
Claude Henri Jean Chabrol [] (* 24. Juni 1930 in Paris; † 12. September 2010 ebenda) war ein französischer Filmregisseur, Drehbuchautor, Filmproduzent und Schauspieler. Er war einer der wichtigen Regisseure der Nouvelle Vague und bekannt für seine sozialkritischen Filme über die französische Bourgeoisie. Von Alfred Hitchcock beeinflusst, stellte er in vielen seiner Filme das Abgründige und Doppelbödige auf eine ironische und distanzierte Weise dar.
Claude Chabrol stammte aus einer alteingesessenen Apothekerfamilie. Gebürtig in Paris, wuchs er bei den Großeltern im zentralfranzösischen Dorf Sardent (Département Creuse, Region Limousin) auf. Im Alter von 13 Jahren gründete er einen Filmklub in einer Dorfscheune. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrte er nach Paris zurück, besuchte ein Gymnasium und studierte Literaturwissenschaften an der Sorbonne. Nach dem Staatsexamen war er kurze Zeit für das Jura- und Pharmaziestudium eingeschrieben. Nebenher besuchte er regelmäßig die Cinémathèque française und den Cineasten-Zirkel im Pariser „Café de la Comédie“, der von André Bazin ins Leben gerufen worden war. Gemeinsam mit Éric Rohmer verfasste er 1956 eine Monografie über sein filmisches Vorbild Alfred Hitchcock, die weltweit erste Hitchcock-Monografie. Ende der 1950er Jahre wurde er Filmkritiker bei den Cahiers du cinéma. Er brach schließlich sein Studium ab und arbeitete in der Presseabteilung der Filmproduktionsfirma 20th Century Fox in Paris.
Obwohl ihn seine Eltern am Besuch der Pariser Filmhochschule (IDHEC) gehindert hatten und er auch nie als Regieassistent Erfahrungen sammeln konnte, legte er 1958 auf dem Filmfestival von Locarno seine erste Regiearbeit, Die Enttäuschten, vor. Drehort war das Dorf seiner Kindheit und Jugend. Mit einer Erbschaft und den Einnahmen aus seinem zweiten Film, Schrei, wenn du kannst (1958), konnte er seine eigene Produktionsfirma AJYM gründen. Deren Name ist ein aus den Initialen der Vornamen seiner ersten Frau und beider Söhne gebildetes Akronym. Sie produzierte auch die Erstlingswerke von Éric Rohmer, Philippe de Broca und Jacques Rivette.
Seine erste Frau, Agnès Goute, „stammte aus reichem Hause, und wir haben im Grunde nichts anderes gemacht, als dekadente Partys zu veranstalten. Als sie dann auch noch ihre Oma beerbte, wussten wir gar nicht mehr, wohin mit dem Geld“, berichtete Chabrol später in einem Interview. Er habe 1957 beschlossen, einen Film zu drehen, „um wenigstens einen Teil der Kohle auszugeben“, und den unerwarteten Erfolg des Films bedauert, denn damit sei er gleichsam „gezwungen“ gewesen, mit dem Filmen fortzufahren. Der Ehe mit Agnès Goute, die von 1952 bis 1964 dauerte, entstammen zwei Söhne, Jean-Yves (* 1954, Architekt) und der Musiker Matthieu Chabrol (* 1956), der die Musik zu einigen Filmen seines Vaters komponierte. In zweiter Ehe (1964–1980) war Chabrol mit der Schauspielerin Stéphane Audran verheiratet; der gemeinsame Sohn, der Schauspieler Thomas Chabrol, trat auch in einigen Filmen seines Vaters auf, etwa in Betty (1992). 1983 heiratete Claude Chabrol Aurore Pajot, die zuvor als Scriptgirl bzw. Script Supervisor arbeitete und oft Chabrols Dreharbeiten begleitete.
Chabrol war bekennender Kommunist und als Gourmet und arbeitssüchtig bekannt. 1989 wurde er zum „Pfeifenraucher des Jahres“ gewählt. Sich selbst bezeichnete er als einen Feministen und machte dies unter anderem an der Wertschätzung seiner Ehefrauen deutlich: „Mit jeder Ehe gab es auch eine Überraschung. Meine erste Frau hatte viel Geld, was ich vorher nicht wusste. Die zweite erwies sich plötzlich als begnadete Schauspielerin. Und die dritte hat sich als wunderbarste Gattin herausgestellt, die auch noch wunderbar kocht, und das ist das größte Glück meines Lebens.“ Um sein Filmteam, das er als seine erweiterte Familie betrachtete, bei guter Laune zu halten, wählte er stets Drehorte, in deren Nähe gute Restaurants erreichbar waren.
Eine intensive Arbeitsbeziehung unterhielt er mit dem Komponisten Pierre Jansen, der zu 30 seiner Filme die Musik komponierte, und zu Charakterdarstellerinnen wie Stéphane Audran und später auch Isabelle Huppert, die in 22 bzw. sieben seiner besten Filme auftraten. „Chabrol kennt mich besser als jeder andere“, sagte Huppert. „Wir brauchen keine kilometerlangen Gespräche. Wir verstehen einander auch ohne Worte.“

Chabrol verfilmte unter anderem Werke der Schriftsteller Henry James, Cornell Woolrich, Gustave Flaubert, Henry Miller, Patricia Highsmith, Ellery Queen und Georges Simenon sowie die populären Fantomas-Kriminalromane. Das französische Bürgertum war sein Lieblingsthema: Mit filmischen Mitteln sezierte er das Verhältnis der Bourgeoisie zu Geld und Macht, schildert deren Intrigen, Dekadenz und Lüsternheit.
Bei Kollegen war Chabrol beliebt für seinen „geistreichen“ und „ansteckenden Witz“, mit dem er schon in der Cinémathèque française ideologisch-ästhetische Debatten „entkrampfte“, wie Volker Schlöndorff beobachtete. Für Hanns Zischler war er „ein ausgesprochen herzlicher Mensch und sehr unterhaltsam. Er konnte eine außerordentlich gute Stimmung verbreiten.“ Zudem kenne er niemanden, der so viele Filme gesehen hat und von so vielen Filmen begeistert sprechen konnte wie Chabrol.
2000 war Chabrol Jury-Mitglied bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig. Ein großer Verehrer von Chabrols Filmkunst war der deutsche Filmemacher Rainer Werner Fassbinder, der Chabrols Filme 1975 in einem Essay analysierte, aber auch kritisierte. Gelegentlich trat Chabrol als Schauspieler in Filmen von Kollegen in Erscheinung.
Claude Chabrol wurde auf dem Friedhof Père-Lachaise in Paris beigesetzt.
Presse-Artikel
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Chabrol, Claude |
| ALTERNATIVNAMEN | Chabrol, Claude Henri Jean (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Filmregisseur, Drehbuchautor, Filmproduzent und Schauspieler |
| GEBURTSDATUM | 24. Juni 1930 |
| GEBURTSORT | Paris, Frankreich |
| STERBEDATUM | 12. September 2010 |
| STERBEORT | Paris, Frankreich |