Cityrama

Cityrama (auch Cityrama 1) war ein Dé-coll/age-Happening des deutschen Künstlers Wolf Vostell, das am 15. September 1961 in Köln stattfand. Es war das erste Happening in Deutschland.

Cityrama
Wolf Vostell, 1961

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Hintergrund

Cityrama bezeichnete Vostell anfangs als eine „Permanente Realistische Demonstration“. Erst rückwirkend ordnete er diese frühe Aktion in der 1965 gemeinsam mit Jürgen Becker herausgegebenen Publikation Happenings, Fluxus, Pop Art, Nouveau Réalisme dem Begriff Happening zu, den Allan Kaprow 1959 in New York eingeführt hatte.

Für Cityrama fotografierte Vostell 26 Orte in Köln, an denen die Zerstörungen des Krieges noch sichtbar waren, und verschickte diese Aufnahmen mit der Einladung über die organisierende Galerie Schwarz. Der Einladungstext lud die Mitwirkenden ein, die ausgewählten Ruinen und die Wände mit abgerissenen Plakaten in den Kölner Straßen aufzusuchen. Einzelne Stationen waren mit konkreten Handlungsanweisungen verbunden. Die Anweisungen reichten von der Aufforderung, sich an Plakatabrissen zu beteiligen, an einer Straßenecke zu warten, bis sich der nächste Verkehrsunfall ereigne, über das Nachdenken darüber, wie viele Menschen in einer Bombennacht an einem bestimmten Ort umgekommen seien, bis zu bewusst tabuverletzenden Handlungen wie dem Urinieren auf einem Trümmergrundstück.

Cityrama wollte die Mitwirkenden emotional involvieren und kognitiv aktivieren, um ihre rein betrachtende Haltung aufzubrechen. Die Konfrontation mit den kriegszerstörten Stadträumen und die Handlungsaufforderungen sollten die verdrängte Kriegsvergangenheit ins Bewusstsein rufen und die bürgerliche „Kultur des Vergessens“ angreifen. Wesentlich war dabei, dass die Wirkung nicht von der tatsächlichen Ausführung der Anweisungen abhing. Schon die Vorstellung, eine geforderte Handlung auszuführen oder sie zu verweigern, löste die beabsichtigte Reflexion aus. Vostell verstand das Mitwirken als Handeln auf der Basis von „Ja-Nein-Entscheidungen“. Cityrama nannte sich 1956 ein Pariser Stadtrundfahrtveranstalter, den Vostell kannte. Ein geplantes Happening Cityrama 2 wurde nicht realisiert.

Literatur

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ↑ Das Theater ist auf der Straße. Die Happenings von Wolf Vostell. Museum Morsbroich, Leverkusen. Kerber Verlag, 2010, ISBN 978-3-86678-431-4.
  2. ↑ Forschungen zu Wolf Vostell und der Aktionskunst der 1950/60er Jahre, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
  3. ↑ Jürgen Becker, Wolf Vostell (Hrsg.): Happenings, Fluxus, Pop Art, Nouveau Réalisme. Eine Dokumentation. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1965.
  4. ↑ Jörn Merkert (Hrsg.): Vostell. Retrospektive 1958–1974. Berlin 1975.
  5. ↑ Lea Schöning: Ästhetik der Partizipation als eine kognitive Aktivierung. Das Kölner Happening Cityrama 1 (1961) von Wolf Vostell. In: Sehen Sie – überall. Studien zu den frühen Aktionen von Wolf Vostell. Klaus Gereon Beuckers und Nick Böhnke, 2025, ISBN 978-3-910591-55-4.
  6. ↑ Stefanie Stadel: Einmal passiert, für immer vorbei, auf kulturwest.de
  7. ↑ Cityrama 3 – Eine Hommage an Wolf Vostell, auf uni-koeln.de
  8. ↑ Lisa Bosbach: Wolf Vostells Guided-Tour-Happenings, auf edoc.hu-berlin.de
  9. ↑ Unser Ebertplatz: Cityrama 3 – Eine Hommage an Wolf Vostell. 11. Juni 2026, auf unser-ebertplatz.koeln