
Clemens Pig (* 6. Juli 1974 in Innsbruck) ist ein österreichischer Medienmanager. Im Juni 2026 wurde er vom Stiftungsrat zum Generaldirektor des Österreichischen Rundfunks (ORF) ab Jänner 2027 bestellt.
Von 2014 bis Juni 2026 war Pig geschäftsführender Vorstand der APA-Austria Presse Agentur eG. Davor leitete er als Mitbegründer die MediaWatch – Institut für Medienanalysen GmbH.
Clemens Pig besuchte das Franziskanergymnasium Hall in Tirol, an dem er 1992 maturierte. Danach absolvierte er das Diplomstudium der Politikwissenschaft an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, das er im Jahr 2000 mit der Diplomarbeit zum Thema Mediale Positionierungen von Spitzenpolitikern abschloss. 2012 promovierte Pig mit seiner Doktorarbeit Politische Kommunikation im Digitalisierungs- und Transformationsprozess der Medien in Österreich und im internationalen Vergleich.
Während des Studiums der Politikwissenschaft engagierte sich Pig im Forschungsprojekt „mediawatch“, das den EU-Wahlkampf 1996 in Nachrichtensendungen des ORF analysierte. Dabei wurden die Sendezeiten für Parteichefs und Spitzenkandidaten sekundengenau gemessen und festgestellt, ob diese thematisch oder visuell präsent sind bzw. ob sie sich zu Wahlkampfthemen äußern. Die Ergebnisse dieser in Österreich neuartigen Methode der Vermessung politischer Kommunikation wurden von Medien und Parteien bezogen, die auch Interesse an weiteren Analysen bekundeten. Gemeinsam mit dem Politikwissenschaftler Günther Pallaver und zwei Studienkollegen gründete Pig als geschäftsführender Gesellschafter noch im selben Jahr das Unternehmen MediaWatch – Institut für Medienanalysen GmbH. Seit Juli 1997 erstellt MediaWatch für die Tageszeitung Der Standard wöchentlich Analysen zur Präsenz von Politikern und zu dominierenden Themen in den ORF-Hauptnachrichtensendungen. In weiterer Folge wurden die Analysen auch auf Printmedien und Radiosendungen ausgeweitet. Dadurch konnte erstmals am österreichischen Markt ein umfassendes Kommunikations-Controlling, basierend auf wissenschaftlichen Methoden, angeboten werden, das die Wirkung von PR-Maßnahmen erfassbar macht. In den folgenden Jahren entwickelte sich MediaWatch zum österreichweiten Marktführer im Bereich der quantitativen und qualitativen Medienanalysen.
2001 wurde MediaWatch zu 75 Prozent durch die APA – Austria Presse Agentur erworben. 2008 wechselte Pig von Innsbruck in die Geschäftsleitung der APA nach Wien und war zunächst als Bereichsleiter Marketing und Verkauf sowie als Geschäftsführer des Tochterunternehmens APA-DeFacto Datenbank & Contentmanagement GmbH tätig. 2014 wurde Pig zum Geschäftsführer der APA-Gruppe bestellt. Zudem wurde er Mitglied des Verwaltungsrates der Keystone AG in Zürich und ist als Gastvortragender an den Universitäten Wien und Innsbruck tätig.
2016 wurde Pig zum Vorsitzenden der Geschäftsführung und geschäftsführenden Vorstand der APA-Unternehmensgruppe sowie zum Präsidenten des Verwaltungsrates der Keystone AG bestellt. Nach wie vor ist Pig Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des MediaWatch-Instituts. In den folgenden Monaten initiierte Pig einen Change-Prozess für die gesamte APA, um diese verstärkt in Richtung News-Tech-Agentur zu entwickeln. Dazu wurde auf Initiative Pigs unter anderem das APA-medialab, eine Unit für digitale Innovation, spezialisiert auf Trendmonitoring und Prototyping neuer Medien- und Kommunikationslösungen, ins Leben gerufen, die am 1. Jänner 2017 ihren Betrieb aufnahm. Zudem wurde im Zuge des anhaltenden Digitalisierungsschubs das APA-Pressezentrum als multimediale Event-Location für digitale, hybride und analoge Veranstaltungen und Pressekonferenzen geschaffen. Pig war maßgeblich an der Entwicklung von medienübergreifenden Lösungen wie dem Austria-Kiosk, einem digitalen Zeitungsstand, und der Austria Videoplattform, einer Austauschplattform für redaktionellen Video-Content, beteiligt, die beide von der APA betrieben werden. Auch die gemeinsame Login-Lösung zu registrierungspflichtigen Inhalten österreichischer Medien – MediaKey – trieb Pig maßgeblich voran, im Projekt fungiert die APA als technischer Provider und neutrale Plattform der Medien.
