Charles du Ry
Leben
Charles du Ry entstammte einer Familie französischer hugenottischer Glaubensflüchtlinge, die nach dem Widerruf des Edikts von Nantes durch Ludwig XIV. nach Hessen übersiedelte und von Landgraf Karl aufgenommen wurde. Er war ein Enkel des Pariser Hofarchitekten Mathurin du Ry und Sohn des Kasseler Baumeisters Jean Paul du Ry.
1708 wurde Du Ry Schüler am Collegium Carolinum in Kassel und erhielt seine Ausbildung beim Vater. Ab 1714 arbeitete er als Baumeister in Kassel, vor allem im Zusammenhang mit der Anlage der Oberneustadt und 1756 wurde er zum Oberbaumeister ernannt.
Er war verheiratet und der Vater von Simon Louis du Ry, der später als Hofbaumeister einer der führenden Vertreter der Kasseler Architektur im Klassizismus wurde.
Familie
Mathurin du Ry († Paris), Hofarchitekt in Paris
- Jean Paul du Ry (1640 – 21. Juni 1714), Baumeister in Kassel
- Charles du Ry, Hofbaumeister in Kassel
- Simon Louis du Ry (13. Januar 1726 – 1799), Hofbaumeister in Kassel, Wegbereiter des Klassizismus
- Karl (Louis) du Ry (* nach 1726), Bauzeichner
- eine Tochter
Werk
Du Ry leitete zahlreiche Bauprojekte in Kassel und im Umland, die den Charakter der Oberneustadt entscheidend prägten. Zu seinen Arbeiten gehören:
- vor 1726: Katholische Pfarrkirche St. Michael, Schröck
- Kassler Münze (später Militärkasino) Ecke Karl- und Wilhelmstraße
- eigenes Wohnhaus Karlstraße 9, unweit der Münze
- Haus des Fabrikanten Theodor Landré in der Oberen Königstraße
- 1731–1732: Universitäts-Reithalle, Marburg
- 1732–1735: Jagdschloss Holzheim, Haunetal
- 1734–1738: Kassel, Lutherische Kirche auf dem Graben, Entwurf, Aufriss und Grundriss, Grundsteinlegung am 8. November 1734
- 1736: Haus der Frau von Dalwigk, später Krauss’sche Bierbrauerei
- 1738: Kassel, Oberneustadt, Situationsplan mit vorgesehener Anlage für das französische Hospital
- 1732–1733: Katholische Pfarrkirche St. Katharina, Stadtallendorf
- Glashaus der Orangerie in der Au
Gemeinsam mit seinem Sohn
Literatur
- Friedrich Wilhelm Strieder: Grundlage zu einer Hessischen Gelehrten- und Schriftstellergeschichte. Band VII, Göttingen 1787, S. 260–261.
- Hauptstück II – Charles du Ry. In: Otto Gerland: Paul, Charles und Simon Louis du Ry. Eine Künstlerfamilie der Barockzeit. Verlag von Paul Neff, Stuttgart 1895, doi:10.11588/diglit.65344, S. 23–37 (digi.ub.uni-heidelberg.de).
- Albert Hofmann: Künstler der Barockzeit. In: Deutsche Bauzeitung; die Bauzeitung vereinigt mit Baukunst und Werkform. 30. Jahrgang, 67–68 und 70. Stuttgart August 1896, S. 421–423, 426–429, 438–439, 442– hier S. 421–423 (Textarchiv – Internet Archive).
- Franz Voigt: Ry, Charles Louis du. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 29: Rosa–Scheffauer. E. A. Seemann, Leipzig 1935, S. 246 (biblos.pk.edu.pl).
- Hans-Kurt Boehlke: Simon Louis du Ry. Ein Wegbereiter klassizistischer Architektur in Deutschland. Kassel 1980, S. 8, 11.
- Gerd Fenner: DuRy, Charles. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. Band 31, K. G. Saur, München 2001, ISBN 3-598-22771-X, S. 231.