Cherves-Richemont

Cherves-Richemont
Cherves-Richemont (Frankreich)
Cherves-Richemont (Frankreich)
Staat Frankreich
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Charente
Arrondissement Cognac
Gemeinde Val-de-Cognac
Koordinaten 45° 45′ N, 0° 21′ WKoordinaten: 45° 45′ N, 0° 21′ W
Postleitzahl 16370
Ehemaliger INSEE-Code 16097
Eingemeindung 1. Januar 2024
Status Commune déléguée

Schloss Richemont

Cherves-Richemont war eine Gemeinde im Westen Frankreichs mit 2.294 Einwohnern (Stand 1. Januar 2023) und gehörte zum Département Charente in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie besteht aus den drei bis zum Jahr 1972 eigenständigen Ortschaften Cherves, Orlut und Richemont. Die Bewohner werden Chervois und Chervoises genannt.

Der Erlass vom 25. September 2023 legte mit Wirkung zum 1. Januar 2024 die Eingliederung von Cherves-Richemont als Commune déléguée zusammen mit der früheren Gemeinde Saint-Sulpice-de-Cognac zur neuen Commune nouvelle Val-de-Cognac fest.

Geografie

Cherves-Richemont liegt am westlichen Rand des Départements, etwa sechs Kilometer nordnordwestlich von Cognac in der historischen Provinz Angoumois.

Die ehemals eigenständigen Ortschaften liegen in einer Höhe von ca. 40 bis 60 Metern ü. d. M. in der Kulturlandschaft des westlichen Angoumois etwa 5–8 Kilometer (Fahrtstrecke) nordwestlich von Cognac. Das Gemeindegebiet wird vom Flüsschen Antenne durchflossen.

Umgeben wird Cherves-Richemont von den Nachbargemeinden und der Commune déléguée:

Saint-Sulpice-de-Cognac
(Commune déléguée)
Mesnac
Mons (Charente-Maritime)
Bréville
Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Sainte-Sévère
Réparsac
Nercillac
Louzac-Saint-André Javrezac
Cognac
Boutiers-Saint-Trojan

Geschichte

Silberner und teilweise emaillierter Tabernakel aus dem 'Kirchenschatz von Cherves'

Wie Funde aus Feuerstein beweisen, durchstreiften bereits in vorgeschichtlicher Zeit Neandertaler und andere Jäger- und Sammlerkulturen das Gebiet. Ein römischer Meilenstein weist darauf hin, dass die Via Agrippa, die von Bordeaux (Burtigala) über Saintes (Mediolanum) nach Clermont (Augustonemetum) führte, die Region durchquerte. Nach dem Untergang des Römischen Reiches zogen Westgoten, später dann die Wikinger/Normannen plündernd und mordend durch die Gegend.

Cherves wird erstmals in einer Urkunde des Jahres 852 als viguerie erwähnt. Das Gebiet gehörte zum Herzogtum Aquitanien, das nach der Scheidung der ersten Ehe der letzten Erbin Eleonore von Aquitanien mit Ludwig VII. durch die erneute Eheschließung mit Henry Plantagenet, dem Herzog der Normandie und Graf von Anjou und dessen Thronbesteigung (1154) an die englische Krone fiel. Unter seinem Sohn Richard Löwenherz hatte die Charente – nach mehreren Volksaufständen – erhebliche Verwüstungen zu erdulden, denen im Jahr 1179 auch die Burg von Richemont zum Opfer fiel. Die unruhigen und unsicheren Zeiten dauerten bis zum Jahre 1258 an, als die Charente unter Ludwig IX. vertraglich an die französische Krone fiel; im Hundertjährigen Krieg (1337–1453) wurden die Grenzen jedoch wieder in Frage gestellt. Der Schatz von Cherves besteht aus liturgischen Gegenständen einer wohlhabenden Pfarrei aus dem 13. Jahrhundert.

Franz I. nutzte Richemont als Verlängerung seines Jagdgebiets im Norden von Cognac; darüber hinaus ließ er große Sumpfflächen entwässern. Im Vorfeld der Hugenottenkriege (1562–1598) kam es zu Übergriffen der Protestanten – in dieser Zeit wurde wahrscheinlich auch der sogenannte Kirchenschatz von Cherves (trésor de Cherves) aus dem 13. Jahrhundert vergraben, der im Jahr 1896 wiederentdeckt wurde und heute größtenteils im Musée national du Moyen Âge in Paris aufbewahrt wird.

