Chuck Wepner

Chuck Wepner
Chuck Wepner (2012)
Daten
Geburtsname Charles Wepner
Geburtstag 26. Februar 1939
Geburtsort New York City
Nationalität US-amerikanisch
Gewichtsklasse Schwergewicht
Größe 1,96 m
Kampfstatistik als Profiboxer
Kämpfe 51
Siege 35
K.-o.-Siege 17
Niederlagen 14
Unentschieden 2

Charles „Chuck“ Wepner (* 26. Februar 1939 in New York City) ist ein ehemaliger US-amerikanischer Schwergewichtsboxer. Bekannt wurde er durch seinen Weltmeisterschaftskampf gegen Muhammad Ali am 24. März 1975, in dem er Ali in der neunten Runde zu Boden brachte und erst 19 Sekunden vor dem Ende der 15. Runde gestoppt wurde. Der Kampf gilt als Anregung für Sylvester Stallones Film Rocky (1976).

Leben

Herkunft und Amateurzeit

Wepner wurde in New York City geboren. Nach der Trennung seiner Eltern zog er mit seiner Mutter und seinem jüngeren Bruder zu seiner Großmutter nach Bayonne in New Jersey. Sein Vater war ebenfalls Berufsboxer gewesen. Mit 17 Jahren trat Wepner in das United States Marine Corps ein und boxte dort in der Stützpunktmannschaft. Nach seiner Entlassung arbeitete er als Türsteher. 1964 gewann er die Golden Gloves von New York in der Novizenklasse des Schwergewichts.

Profikarriere

Sein erster Profikampf fand am 5. August 1964 in Bayonne statt; er gewann gegen George Cooper durch K. o. in der dritten Runde. 1966 verlor er gegen Buster Mathis durch technischen K. o. in der sechsten Runde. 1967 gewann er mit einem Sieg über Don McAteer den Schwergewichtstitel des Bundesstaates New Jersey. Neben dem Boxen arbeitete Wepner hauptberuflich als Spirituosenvertreter.

Am 18. August 1969 boxte er im Madison Square Garden gegen George Foreman, der erst seinen vierten Profikampf bestritt. Der Kampf wurde in der dritten Runde wegen einer Schnittverletzung über Wepners Auge abgebrochen. Am 29. Juni 1970 trat er in Jersey City gegen den früheren Weltmeister Sonny Liston an; es war Listons letzter Kampf. Der Ringarzt beendete den Kampf nach der neunten Runde. Wepner erlitt unter anderem einen Nasenbeinbruch und einen Jochbeinbruch; die Gesichtsverletzungen mussten mit 72 Stichen genäht werden. Ein Lokaljournalist bezeichnete ihn im Bericht über diesen Kampf als Bayonne Bleeder, was zu seinem Spitznamen wurde. Auch der folgende Kampf gegen Joe Bugner endete nach drei Runden vorzeitig.

Anfang der 1970er Jahre gewann Wepner drei Kämpfe gegen Randy Neumann und ab 1972 acht Kämpfe in Folge. Darunter war am 23. Juni 1973 ein Punktsieg über 12 Runden gegen den früheren WBA-Weltmeister Ernie Terrell in Atlantic City. Nach den damaligen Regeln in New Jersey entschied der Ringrichter allein; das Urteil war umstritten, das Magazin The Ring sah Terrell nach seiner inoffiziellen Wertung mit 9:3 Runden vorn. Der Boxkommissar des Bundesstaates ließ das Ergebnis bestehen, erkannte Wepner aber den damit verbundenen nationalen Titel nicht zu und ordnete einen Rückkampf an, zu dem es nicht kam.

Weltmeisterschaftskampf gegen Ali

Promoter Don King verpflichtete Wepner als Herausforderer für Alis erste Titelverteidigung nach dessen Sieg über Foreman. Wepner, damals 36 Jahre alt, erhielt eine Börse von 100.000 US-Dollar. Nach eigener Aussage konnte er sich zum ersten Mal in seiner Laufbahn ganz auf das Training konzentrieren.

Der Kampf fand am 24. März 1975 im Richfield Coliseum bei Cleveland statt. In der neunten Runde ging Ali nach einem Körpertreffer zu Boden; Ringrichter Tony Perez wertete dies als Niederschlag. Ali erklärte, Wepner habe ihm auf den Fuß getreten. Wepner hielt dagegen, der Niederschlag sei regulär gewesen. In den folgenden Runden kontrollierte Ali den Kampf; Wepner erlitt Platzwunden über beiden Augen und einen Nasenbeinbruch. In der 15. Runde ging er zu Boden, und Perez brach den Kampf nach 2:41 Minuten ab, 19 Sekunden vor dem Schlussgong.

Letzte Kämpfe

Am 25. Juni 1976 trat Wepner im Shea Stadium in einem Schaukampf gegen den Wrestler André the Giant an. Die Veranstaltung wurde zusammen mit Alis Kampf gegen Antonio Inoki vermarktet. André warf Wepner in der dritten Runde über die Seile aus dem Ring. Seinen letzten Kampf bestritt Wepner im September 1978; er verlor gegen Scott Frank nach Punkten und damit auch den Titel von New Jersey. Seine Profibilanz lautet 35 Siege, 14 Niederlagen und 2 Unentschieden.