2017 initiierte Pig auch die Beteiligung der APA am internationalen Start-up-Cluster „next media accelerator“. Um die solide wirtschaftliche Basis weiter zu verbreitern, erfolgte mit den Neugründungen der Technologie-Tochterunternehmen „Swiss Digital Media Services AG“ und „Gentics Software AG“ 2022 ein weiterer Internationalisierungsschritt der APA-Gruppe in die Schweiz. 2017 bis 2019 war Pig Vorstandsmitglied der EANA – European Alliance of News Agencies, 2018 Mitglied im Board of Directors von MINDS International, dem globalen Netzwerk von Nachrichtenagenturen. Seit Jänner 2019 ist er Präsident der Gruppe 39, der weltweit ältesten Vereinigung unabhängiger Nachrichtenagenturen. Unter Pigs Präsidentschaft wurden die dpa Deutsche Presse-Agentur und die britische Nachrichtenagentur PA Media als neue Mitglieder in die Gruppe 39 aufgenommen. Mit der Fusion der Schweizerischen Depeschenagentur (sda) mit der Bildagentur Keystone wurde die APA 2018 infolge eines Beteiligungstausches zum größten Aktionär und zum strategischen Technologie-Partner der neuen Gesellschaft KEYSTONE-SDA-ATS AG und ist seither mit 30 Prozent beteiligt. Im Zuge dessen wurde Clemens Pig in den Verwaltungsrat der KEYSTONE-SDA-ATS AG berufen und übernahm die Funktion des Vizepräsidenten. Von Oktober 2021 bis September 2023 war Pig Präsident der Europäischen Nachrichtenagentur-Allianz EANA.
Seit Mai 2026 ist Pig erneut Präsident des Österreichischen Genossenschaftsverbandes (ÖGV).
Er bewarb sich 2026 für die Position des Generaldirektors des Österreichischen Rundfunks und wurde am 12. Juni 2026 von dessen Stiftungsrat nach einem Hearing mit 21 von 35 Stimmen aus neun eingeladenen Kandidatinnen und Kandidaten zum neuen Generaldirektor gewählt. Seine fünfjährige Funktionsperiode beginnt am 1. Jänner 2027. Die Geschäftsführung der APA legte er im Zuge seiner Kandidatur, wie gesetzlich vorgesehen, zurück.
In seiner wissenschaftlichen Arbeit beschäftigt sich Pig einerseits mit der Analyse redaktioneller Wahlkampfberichterstattung und beleuchtet dabei unterschiedliche Aspekte wie Personalisierung, konfrontative Negativität, Entpolitisierung und De-Thematisierung, Journalistenzentrierung und journalistische Interpretativität sowie Dramatisierung und Dynamisierung. Andererseits widmet er sich der Forschung um die Einflussfaktoren des Medienwandels auf Theorie und Praxis der politischen Kommunikation und redaktionellen Politikvermittlung. Dabei untersucht er, inwiefern die politische Mobilisierungskraft von traditionellen Massenmedien vor dem Hintergrund des anhaltenden Bedeutungsgewinns von Online-Medien und sozialen Netzwerken einem Veränderungsprozess unterworfen ist, wie sich die Verlagerung von Reichweiten sowie der damit einhergehende Wettbewerb um digitale Werbeerlöse auswirken und ob dadurch die Funktion der traditionellen Massenmedien, Öffentlichkeit für den politischen Diskurs herzustellen, beeinflusst wird. In diesem Zusammenhang untersucht Pig auch die Wirkung von Diversifikation und digitaler Disruption in der Medienlandschaft auf das etablierte Konzept der journalistischen Selektionsprozesse von politischen Ereignissen beziehungsweise Nachrichten und beleuchtet, wie sich die Wirkungskonzepte von Agenda-Setting und Framing verändern. Aufbauend auf seinen empirischen Analysen erarbeitet er Handlungsmöglichkeiten für Journalismus und die Praxis politischer Public Relations.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Pig, Clemens |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Medienmanager |
| GEBURTSDATUM | 6. Juli 1974 |
| GEBURTSORT | Innsbruck |