologie des unteren Amazonasgebietes: (des Staates Pará in Brasilien). M. Weg, 1903, S. 19–23 (Textarchiv – Internet Archive).
  3. ↑ Hartt, Lucy Cornelia Lynde, 1846–1912 archivalcollections.library.mcgill.ca.
  4. ↑ Rollin L. Hartt. In: The New York Times. 18. Juni 1946, S. 25 (englisch, nytimes.com).
  5. ↑ Lee Sorensen: Hartt, Frederick. In: Dictionary of Art Historians. (englisch, arthistorians.info).
  6. ↑ Mary B. Hartt Dead. In: The New York Times. 30. Juni 1946, S. 38 (englisch, nytimes.com).
  7. ↑ Archivos do Museu Nacional do Rio de Janeiro. Band 12, 1903, S. 248–250 (Textarchiv – Internet Archive).
Personendaten
NAME Hartt, Charles Frederic
KURZBESCHREIBUNG kanadischer Naturforscher
GEBURTSDATUM 23. August 1840
GEBURTSORT Fredericton
STERBEDATUM 18. März 1878
STERBEORT Rio de Janeiro