
Christophe Bay (* 6. September 1962 in Vincennes) ist ein französischer Politiker (RN). Er ist seit 2024 Mitglied des Europäischen Parlaments.
Bay wurde 1962 in Vincennes als Sohn eines Ingenieurs geboren und wuchs dort auf. Er studierte am Institut d’études politiques de Paris, wobei er in der rechtsextremen Studentenvereinigung Union des étudiants de droite aktiv war. 1990 schloss er ein Studium an der École nationale d’administration ab.
Ab 1994 arbeitete Bay im Ministerium für die Überseegebiete, wo er Direktor des Kabinetts für politische Angelegenheiten war. Im Jahr 2000 wurde er Teil des Innenministeriums, wo er Berater für Jean-Pierre Chevènement und später für Daniel Vaillant war. 2002 wurde er zum stellvertretenden Direktor der Polizeipräfektur von Paris. In den 2000er-Jahren übte er weitere Posten in der Verwaltung aus, 2011 wurde er zum Präfekten der Aube. Von 2014 bis 2016 war er Präfekt des Département Dordogne, musste dieses Amt jedoch nach Ermittlungen der Inspection générale de l'administration aufgeben. Später war er Teil des Kabinetts der Generaldirektion der Gendarmerie.
Im Jahr 2017, im Rahmen einer Untersuchung gegen einen hochrangigen Beamten, dem sexuelle Nötigung vorgeworfen wurde, wurden der Generalinspektion der Verwaltung Gerüchte über sexuelle Belästigung durch Christophe Bay zugetragen, woraufhin sie sich mit seinem Fall befasste. Ein Unterpräfekt erhob gegen ihn den Vorwurf, seine zukünftige Frau im Juli 2011 „belästigt, sexuell missbraucht und vergewaltigt“ zu haben. Der Fall wurde 2018 an die Staatsanwaltschaft Paris weitergeleitet, die ihn jedoch einstellt, da die Tatbestände der sexuellen Belästigung verjährt sind und der Tatbestand der Vergewaltigung nach Ansicht der Staatsanwaltschaft nicht hinreichend belegt sei.
Bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich 2017 wurde Bay zu einem der informellen Beratern des Front National und unterstützte dort Marine Le Pen gegen Emmanuel Macron. Bei der Wahl 2022 übernahm er ebendiese Rolle erneut, wobei sich Macron erneut gegen Le Pen durchsetzte. Bei den Europawahlen 2024 kandidierte er auf dem 33. Listenplatz des Rassemblement National, wurde jedoch nicht gewählt. Er wurde daraufhin als Kandidat bei de Parlamentswahle in Frankreich 2024 für den Wahlkreis Eure-et-Loir III aufgestellt, verlor allerdings im zweiten Wahlgang gegen Harold Huwart. Da jedoch Gaëtan Dussausaye bei derselben Wahl in die Nationalversammlung gewählt wurde, übernahm Bay dessen Sitz im Europäischen Parlament. Dort ist er Mitglied im Ausschuss für internationalen Handel sowie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Sicherheit und Verteidigung und im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie. Er ist zudem Delegierter im Gemischten Parlamentarischen Ausschuss EU-Türkei sowie stellvertretender Delegierter für die Beziehungen zu Südafrika und zu den Ländern Südasiens.
Bay gilt als Teil der sogenannten „Horaces“, welche vor allem hochrangige Beamte, die den rechtspopulistischen Rassemblement National unterstützen, umfassen.
Bay wurde während seiner Aktivitäten in der Verwaltung vorgeworfen, „Personen ohne Aufenthaltsgenehmigung so schnell wie möglich auszuweisen, um Rechtsmittel zu vermeiden“. Mit dem Ausnahmezustand in Frankreich im November 2015 ordnete er eine Reihe von behördlichen Durchsuchungen an, was für Kontroversen sorgte und dazu führte, dass er von Premierminister Manuel Valls desavouiert wurde.
Im Jahr 2021 veröffentlichte die Zeitung Libération einen Bericht, welcher Bays Verwicklung in die sogenannte IGS-Affäre offenbarte. Es handelte sich hierbei um einen Komplott der Polizeibehörde gegen Polizeibeamte, die als zu links eingestuft wurden und denen anhand gefälschter Dokumente vorgeworfen wurde, am Handel mit Aufenthaltsgenehmigungen beteiligt zu sein. Bay erklärte, er sei instrumentalisiert worden.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bay, Christophe |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Politiker |
| GEBURTSDATUM | 6. September 1962 |
| GEBURTSORT | Vincennes |