Zugrunde liegt dabei die Vorstellung, dass die Welt aus kleinsten Teilchen (Atomen) besteht, die sich in einem unaufhörlichen Fall durch den leeren Raum befinden. Bei diesem Fall blieben sie getrennt, gäbe es nicht kleinste Bewegungsabweichungen, durch die es zu Zusammenballungen und zu den Erscheinungen der Sinnenwelt kommt.
Den Begriff clinamen gebraucht Lukrez wenig später, nachdem er die Möglichkeit des Menschen, in den gesetzmäßigen Ablauf der Dinge einzugreifen, als Beleg angeführt hat, dass dieser Ablauf nicht vollständig determiniert sein kann:
Daß der Sinn aber selber nicht habe
inneren Zwang in allen Dingen, welche er anfängt,
und wie ein Besiegter gedrängt ist zu tragen und zu leiden,
das bewirkt der Ursprungskörper winzige Beugung (exiguum clinamen),
weder am festen Ort noch auch zum sicheren Zeitpunkt.
(V. 289–293)
Literatur
Lukrez: De rerum natura. Welt aus Atomen, übersetzt und mit einem Nachwort herausgegeben von Karl Büchner, Stuttgart: Reclam 1986
Epikur: „Brief an Herodot“, in: Epikur: „Von der Überwindung der Furcht“, eingeleitet und übertragen von Olof Gigon, Artemis Verlag, Zürich 1968
Ernst A. Schmidt: „Clinamen – Eine Studie zum dynamischen Atomismus der Antike.“ Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2008