
Das Schlagwort „China Speed” bezeichnet umgangssprachlich das Phänomen, dass die Volksrepublik China in verschiedenen Aktivitäten und Bereichen eine „höhere Geschwindigkeit” gegenüber anderen Wettbewerbern hat, die sich unter anderem in ihrer Innovationskraft und dem technischen Fortschritt in Bezug auf die Produktentwicklung zeigt.
Die Ursprünge gehen auf die rapide Urbanisation und das Wachstum der Stadt Shenzhen zurück. Deng Xiaoping sprach damals von dem „Shenzhen speed“. Shenzhen, auch bekannt geworden als „Instant City“ (dt. etwa „Sofortstadt“), wird außerdem Jahrzehnte später als Chinas „Silicon Valley“ bezeichnet. Der politische Slogan „Zeit ist Geld, Effizienz ist Leben“ aus den 1980er Jahren wurde verbreitet.
Der Begriff kann außerdem auf die China Railway High-Speed zurückgeführt werden, wird aber im Allgemeinen in der Wirtschaft und von Unternehmensberatern, aber auch in den Politikwissenschaften genutzt.
Die Volksrepublik China hat ihren wirtschaftlichen Aufstieg seit den 1970er Jahren entlang einer Öffnung erlebt. US-Präsident Nixon führte im Kalten Krieg der 1970er Jahre die ersten Gespräche mit dem Land. China selbst durchläuft diese stürmische Entwicklung mit hohem Tempo in Bereichen wie der Urbanisierung oder dem Ausbau seiner Infrastruktur bereits seit Jahrzehnten.
Verschiedene Staatsdoktrinen und Reformen, wie beispielsweise die Vier Modernisierungen und die Reform- und Öffnungspolitik, sowie Wirtschaftspolicies und umfangreiche Fünfjahrespläne wurden verabschiedet. Ein Beispiel hierfür ist die „Go Out“-Strategie, die chinesische Unternehmen seit den frühen 2000er Jahren dazu einlädt, in anderen Teilen der Welt zu investieren und Unternehmen zu akquirieren. Ein Beispiel hierfür ist die Übernahme des deutschen Unternehmens Kuka durch chinesische Investoren.

Die „chinesische Geschwindigkeit“ ist außerdem zu einem Kennzeichen der aufstrebenden chinesischen Automobilindustrie geworden. Hier spielen immer kürzere Entwicklungszyklen, schnellere Entscheidungsfindung, die umfassende Wiederverwendung von Plattformen, gemeinsam genutzte Komponenten und ein breiteres Industrie-Ökosystem eine Rolle. All dies hat Einfluss auf den weltweiten Automobilmarkt, der seit den 2010er Jahren durch einen neuen Wettbewerb zwischen alten und neuen Autoherstellern sowie konventionellen und modernen Antriebskonzepten (Verbrennungsmotor, Hybrid und Elektrofahrzeug) geprägt ist. Hier spielen zahlreiche neue Schlüsseltechnologien eine Rolle, die unter anderem von China beherrscht werden. Das gilt auch für die Verfügbarkeit von Lithium als Rohstoff für den Bau von Lithium-Ionen-Batterien.
Zusätzlich betreibt China eine Politik der Doppelnutzung, auch bekannt als militärisch-zivile Fusion, um die Volksbefreiungsarmee (PLA) und weitere Einheiten zu modernisieren und mit anderen Armeen, speziell denen der USA, der NATO und Russlands, gleichzuziehen. In diesem Bereich ist das Tempo merklich, was sich in den neuesten Aufrüstungsentwicklungen zeigt, die jedoch auch von anderen Ländern seit der Zeitenwende (Russisch-Ukrainischer Krieg ab 2014 und dem Russischer Überfall auf die Ukraine seit 2022) betrieben werden.
Xi Jinping (KPCh) artikuliert seit den 2020er Jahren außerdem die technologische Eigenständigkeit und Stärkung aus eigener Kraft. Im Wettbewerb um die Vorherrschaft bei der modernen künstlichen Intelligenz (Große Sprachmodelle u. a.) kommt es zu weiteren Rivalitäten zwischen den USA und China.
Fachleute hinterfragen die hohe Geschwindigkeit kritisch. Die chinesische „Effizienz“ sei mit hohen politischen, sozialen und ökologischen Kosten verbunden.
In ihren Analysen kommt die OECD zu dem Ergebnis, dass chinesische Firmen zwischen 2005 und 2024 im Durchschnitt drei- bis achtmal mehr staatliche Hilfen in Form von Subventionen erhalten haben als Firmen in den übrigen OECD-Staaten.