Nach der Französischen Revolution, die in vielen ländlichen Gebieten ohne größere Zerstörungen verlief, nahm die Nachfrage nach Wein und Weinprodukten (eau de vie) mehr und mehr zu. Der dadurch erreichte relative Wohlstand der Bevölkerung wurde jedoch durch die Reblauskrise in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wieder in Frage gestellt.

Bevölkerungsentwicklung

Cherves-Richemont: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2021
Jahr  Einwohner
1793
  
986
1800
  
985
1806
  
909
1821
  
1.258
1831
  
1.424
1841
  
1.523
1846
  
1.711
1851
  
1.920
1856
  
1.924
1861
  
2.028
1866
  
2.120
1872
  
2.030
1876
  
1.860
1881
  
1.809
1886
  
1.813
1891
  
1.975
1896
  
2.306
1901
  
2.355
1906
  
2.277
1911
  
1.980
1921
  
1.759
1926
  
1.711
1931
  
1.761
1936
  
1.565
1946
  
1.682
1954
  
1.854
1962
  
1.786
1968
  
1.821
1975
  
2.602
1982
  
2.665
1990
  
2.528
1999
  
2.447
2006
  
2.454
2015
  
2.437
2021
  
2.285
Quelle(n): EHESS/Cassini bis 1999, INSEE ab 2006
Anmerkung(en): Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz

Sehenswürdigkeiten

Im Gebiet von Cherves-Richemont existiert eine Vielzahl von denkmalgeschützten Bauwerken und anderen Sehenswürdigkeiten, von denen die meisten allerdings nur von bedingtem touristischen Interesse sind.

Cherves
Cherves, Kirche Saint-Vivien
Château Chesnel
Orlut

In Orlut existieren noch zwei Tore aus dem 18. Jahrhundert sowie ein Brunnen in Form einer Feldsteinhütte aus Trockenmauerwerk (cabane).

Richemont
Schloss Richemont

Wirtschaft

Im Mittelalter wurden in der Umgebung Getreide, Hanf und Safran angebaut; der Weinbau diente im Wesentlichen der Selbstversorgung der Bauern. Mit der zunehmenden Nachfrage nach Wein bzw. Cognac und der Einordnung der beiden Orte in das Gebiet der borderies spielt der Weinbau auf einer Anbaufläche von etwa 1000 Hektar heute die wirtschaftlich dominierende Rolle. Etwa 750 Hektar sind bewaldet; auf den übrigen Flächen werden Getreide (Weizen, Mais) und Viehfutter angebaut.

Die Gewinnung von Gips war und ist ein wichtiger Industriezweig in der Gemeinde. Die Gipsprodukte wurden 1904–1942 mit den fünf Dampflokomotiven der Tramway d’Usine à Plâtres de Champblanc nach Cognac transportiert.

Partnergemeinde

Die Gemeinde unterhält seit 1993 eine Partnerschaft mit der Gemeinde Moral de Calatrava (Spanien).

Literatur

Commons: Cherves-Richemont – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ RECUEIL DES ACTES ADMINISTRATIFS SPÉCIAL N°16-2023-085. (PDF) Département Charente, 25. September 2023, S. 17–18, abgerufen am 22. Dezember 2023 (französisch).
  2. ↑ Notice Communale Cherves-Richemont. EHESS, abgerufen am 29. Dezember 2023 (französisch).
  3. ↑ Populations légales 2006 Commune de Cherves-Richemont (16097). INSEE, abgerufen am 29. Dezember 2023 (französisch).
  4. ↑ Populations légales 2021 Commune de Cherves-Richemont (16097). INSEE, abgerufen am 29. Dezember 2023 (französisch).
  5. ↑ Liste der Immobilien und Liste der Mobilien in Cherves-Richemont
  6. ↑ Église Saint-Vivien, Cherves in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  7. ↑ Église Saint-Vivien, Cherves in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  8. ↑ Croix de Fer, Cherves in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  9. ↑ Château Chesnel, Cherves in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  10. ↑ Logis de Boussac, Cherves-Richemont in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  11. ↑ Château de Richemont, Richemont in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  12. ↑ Église de Richemont, Richemont in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  13. ↑ Logis de Saint-Remy, Cherves-Richemont in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  14. ↑ Cherves-Richemont – Weinbau