
Christoph Bossert (* 1957 in Schwäbisch Hall) ist ein deutscher Organist und ehemaliger Hochschulprofessor für Orgel.
Christoph Bossert begann nach dem Besuch der evangelisch-theologischen Seminare in Maulbronn und Blaubeuren 1978 sein Studium an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart, wo Werner Jacob (Orgel), Kenneth Gilbert (Cembalo), Ulrich Süße und Helmut Lachenmann (Komposition) seine Lehrer waren. Weitere Studien folgten bei Luigi Ferdinando Tagliavini in Fribourg/Schweiz (Orgel, Cembalo, Musikwissenschaft).
1987 nahm er seine Lehrtätigkeit an der Musikhochschule Stuttgart auf. Von 1987 bis 1992 lehrte er an der Hochschule für Kirchenmusik in Esslingen, der heutigen Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik in Tübingen. 1991 wurde er Professor für Orgel und Leiter der Studienkommission Evangelische Kirchenmusik an der Musikhochschule Trossingen und 2007 zum Professor für künstlerisches und liturgisches Orgelspiel und Leiter der Abteilung Kirchenmusik und Orgel an die Hochschule für Musik Würzburg berufen.
Bossert widmet sich einer intensiven Konzerttätigkeit. Dazu gehörten eine Konzertreise in die USA (1983) und der Orgelzyklus zu Max Reger in Stuttgart und beim Schleswig-Holstein Musikfestival (1987). Als Solist bei bedeutenden Konzertreihen, so in Nürnberg, Kassel, Stuttgart und Haarlem/Niederlande, engagiert er sich besonders für die Aufführung und Interpretation Zeitgenössischer Musik. Unter den zahlreichen Einspielungen sind besonders das Projekt einer Gesamteinspielung der Orgelwerke Max Regers an authentischen Instrumenten (begonnen bei Intercord/EMI und Organum Classics, fortgeführt online auf YouTube) sowie die weltweit erste Einspielung von Bachs Wohltemperiertem Clavier an Orgeln des 18. Jahrhunderts hervorzuheben.
Er erwarb sich Anerkennung als Autor zahlreicher musikwissenschaftlicher Studien und Vorträge sowie als Komponist im Auftrag von Rundfunkanstalten und renommierten Festivals. Er ist Mitbegründer des John-Cage-Orgel-Projekts Halberstadt, das eine 639-jährige Realisation des Werks ORGAN²/ASLSP verfolgt und war Initiator internationaler Veranstaltungen zu Neuer Orgelmusik. Von 2010 bis 2018 verantwortete er die Neukonzeption des Internationalen Orgelwettbewerbes der Internationalen Orgelwoche Nürnberg (ION).
Christoph Bossert war Hauptinitiator des von der Europäischen Gemeinschaft ab 2005 geförderten EU-Projekts „OrganExpert“ zur Entwicklung und Erprobung eines neuen Master-Studienganges (mittlerweile eingestellt), in dem disziplinenübergreifend eine künstlerische, wissenschaftliche und handwerkliche Ausbildung zum Orgelsachverständigen gelehrt wurde. Er setzt sich intensiv mit den historisch gewachsenen Klangstilen der europäischen Orgellandschaften, insbesondere im ehemals deutschsprachigen Kulturraum auseinander und wirkt als Berater bedeutender Orgelprojekte. 2000 initiierte und leitete er den Kongress Orgel als Europäisches Kulturgut in Varaždin unter Beteiligung von 12 Ländern.
Bossert konzipierte die neue Klais-Orgel im Konzertsaal der Hochschule für Musik Würzburg und leitete dort 2021–2025 das Projekt Digitalisierung, Vernetzung und Vermittlung in der Lehre der Internationalen Orgelkunst – DVVLIO.
Im März 2025 wurde er an der HfM Würzburg emeritiert.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bossert, Christoph |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Organist und Musikpädagoge |
| GEBURTSDATUM | 1957 |
| GEBURTSORT | Schwäbisch Hall |