Christof Mauch

Christof Mauch (* 9. Februar 1960 in Sindelfingen) ist ein deutscher Historiker.

Leben

Christof Mauch studierte Literaturwissenschaft, Philosophie, Geschichte und Evangelische Theologie an der Eberhard Karls Universität Tübingen sowie Humanities und Religious Studies am King’s College und Leo Baeck College in London. Studienaufenthalte führten ihn zudem an die Universidad de Salamanca. Bis 1988 war er nebenberuflich als Organist der Evangelischen Landeskirche in Württemberg für die Kirchengemeinden Breitenstein und Neuweiler tätig.

1984 gründete Christof Mauch den Universitas Verlag Tübingen (Leitung bis 1996). 1990 wurde Mauch in Tübingen mit einer Arbeit über den Schweizer Schriftsteller Kurt Marti promoviert, 1998 habilitierte er sich an der Universität zu Köln im Fach Neuere Geschichte. Nach einer Tätigkeit als Professorial Lecturer an der American University in Washington, D.C. (1996) und als Direktor des OSS Oral History Project an der Georgetown University (1996–1998) leitete er von 1999 bis 2007 das Deutsche Historische Institut in Washington. Dort initiierte er mehrere drittmittelfinanzierte Programme (u. a. Thyssen-Heideking-Fellowship, Medieval History Seminar, Young Scholars Forum), etablierte den Helmut-Schmidt-Preis, die Bucerius Lecture Series sowie die Vortragsreihe zum 3. Oktober und rief das von der ZEIT- und der Max-Kade-Stiftung geförderte Online-Quellenprojekt German History in Documents and Images ins Leben. Zudem baute er ein umweltgeschichtliches Programm mit internationalen Konferenzen und einem Postdoc-Programm auf.

Seit 2007 ist Mauch Professor für Amerikanische Kultur-, Sozial- und Politikgeschichte sowie Transatlantische Beziehungen an der Ludwig-Maximilians-Universität München, seit 2009 zudem Direktor des Lasky Center for Transatlantic Studies.

Gemeinsam mit dem Forschungsdirektor des Deutschen Museums, Helmuth Trischler, warb Mauch 2008 rund zwölf Millionen Euro für das Internationale Kolleg „Natur als kulturelle Herausforderung“ ein, aus dem 2009 das Rachel Carson Center for Environment and Society an der LMU München hervorging, dessen Leitung er übernahm. Dort wirkte er am Aufbau der Masterstudiengänge „Environmental Studies“ und „Environment and Society“, eines strukturierten Promotionsprogramms und des Dissertationsfachs „Environmental Humanities“ mit, beteiligte sich an internationalen Doktorandenschulen und leitete als Principal Investigator Forschungsprojekte zu Naturkatastrophen, Human-Wildlife Conflict, Environmental Humanities, Ecological Justice, Militär und Umwelt sowie Planetary Health (gefördert u. a. von der EU, der DFG und der VolkswagenStiftung).

Von 2009 bis 2011 war Christof Mauch Chair des Board of Directors des International Consortium of Environmental History Organizations (ICEHO), von 2009 bis 2011 Vizepräsident und von 2011 bis 2013 President der European Society of Environmental History. Gastprofessuren führten ihn unter anderem nach Australien, Indien, Kanada und Österreich sowie an die Venice International University und als Carl Schurz Memorial Professor an die University of Wisconsin-Madison. Seit 2013 ist er Ehrenprofessor an der Renmin-Universität in China, seit 2023 Permanent Visiting Fellow am Center for Environmental Humanities (NICHE) der Università Ca'Foscari in Venedig.

Anlässlich seines wissenschaftlichen Wirkens erschien 2026 der von Rob Gioielli, Katie Ritson und Pavla Šimková herausgegebene Sammelband The Lexicon of Mauch Studies. Das Werk umfasst mehr als 100 lexikonartig angelegte Beiträge internationaler Kolleginnen und Kollegen, ehemaliger Schülerinnen und Schüler sowie Weggefährten und verbindet wissenschaftliche Würdigung mit einem bewusst humorvollen Zugang.

Auszeichnungen

Für seine wissenschaftlichen Arbeiten erhielt Christof Mauch mehrere Auszeichnungen, u. a. den Offermann-Hergarten-Preis (für „Schattenkrieg gegen Hitler“), den Henry-Russell-Hitchcock Award der Victorian Society of America (für „Adolf Cluss. Architect“) und, als Mitglied des Cluss-Konsortiums, den Leadership of History Award der American Society of State and Local History. Von 2008 bis 2015 war Christof Mauch Mitglied im Stiftungsrat des National History Center der USA, 2013 wurde er zum Honorary Fellow des Center for Ecological History und zum Ehrenprofessor der Renmin University of China ernannt. 2015 erhielt Mauch den Planetary Award des Instituts für Zukunftskompetenzen, 2017 wurde er in Chicago mit dem Award for a Distinguished Career in Public Environmental History der American Society for Environmental History ausgezeichnet.

Schriften

Christof Mauch hat diverse wissenschaftliche Bücher verfasst und herausgegeben, außerdem ein zweibändiges Speziallexikon der Horologie (Horologisches Lexikon, zusammen mit Eckart Mauch), einen Band mit Limericks (TechtelMechtel: Was weiter geschah, das weiß keiner, zusammen mit der Künstlerin Karoline Löffler) und Unsere Geldköpfe. Porträts der neuen Banknoten (mit Uwe Karbowiak).

Monographien:

Herausgeberschaften:

Einzelnachweise

  1. ↑ Norbert Mauch: Weil im Schönbuch, Breitenstein, Neuweiler. Kirchen – Geschichte – Kunst, Tuningen: G.A. Ulmer Verlag 1987.
  2. ↑ Streit über Direktorenposten beendet. Christof Mauch wird Deutsches Historisches Institut in Washington leiten. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 19. Dezember 2001, S. 4.
  3. ↑ Katja Gelinsky: Damit die Nationalfixierung der Forschung überwunden wird. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. August 2008, Nr. 192, S. 37.
  4. ↑ Bundesministerium für Bildung und Forschung: Zweite Runde für Internationale Kollegs (Memento vom 25. März 2014 im Internet Archive), Pressemitteilung vom 24. Oktober 2008.
  5. ↑ Martina Scherf: „Schwarzmalen bringt uns nicht weiter.“ Christof Mauch leitet das Rachel Carson Center für Umwelt und Gesellschaft. Es dokumentiert, welche Wunden Menschen der Erde schlagen. Aber der Historiker schreibt auch Hoffnungsgeschichten. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 14, 18. Januar 2025.
  6. ↑ The White Horse Press. Abgerufen am 14. Juli 2026 (amerikanisches Englisch).