
Charles Thomas Coleman (* 1963 in St. Johns, Michigan; † 20. Oktober 2024 bei Las Cruces, New Mexico) war ein US-amerikanischer Luftfahrzeugführer, Luftfahrt- und Raumfahrtingenieur sowie Kunstflug- und Testpilot.
Coleman wurde 1963 in St. Johns im US-Bundesstaat Michigan geboren, wo er auch aufwuchs; wenige Quellen geben als Geburtsjahr 1962 an. Er war der Sohn von Thomas A. Coleman und JoAnn Benedict Smith aus Ludington und hatte eine Schwester namens Susan. Einen großen Teil seiner Jugend verbrachte er auf der Familienfarm in der Victory Township, die sich seit 1883 im Besitz seiner Familie befindet und wo er bis zu seinem Tod einen Hangar besaß und mindestens drei Monate im Sommer verbrachte. Nach der Schulzeit studierte er Luft- und Raumfahrttechnik sowie Maschinenbau an der University of Michigan, die er 1985 mit einem Bachelor of Science abschloss.
Im Jahr 2024 kam Coleman bei einem Flugzeugabsturz während der Las Cruces Air & Space Expo auf dem Las Cruces International Airport im Alter von 61 Jahren ums Leben. Der Unfall ereignete sich gegen 14:30 Uhr, als Coleman Kunstflugmanöver durchführte und sein Kunstflugzeug vom Typ EA‑300 von Extra Flugzeugbau etwa eine halbe Meile bzw. 800 Meter westlich des Flughafens abstürzte. Er galt als einer der vielseitigsten Piloten seiner Generation, der sowohl im militärnahen Versuchsbetrieb als auch im zivilen Kunstflug, der Flugausbildung und in der Filmindustrie tätig war. Er wurde von seiner Mutter und seiner Schwester überlebt, war selbst aber nie verheiratet.
Coleman begann seine Karriere bei der McDonnell Aircraft Corporation in St. Louis, wo er sechs Jahre lang als Entwicklungsingenieur an militärischen Strahlflugzeug-Programmen beteiligt war und in der New Aircraft Products Division arbeitete, die auch als ‚Phantom Works‘ bekannt wurde. Als leitender Entwicklungsingenieur arbeitete er unter anderem am High Alpha Research Vehicle (HARV), einer modifizierten McDonnell Douglas F/A-18, die von der NASA zur Erforschung kontrollierter Flüge bei hohen Anstellwinkeln mittels Schubvektorsteuerung eingesetzt wurde. Eine weitere Schlüsselrolle übernahm Coleman als leitender Ingenieur beim Umbau der McDonnell Douglas F/A-18 von kampfbereiten Flugzeugen zu Hochleistungsmaschinen für die Kunstflug- und Flugdemonstrationsstaffel „Blue Angels“ der United States Navy.
Bei der Bede Jet Corporation am Spirit of St. Louis Airport in Chesterfield, Missouri, war Coleman später als Projektingenieur tätig und flog als Testpilot sowohl die BD‑10, ein experimentelles Bausatz-Düsenflugzeug, als auch die BD‑12, ein zweisitziges Versuchsflugzeug mit einer Antriebsbauweise in Pusher-Konfiguration, einer Schub- bzw. Druckanordnung.
Von 2002 bis 2010 gehörte Coleman am Mojave Air and Space Port in Mojave, Kalifornien, zum Team von Scaled Composites; später gehörte er auch dem Verwaltungsrat des Mojave Air and Space Port an. Als Leistungsingenieur, Testpilot und Verfolgungspilot war er Teil eines fünfköpfigen Teams, das den GlobalFlyer von Virgin Atlantic konstruierte, baute und erprobte. Dabei handelte es sich um das erste düsengetriebene Flugzeug, das die Erde nonstop und ohne Auftanken umrundete.
Als Testpilot war Coleman auch am Höhenjet Proteus beteiligt und prüfte das Tier-One-Navigationssystem für SpaceShipOne. Zusätzlich führte er das Astronautentraining für die Besatzung von SpaceShipOne durch und flog als Verfolgungspilot bei deren Missionen.
Coleman war auch Testpilot für die ICON A5, ein US-amerikanisches amphibisches Light Sport Aircraft, vergleichbar einem Leichtflugzeug mit vereinfachten Zulassungsvoraussetzungen. Als „Associate Fellow“ der Society of Experimental Test Pilots (SETP) war Coleman in der internationalen Testpilotengemeinschaft fest verankert. Mit mehr als 10.800 Flugstunden trat Coleman auf Hunderten von Flugshows auf und absolvierte über 3.000 Kunstflugmanöver. Er flog Kunstflugzeuge für Patty Wagstaff, Gene Soucy, Ian Groom, Tim Weber und Sean D. Tucker sowie für Firmen und Medienunternehmen wie den Discovery Channel, Toyota Airsports und Paramount Pictures.
Einem breiten Publikum wurde Coleman durch den Film Top Gun: Maverick mit Tom Cruise, Val Kilmer und Jennifer Connelly bekannt. Er trainierte in der Vorproduktionsphase im Jahr 2018 die Hauptdarsteller des Films und führte 140 G‑Toleranz‑Trainingsflüge in Anti-g-Anzügen in einer Extra EA‑300 mit den Schauspielern Glen Powell, Miles Teller, Monica Barbaro, Jay Ellis, Lewis Pullman und Danny Ramirez durch – im Rahmen eines zusammen mit Cruise entwickelten Trainingsprogramms. Die Kunstflüge dienten dazu, die Darsteller auf Flüge in Boing F/A‑18F Super Hornets während der tatsächlichen Dreharbeiten vorzubereiten. Für den Kurzfilm First in Flight entwarf, baute und testete er ein flugfähiges Vorführmodell (englisch mockup) des Wright Flyers „Kitty Hawk“ der Brüder Wright und war auch selbst in einer Nebenrolle im Film als zu sehen. Das Mitglied der Screen Actors Guild (SAG) war zudem beratend für den Film Black Sky: The Race for Space tätig und steuerte Flugszenen bei; der Film gewann 2004 den renommierten Peabody Award.
Coleman wurde zweimal mit der Collier Trophy für seine Mitwirkung an der Entwicklung der McDonnell Douglas C-17 Globemaster III (1994) und von Scaled Composites’ SpaceShipOne (2004) ausgezeichnet. Außerdem gehörte er zum Scaled‑Composites‑Team, das den Ansari X-Prize gewann: ein Wettbewerb, bei dem ein Preisgeld für die erste private Organisation ausgelobt wurde, die ein wiederverwendbares bemanntes Raumfahrzeug innerhalb von zwei Wochen zweimal in den Weltraum bringen konnte.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Coleman, Chuck |
| ALTERNATIVNAMEN | Coleman, Charles Thomas (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Luftfahrzeugführer, Luftfahrtingenieur, Raumfahrtingenieur sowie Kunstflug- und Testpilot |
| GEBURTSDATUM | 1963 |
| GEBURTSORT | Michigan, Vereinigte Staaten |
| STERBEDATUM | 20. Oktober 2024 |
| STERBEORT | Las Cruces, New Mexico, Vereinigte Staaten |