Chefe de Suco

Manuela da Silva, Chefe de Suco von Manutaci (2023)

Der Chefe de Suco (portugiesisch; tetum xefi suco; deutsch Suco-Chef) ist in Osttimor das gewählte Oberhaupt eines Sucos, der zweitkleinsten Verwaltungseinheit des Landes. Seit 2026 gibt es 472 Sucos. Eine Suco kann aus einem Dorf, aus mehreren Siedlungen oder auch einem Ortsteil bestehen. Die nächsthöhere Ebene ist das Verwaltungsamt. Dem Suco untergeordnet sind die Aldeias.

Ursprung

1912 wurden von der portugiesischen Kolonialmacht die Sucos als Verwaltungsebene eingeführt, um die traditionellen Herrscher zu umgehen. Zehn Jahre später bildeten die jeweiligen Bevölkerungszentren die ersten zivilen Verwaltungseinheiten. Unter dem Gouverneur stand nun der Administrador, dem die Chefes de Posto gegenüber verpflichtet waren, für die termingerechte Abgabe der Steuern. Ihnen waren die Chefes de Suco unterstellt, die Verwaltungsaufgaben in ihrem Bereich erfüllten und eine Mittlerrolle zwischen der Bevölkerung und den Kolonialherren innehatten. Die Chefes de Suco stammten aus den Reihen der niederen, timoresischen Adligen (Dato) und mussten Portugiesisch sprechen und schreiben können und dem christlichen Glauben angehören. Ihnen gegenüber verantwortlich waren die Dorfvorsteher, die Chefes de Povoações. Während der indonesischen Besatzungszeit (1975–1999) trugen die Chefes de Suco die Bezeichnung „Kepala desa“.

Die ersten Chefes de Suco nach dem Ende der indonesischen Besatzungszeit wurden ernannt. Viele wurden aufgrund ihrer Rolle in der Widerstandsbewegung oder ihren Verbindungen zur FRETILIN ausgewählt. Die erste Wahl von Chefes de Sucos im unabhängigen Osttimor fanden 2004 und 2005 nacheinander in den einzelnen Distrikten in fünf Runden statt. 2016 unterschrieb Präsident Taur Matan Ruak ein neues „Suco-Gesetz“ (Gesetz 9/2016 vom 8. Juli 2016), das die Organisation, Pflichten und Funktion der Sucos und die Aufgaben des Suco-Rates festlegt.

Wahl und Amtszeit

Filomeno Maria da S. Smith, Chefe de Suco von Lahane Ocidental im Gespräch mit Staatspräsident Taur Matan Ruak (2014)

Die wahlberechtigten Einwohner des Sucos (ab dem 16. Lebensjahr) bestimmen den Chefe de Suco im Rahmen der Kommunalwahlen, die alle sieben Jahre stattfinden. Ein Amtsinhaber darf nur einmal zu einer Wiederwahl antreten. Erhält keiner der Kandidaten bei einer Wahl die absolute Mehrheit der Stimmen, findet eine Stichwahl statt.

Die Amtszeit beginnt mit der Vereidigung durch den Regierungsvertreter im Verwaltungsamt des Sucos. Vorzeitig kann sie enden durch den Tod oder dauerhafte Amtsunfähigkeit, bei einer rechtskräftigen Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe wegen einer vorsätzlichen Straftat, durch die Abberufung durch den Suco-Rat, aufgrund einer verwaltungsrechtlichen Maßnahme und dem Rücktritt vom Amt. Außerdem verliert der Chefe de Suco sein Amt, wenn er sich mehr als drei aufeinanderfolgende Monate außerhalb des Sucos aufhält.

Für die Abberufung durch den Suco-Rat bedarf es der Zweidrittelmehrheit der amtierenden Mitglieder. Sie kann erfolgen, wenn der Chefe de Suco sich bei der Umsetzung des Gemeindeentwicklungsplans als unfähig zeigt oder diese verweigert.

