Christian Raue

Porträt des Christian Raue (1613–1677) aus A generall grammer (London 1650)

Christian Raue (latinisiert Ravius, besonders im Englischen auch Ravis; * 25. Januar 1613 in Berlin; † 21. Juni 1677 in Frankfurt (Oder)) war ein deutscher Orientalist und Theologe.

Leben und Wirken

Raue wurde am 25. Januar 1613 in Berlin als der Sohn des Diakonus an St. Nicolai, Johannes Raue, geboren und erhielt wie sein älterer Bruder Johann Raue seine Schulbildung auf dem Berlinischen Gymnasium zum Grauen Kloster. Er begab sich 1630 nach Wittenberg, wo er Theologie studierte, sich aber vornehmlich mit orientalischen Sprachen beschäftigte. Vorübergehend scheint er sich in den nächsten Jahren auch in Königsberg, Leipzig und Rostock aufgehalten zu haben. Im Jahre 1636 wurde er in Wittenberg Magister; anschließend hielt er sich zu weiteren Studien in Hamburg, Uppsala, Kopenhagen, Sorø, Leiden und Amsterdam auf. Mitte 1638 ging er nach England, von dort aus 1639 nach Smyrna und schließlich als Sekretär an die niederländische Gesandtschaft am türkischen Hof in Konstantinopel. Nach dreijährigem Aufenthalt im Orient kehrte er 1642 über England in die Niederlande zurück. 1643 wurde er Professor der orientalischen Sprachen an der Universität Utrecht, 1645 in Amsterdam. Wie der bis heute erhaltenen Widmung zu entnehmen ist, vermachte Raue während seiner Zeit in Utrecht ein von Jesuiten in den 1590er Jahren in Japan gedrucktes Beichthandbuch – heute das weltweit einzige bekannte Exemplar dieser Ausgabe, die Raue selbst für ein chinesisches Buch hielt – der dortigen Bibliothek. 1647 ging er wieder nach England, wo er 1648 Professor und Bibliothekar am Magdalen College in Oxford wurde. Schon im übernächsten Jahr wechselte er auf eine Professur an der Universität Uppsala, die er bis 1669 innehatte, unterbrochen durch Tätigkeiten als Bibliothekar und Dolmetscher am Hof von König Karl X. Gustav in Stockholm. Ab 1669 lehrte er in Kiel. 1672 kehrte er in die Heimat zurück und wurde Professor an der Universität in Frankfurt a. d. Oder und starb dort nach fünfjähriger Tätigkeit am 21. Juni 1677.

Gemeinsam mit dem Kieler Professor Matthias Wasmuth rief Raue 1670 mit der Schrift Literae circulares zur Gründung eines Collegium Orientalis auf, das durch eine bessere Sprachausbildung der Theologiestudenten die Judenmission fördern sollte. Darin wird die Hoffnung vernehmbar auf „leichtere und fördersame Fortpflanzung der wahren christlichen Religion unter den Ungläubigen, vornehmlich unter den Juden und zum Teil […] auch unter einigen Mahometisten [sc. Muslimen] […], zu heilsamer Förderung der Ehren Gottes und […] des Heils vieler tausend armen Seelen“.

Seine Grabinschrift in der Marienkirche in Frankfurt (Oder) soll wie folgt lauten:

Aeternitati!
Hem Viator!
CHRISTIANUS RAVIUS,
Chronologus & Philosophus,
Berolini An. MDCXIII. natus,
Peregrinat. per Europam, Asiam & Africam
Orbi notus,
Eruditione Ultraj. Amstel. Oxon. Ups. Kilon.
Et tandem hic Francof.
Publice professa celeberrimus,
XIV. Ling. notitia inclytus,
Liberis superstitibus IV.
Ex Conjuge Christina[,] Andreae
Consulis in Nortkopen
Et Legati Regni Svecici Filia,
Episcopi de Stengnes Sorore,
Post duos praedefunctos felix,
Scriptis & Fama immortalis,
Anno M DC LXXVII.
Tantillum loci hic invenit.
Für die Ewigkeit!
Oh, Reisender!
Christian Raue,
Chronologe und Philosoph,
geboren im Jahre 1613 zu Berlin,
bekannt in der Welt
durch seine Reisen durch Europa, Asien und Afrika,
gefeiert für seine zu Amsterdam, Oxford, Uppsala, Kiel
und schließlich hier in Frankfurt
öffentlich anerkannte Gelehrsamkeit,
berühmt für seine Kenntnis von 14 Sprachen,
unsterblich durch seine vier überlebenden Kinder,
von seiner Frau Christina, des Andreas,
Konsul in Nortkopen
und Gesandter des schwedischen Reiches, Tochter,
des Bischofs von Strängnäs Schwester [eigtl. Nichte],
nach zwei vorher Gestorbenen geboren,
durch seine Schriften und seinen Ruf,
fand hier im Jahre 1677
einen kleinen Platz.

Werke

Disputationen:

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Osterkamp 2022, Abschnitt "The provenance of the confessionary".
  2. ↑ Martin Friedrich: Zwischen Abwehr und Bekehrung. Die Stellung der deutschen evangelischen Theologie zum Judentum im 17. Jahrhundert. Mohr, Tübingen 1988, S. 96–99.
  3. ↑ Literae Circulares Wegen Errichtung eines Collegii Orientalis […], 1670 (w.o., Werke), zit. nach: Werner Raupp (Hrsg.): Mission in Quellentexten. Geschichte der Deutschen Evangelischen Mission von der Reformation bis zur Weltmissionskonferenz Edinburgh 1910, Erlangen/Bad Liebenzell 1990 (ISBN 3-87214-238-0/3-88002-424-3), S. 94. – Näheres zum Collegium Orientale siehe ebd., S. 93–96 (einschl. Einleit., Quellen, Lit.).
  4. ↑ Hier nach der ersten Wiedergabe in Johann Christoph Beckmann: Notitia universitatis Francofurtanae. Frankfurt (Oder) 1707, S. 270 (Digitalisat). Nahezu identisch auch in Martin Dieterich: Berlinsche Closter- und Schul-Historie. Berlin 1723, S. 324–325 (Digitalisat). Wiederholt in Martin Dieterich: Berlinische Closter- und Schul-Historie. Berlin 1750, S. 324–325 (Digitalisat). Nur verkürzt wiedergegeben in Heinrich Wilhelm Rotermund: Fortsetzung und Ergänzungen zur Christian Gottlieb Jöchers allgemeinem Gelehrten-Lexiko. Band 6, 1819, Sp. 1421–1422 (Digitalisat).
  5. ↑ Toomer 2019, S. 2.
Personendaten
NAME Raue, Christian
ALTERNATIVNAMEN Ravis, Christian; Ravius, Christian
KURZBESCHREIBUNG deutscher Orientalist und Theologe
GEBURTSDATUM 25. Januar 1613
GEBURTSORT Berlin
STERBEDATUM 21. Juni 1677
STERBEORT Frankfurt (Oder)