Rocky

Stallone sah den Ali-Wepner-Kampf in einer Übertragung im Kino. Nach eigenen Angaben arbeitete er zu dieser Zeit bereits an einem Drehbuch über einen Boxer und wurde durch den Kampf darin bestärkt. Anfangs bestritt Stallone, dass Wepner das Vorbild für Rocky Balboa gewesen sei, später räumte er es ein. Für Rocky II sprach Wepner für die Rolle eines Sparringspartners vor, erhielt sie aber nicht; er führte das später selbst auf seinen damaligen Drogenkonsum zurück.

2003 verklagte Wepner Stallone, weil dieser seinen Namen ohne Gegenleistung zur Vermarktung der Filme genutzt habe. Stallone hielt dem entgegen, Wepner habe selbst von öffentlichen Auftritten als „der echte Rocky“ profitiert. 2006 einigten sich beide Seiten außergerichtlich, die Bedingungen wurden nicht bekannt.

Verurteilung

Im November 1985 wurde Wepner in Sayreville festgenommen, nachdem in seinem Auto Kokain gefunden worden war. Im Dezember 1987 bekannte er sich im Rahmen einer Absprache mit der Staatsanwaltschaft der Verschwörung und des Besitzes von Kokain schuldig. 1988 wurde er zu zehn Jahren Haft verurteilt. Nach Angaben der New Jersey Hall of Fame verbüßte er 17 Monate im Gefängnis, andere Quellen nennen bis zu drei Jahre. Danach arbeitete er wieder im Spirituosenvertrieb.

Ehrungen und Rezeption

2011 strahlte ESPN den Dokumentarfilm The Real Rocky von Jeff Feuerzeig aus. Feuerzeig schrieb auch am Drehbuch des Spielfilms Chuck – Der wahre Rocky unter der Regie von Philippe Falardeau mit Liev Schreiber in der Titelrolle, der am 2. September 2016 bei den Filmfestspielen von Venedig uraufgeführt wurde. Im selben Jahr wurde Wepner in die New Jersey Hall of Fame aufgenommen. Am 12. November 2022 wurde im Dennis P. Collins Park in Bayonne eine Bronzestatue Wepners enthüllt.

Wepner lebt mit seiner dritten Ehefrau Linda in Bayonne.

Commons: Chuck Wepner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 Boxer Chuck Wepner Decked Muhammad Ali. In: AARP Bulletin. März 2011, abgerufen am 28. Oktober 2026 (englisch).
  2. 1 2 3 'Bayonne Bleeder' settles Rocky suit vs. Stallone. In: ESPN. Associated Press, August 2006, abgerufen am 28. Oktober 2026 (englisch).
  3. 1 2 3 4 5 6 Anson Wainwright: Best I Faced: Chuck Wepner. In: The Ring. 29. Juni 2021, abgerufen am 28. Oktober 2026 (englisch).
  4. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Chuck Wepner. In: New Jersey Hall of Fame. Abgerufen am 28. Oktober 2026 (englisch).
  5. 1 2 3 Chuck Wepner. In: njsports.com. Abgerufen am 28. Oktober 2026 (englisch).
  6. ↑ Jack Hirsch: Veteran writer recalls first boxing show. In: Boxing News. 9. Oktober 2024, abgerufen am 28. Oktober 2026 (englisch).
  7. 1 2 Eric Raskin: 'Real Rocky' Wepner finally getting due. In: ESPN. Abgerufen am 28. Oktober 2026 (englisch).
  8. ↑ Chuck Wepner vs. Ernie Terrell. In: BoxRec. Abgerufen am 28. Oktober 2026 (englisch).
  9. ↑ James Slater: Unstoppable Chuck Wepner fought some of the best heavyweights. In: Boxing News. 29. Juli 2025, abgerufen am 28. Oktober 2026 (englisch).
  10. 1 2 Muhammad Ali vs Chuck Wepner. In: boxingonly.net. Abgerufen am 28. Oktober 2026 (englisch).
  11. ↑ Sean Wheelock: Shoot or Work?: Andre The Giant vs. Chuck Wepner. In: Figure Four Online. 2018, abgerufen am 28. Oktober 2026 (englisch).
  12. ↑ Giant Matman Tosses Wepner Out of Ring (Memento vom 16. März 2013 im Internet Archive)
  13. 1 2 Bayonne Bleeder pleads guilty. In: United Press International. 17. Dezember 1987, abgerufen am 28. Oktober 2026 (englisch).
  14. 1 2 Tim Ott: Chuck Wepner: Meet the Heavyweight Boxer Who Inspired 'Rocky'. In: Biography.com. 9. Juni 2020, abgerufen am 28. Oktober 2026 (englisch).
  15. ↑ Hard knock(out) life. In: New York Post. 30. April 2017 (englisch).
  16. ↑ The Real-Life Rocky. In: Sports Illustrated. 30. Juni 2003, abgerufen am 28. Oktober 2026 (englisch).
  17. ↑ Paul Gutierrez: Chuck Wepner, Heavyweight Boxer, March 24, 1975. In: Sports Illustrated. 11. Mai 1998, abgerufen am 28. Oktober 2026 (englisch).
  18. ↑ Rory O'Connor: [Venice Review] Chuck. In: The Film Stage. 2. September 2016, abgerufen am 28. Oktober 2026 (englisch).
  19. ↑ Large Crowd Attends Wepner Statue Ceremony in Bayonne. City of Bayonne, 14. November 2022, abgerufen am 28. Oktober 2026 (englisch).