
Christine Anne Orengo FRS (* 22. Juni 1955) ist eine britische Biochemikerin und Hochschullehrerin. Sie ist Professorin für Bioinformatik und Computerbiologie am University College London. Sie forschte an der Entwicklung robuster Algorithmen, um Beziehungen zwischen Proteinstrukturen, Sequenzen und Funktionen zu erfassen, und hat eine der umfassendsten Proteinklassifikationen, CATH, aufgebaut.
Orengo studierte Chemische Physik an der Universität Bristol, wo sie einen Bachelor of Science (BSc Hons) erhielt. An der Universität Aberdeen erwarb sie einen Master of Science in Medizinischer Physik und promovierte 1984 in Biochemie am University College London (UCL). Nach einer kurzen Tätigkeit in der Industrie arbeitete sie bis 1990 als Postdoktorandin am National Institute for Medical Research. Danach wechselte sie an das Department für Biochemie und Molekularbiologie des UCL und erhielt 1995 ein Senior Fellowship des Medical Research Council (MRC) im Bereich Bioinformatik. 2002 wurde sie zur Professorin für Bioinformatik ernannt.
Orengo wurde 2014 Fellow der Royal Society of Biology, gewähltes Mitglied der europäischen Wissenschaftsorganisation EMBO und 2016 Fellow des ISCB. 2019 wurde sie zum Fellow der Royal Society ernannt. Von 2021 bis 2024 war sie die erste Präsidentin der International Society for Computational Biology (ISCB) und ist Mitglied des Biotechnology and Biological Sciences Research Council (BBSRC). Sie ist Mitbegründerin und Leiterin der ELIXIR European 3D-BioInfo Community in Structural Bioinformatics und Co-Vorsitzende der Genomics England Functional Effects Domain.
Am University College London besteht ihre Arbeitsgruppe seit 1997.
Orengo entwickelte maßgeblich die Datenbank CATH. Ihre Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit computergestützten Methoden zur Klassifizierung von Proteinen in evolutionären Familien. Hierfür werden Struktur- und Sequenzdaten genutzt, wobei insbesondere die Entwicklung von Algorithmen zur Erkennung sehr entfernter Verwandtschaftsverhältnisse beachtet wird. Untersucht wird, inwieweit Funktionen innerhalb von Familien konserviert sind, und es werden Methoden zur Vorhersage entwickelt, wann und wie sich die Funktionen verwandter Proteine in unterschiedlichen Kontexten verändern. Die Familienklassifizierung wird zur Erforschung der Evolution von Proteinfamilien und vergleichenden Genomik genutzt. Zudem wurden Methoden zur Vorhersage von Proteinassoziationen und funktionellen Netzwerken entwickelt. Die Forschungsgruppe gehört dem London Pain Consortium an, das chronische Schmerzen erforscht.
Mitte der 1990er-Jahre entwickelten Orengo und Kollegen, darunter Janet Thornton und David Jones, die CATH-Proteinstrukturklassifizierungsdatenbank, die weiterhin von der Orengo-Gruppe am University College London ausgebaut wird. Die CATH-Proteinstrukturklassifizierungsdatenbank ist eine kostenlose, öffentlich zugängliche Online-Ressource, die Informationen zu den evolutionären Verwandtschaftsverhältnissen von Proteindomänen bereitstellt. CATH-Struktur- und Funktionsdaten für Hunderte von Millionen von Proteinen haben Studien ermöglicht, die essentielle universelle Proteine und ihre biologische Rolle aufgedeckt haben, und eine erweiterte Charakterisierung biologischer Systeme, die an Krankheiten beteiligt sind, zum Beispiel in Zellteilung, Krebs und Alterung.
Orengo hat mit über 30 Forschungsgruppen weltweit und mehreren Konsortien zusammengearbeitet, darunter die EU-geförderten Konsortien InteGr8, Biosapiens, EMBRACE, ENFIN, IMPACT und Europain, die CATH-Tools und -Daten nutzen, die NIH-geförderten Konsortien MCSG und SGCID zur Erforschung der Strukturgenomik sowie die CRUK-geförderten Konsortien LPC und DDIP zur Erforschung biologischer Netzwerke.
Am 31. Oktober 2026 betrug ihr h-Index bei Google Scholar 101.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Orengo, Christine |
| ALTERNATIVNAMEN | Orengo, Christine Anne (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | britische Biochemikerin und Hochschullehrerin |
| GEBURTSDATUM | 22. Juni 1955 |