Verliert der Chefe de Suco sein Amt, muss der älteste Chefe de Aldeia des Sucos den Rat innerhalb von fünf bis 15 Tagen nach dem Eintreten der Umstände, die zum vorzeitigen Ende der Amtszeit führten, einberufen. Der vom Rat neu gewählte Chefe de Suco hat dann das Amt bis zum Ende der regulären Amtszeit inne.

In Abwesenheit von bis zu 15 Tagen vertritt ein Beamter des Sucos den Chefe de Suco bei routinemäßigen Verwaltungsaufgaben. Ist der Chefe de Suco bis zu 30 Tage nicht im Suco, bestimmt er einen Chefe de Aldeia seiner Wahl zu seinem Stellvertreter. Ist der Chefe de Suco noch länger abwesend, wählt der Rat mit absoluter Mehrheit der aktiven Mitglieder einen Stellvertreter aus seinen Reihen.

Da Mitglieder des Suco-Rates sich nicht an der Diskussion oder Abstimmung über einen Vorschlag beteiligen dürfen, bei dem sie, ihre Verwandten oder Schwiegereltern in direkter Linie oder bis zum zweiten Grad der Seitenlinie einen direkten finanziellen Vorteil haben, übernimmt in diesen Fällen der älteste anwesende Chefe de Aldeia die Aufgaben des Chefe de Suco.

Aufgaben

Agustinho Gusmão, Chefe de Suco von Belecasac (2016)
Eurico da Costa de Jesus (links), Chefe de Suco von Comoro (2016)
Estanislau Borges, Chefe de Suco von Bubussuso (2022)
Sandra de Araújo, Chefe de Suco von Leorema (2023)

Der Chefe de Suco ist das exekutive Organ des Sucos und steht dem Suco-Rat vor.

Des Weiteren sind die Aufgaben eines Chefe de Sucos:

Die Einnahmen und Ausgaben muss der Chefe de Suco in einem Bericht einzeln aufführen und nach Beratung im Rat an die Gemeindeverwaltung weiterleiten.

Commons: Chefes de Suco – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Monika Schlicher: Portugal in Osttimor. Eine kritische Untersuchung zur portugiesischen Kolonialgeschichte in Osttimor 1850 bis 1912. S. 134–136, Abera, Hamburg 1996, ISBN 3-931567-08-7, (Abera Network Asia-Pacific 4), (Zugleich: Heidelberg, Univ., Diss., 1994).
  2. ↑ Government of Timor-Leste: Administrative Division (englisch).
  3. ↑ Schlicher S. 272–273.
  4. ↑ Laura Suzanne Meitzner Yoder: Custom, Codification, Collaboration: Integrating the Legacies of Land and Forest Authorities in Oecusse Enclave, East Timor, S. 89 (Memento vom 7. März 2007 im Internet Archive), Yale University 2005 (PDF; 1,46 MB).
  5. Douglas Kammen: Three Centuries of Conflict in East Timor. Rutgers University Press, 2019, ISBN 978-0-8135-7412-7 (degruyter.com [abgerufen am 8. November 2025]).
    1. ↑ S. 160.
  6. ↑ Secretariado Técnico de Administração Eleitoral STAE: Eleições do Conselho de Suco 2004/2005 (Memento vom 4. August 2010 im Internet Archive) (portugiesisch)
  7. ↑ Jornal da República: Lei 9/2016 Lei dos Sucos, (portugiesisch), abgerufen am 10. September 2016.
  8. 1 2 SAPO: Setembro e outubro com eleições de líderes locais e tradicionais em Timor-Leste, 2. September 2016 (Memento vom 6. September 2016 im Internet Archive), abgerufen am 2. September 2016.
  9. Jornal da República: LEI N.º 9/2016 de 8 de Julho LEI DOS SUCOS, abgerufen am 9. Oktober 2026.
    1. ↑ Art. 20.
    2. 1 2 3 Art. 21.
    3. 1 2 Art. 22.
    4. ↑ Art. 19.
    5. 1 2 3 Art. 23.