
Chipa, auch chipá, weil auf der letzten Silbe betont, ist ein traditionelles Gebäck in Paraguay und Nord-Argentinien, das aus Maniokstärke, Käse, Milch, Eiern, Fett und Salz zubereitet wird. Das Wort stammt aus der Sprache der Indianer, Mestizen und teilweise auch der Weißen dieser Gegend, dem Guaraní, abgeleitet von Quechua ichipa = „zusammengedrückte Masse“. Zum Backen wird vorzugsweise ein spezieller Ofen verwendet, der Tatakuá, in dem die Temperatur sehr hoch und die Backzeit sehr kurz ist.
In Paraguay wird an jedem zweiten Freitag im August der „Nationaltag der Chipa“ (Día Nacional de la Chipa) gefeiert, der vom Nationalparlament 2014 eingeführt wurde. Die Chipa, die überall im Land erhältlich ist, wird als besonderes Exponent der Mestizen-Kultur des Landes betrachtet. Ursprünglich bereiteten die Ureinwohner die Chipa nur aus zerriebenem Maniok zu, den sie in Blätter einwickelten und unter die glühende Asche legten. Die spanischen Missionare brachten die Vieh- und Milchwirtschaft nach Südamerika und damit die weiteren Bestandteile des Produkts, Fett, Eier, Milch und Käse. Da die Chipa keine Hefe enthält, wurde sie von den Missionaren in die religiösen Riten zu Weihnachten, Ostern und zum Tag der Kreuzigung einbezogen. Die Chipa war eines der Werkzeuge, mit der man die nationale Identität Paraguays schmiedete.
Im Lauf der Zeit wurden immer mehr Varianten entwickelt, wie die chipa so'o aus Mais und mit Fleischfüllung, chipa guasú aus jungen Maiskolben, chipa chamaú aus Maniok und Kokosflocken oder chipa manduvi süß und mit Erdnüssen.
Eine weitere Variante ist die Chipa abizcochada, eine Chipa in Zwiebackform. Sie diente während des Tripel-Allianz-Kriegs (1864–1870) zur Versorgung der paraguayischen Soldaten. Sie wurde von den Frauen vor Ort hergestellt und an die Kampftruppen geschickt. Sie sind aufgrund der vielen Eier, des Fetts und der Stärke sehr nahrhaft, enthalten viele Kalorien und Proteine, sind lange haltbar und müssen vor dem Verzehr nicht gekocht oder erhitzt werden, also ideal für die Anforderungen in Kampfsituationen.
Zu Ostern gibt es neben der traditionellen chipa kavure, deren Teigmasse flach um einen Stock geformt und über der Glut gegrillt wird, auch die chipa apo aus Maniokstärke und Maismehl mit besonderen Formen, die z. B. Haustiere wie Hunde, Katzen, Schweine und Enten oder landestypische Tiere wie Alligatoren darstellen. In Argentinien werden damit auch politische Inhalte zum Ausdruck gebracht, wie Chipas in der Form der Falkland-Inseln. Gelegentlich wird das Gebäck in einer sportlichen Variante als Emblem von Fußballvereinen geformt.
Die Chipa ersetzt in der Heiligen Woche die Fleischgerichte und wird in dieser Zeit von den Familien in großen Mengen hergestellt. Allerdings warnen das paraguayische Gesundheitsministerium und die Medizinische Fakultät der Universidad Nacional de Asunción aus gesundheitlichen Gründen ausdrücklich vor dem übermäßigen Verzehr der Chipa und anderer fettreicher traditioneller Speisen während der Osterzeit.
Im April 2026 initiierte die Regierung Paraguays die Formalitäten für eine Aufnahme der Chipa in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO.