Charles Weissmann

Charles Weissmann (1982)

Charles Weissmann (* 14. Oktober 1931 in Budapest; † 12. Dezember 2025 in Zürich) war ein Schweizer Molekularbiologe.

Weissmann wuchs in Zürich und Rio de Janeiro auf. Als Professor für Molekularbiologie war er in den 1970er-Jahren massgeblich an der Etablierung dieser damals neuen Fachrichtung beteiligt. Anfang der 1980er-Jahre gründete er die Biotechfirma Biogen mit und wurde mit der Klonierung von Interferon weltweit berühmt. Danach spielte er bei der Erforschung des Rinderwahnsinns eine wichtige Rolle. Er lebte in London, Florida und im Loorengut in Zürich-Witikon.

Leben und Werk

Charles Weissmann wurde als Sohn von Chiel Weissmann und Berta Weissmann in Budapest geboren. Ab 1931 lebte er in Zürich, wo er die Primarschule besuchte. Im Juni 1940 verließ die Familie aus Angst vor dem Dritten Reich die Schweiz und gelangte wegen der Unmöglichkeit, US-Visa zu bekommen, nach Rio de Janeiro. Schon dort wurde seine Begeisterung für die Forschung geweckt, besonders durch das Buch Mikrobenjäger von Paul de Kruif. 1946 – wieder in der Schweiz – besuchte er das Kantonale Gymnasium Zürich. Anschließend studierte er ab 1950 an der Universität Zürich, wo er 1957 zum Dr. med. und 1961 bei Paul Karrer in organischer Chemie zum Dr. phil. promoviert wurde. Im selben Jahr ging er als Postdoktorand zu Severo Ochoa an die Abteilung Biochemie der School of Medicine der New York University, wo er 1964 Assistenzprofessor und 1965 außerordentlicher Professor wurde. 1967 kehrte er nach Zürich zurück, um als außerordentlicher Professor das Universitätsinstitut für Molekularbiologie zu leiten. Von 1970 bis 1999 war er zusätzlich ordentlicher Professor für Molekularbiologie an der Universität Zürich. Nach seiner Emeritierung ging er ans St. Mary’s Hospital und ans University College London. Ab 2004 setzte er seine Forschung am neuen Scripps Research Institute in Florida fort.

Am Anfang seiner wissenschaftlichen Laufbahn beschäftigte sich Weissmann mit Bakteriophagen. So konnte er die Struktur und Vermehrung von RNA-haltigen Viren aufklären. Außerdem entwickelte er das Verfahren der reversen Genetik. 1978 gehörte er zu den Mitbegründern der Genfer Firma Biogen, für die er eine Möglichkeit ersann, Alpha-Interferon künstlich herzustellen. Dazu isolierte er das menschliche Interferon-Gen und brachte es in das Erbgut von Escherichia coli ein. So konnten große Mengen Interferon erzeugt werden, die zur Behandlung von Hepatitis B und bestimmten Krebsarten, wie der Haarzellleukämie und des Kaposi-Sarkoms, verwendet werden. Ab 1983 widmete sich Weissmann der Prionenforschung. Ihm gelang das Abschalten des Gens, das das gesunde Vorläuferprotein PrPC des krank machenden Proteins PrPSc codiert, sodass er resistente Mäuse züchten konnte.

Weissmann war verheiratet und Vater von vier Kindern. Seine Hobbys waren Fotografie und Trekking. Er starb am 12. Dezember 2025 im Alter von 94 Jahren in Zürich.

Schriften (Auswahl)

Außer den in den Fussnoten angegebenen Schriften:

Auszeichnungen

Mitgliedschaften

Literatur

Artikel
Commons: Charles Weissmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fachpublikationen, Publikationen

CV Forschungsinstitute, Unis

Einzelnachweise

  1. ↑ Weissmann, Die Bedeutung der Transaminasen für die interne Diagnostik, Dissertation, Schwabe, Zürich/Basel 1957.
  2. ↑ Weissmann, Strychanon, ein Abbauprodukt des Strychnins und dessen Beziehung zu den Calebassen-Alkaloiden, Dissertation, Zürich 1961.
  3. ↑ Charles Weissmann: Reversed genetics. In: Trends in Biochemical Sciences. Band 3, Heft 5, 1978, S. N109-N111.
  4. ↑ H. Büeler, A. Aguzzi, A. Sailer, R, Greiner, P. Autenried, M. Aguet, C. Weissmann: Mice devoid of PrP are resistant to scrapie. In: Cell. Band 73, Heft 7, 1993, S. 1339–47.
  5. ↑ Todesanzeige Charles Weissmann. In: Neue Zürcher Zeitung. 15. Dezember 2025, archiviert vom Original am 16. Dezember 2025; abgerufen am 16. Dezember 2025.
  6. ↑ Yves Kugelmann : Pionier für die Freiheit der Forschung. In: Tachles. 12. Dezember 2025, abgerufen am 12. Dezember 2025.
  7. ↑ Eintrag über Charles Weissmann in der Datenbank der Wilhelm-Exner-Medaillen-Stiftung.
  8. ↑ UZH: 50'000 Euro für Professor Adriano Aguzzi (Memento vom 27. September 2013 im Internet Archive)
  9. ↑ Mitgliedseintrag von Prof. MD PhD Charles Weissmann (mit Bild) bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 20. Juli 2016.
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