Club 82

Club 82, auch als 82 Club bekannt, war ein Nachtclub in Manhattan, New York City, in dem Dragqueens und Damenimitatoren als Unterhaltungskünstler auftraten. Später diente der Club auch als Veranstaltungsort für Musik, bis er 1973 geschlossen wurde.

Geschichte

Vorgängereinrichtungen

Der 181 Club war ein Vorläufer des Club 82 und nach seiner Adresse in der 181 Second Avenue benannt. Der Club bestand von 1945 bis 1953. Zu seinem Personal gehörten Männerimitatoren, die als Kellner arbeiteten, während Frauenimitatoren als Unterhaltungskünstler auftraten. Dem 181 Club wurde die Schanklizenz entzogen, nachdem er als „Treffpunkt für Perverse beiderlei Geschlechts“ bezeichnet worden war.

Gründung

Der Club 82 stand in Verbindung mit der Genovese-Familie und dem Verbrechersyndikat von Frank Costello. Während sich der Mobster Vito Genovese im Ausland versteckt hielt, übernahm seine Ehefrau Anna Genovese die Rolle der Gastgeberin des Club 82. Der Werbeslogan des Clubs lautete „Who's No Lady“. In den dort veranstalteten Dragrevuen traten sowohl Männer- als auch Frauenimitatoren auf.

Kitt Russell, von Walter Winchell als „Amerikas führender Frauenimitator“ bezeichnet, moderierte zahlreiche Veranstaltungen. In den Revuen traten unter anderem die Frauenimitatoren Sonne Teal, Kim Christy und Mel Michaels auf.

Die Revuen waren aufwendig und umfangreich gestaltet und zeichneten sich durch aufwendige Bühnenbilder und Kostüme aus. Zu den Titeln der Shows gehörten Sincapades of 1954, A Vacation in Color, Fun-Fair for ’57 und Time Out for Fun.

Ermittlungen

1953 geriet der Club 82 ins Visier polizeilicher Ermittlungen. Ihm drohte der Entzug der Schanklizenz. Die Ermittlungen sollen von Vito Genovese aus Rache angeordnet worden sein, um seiner Ehefrau Anna zu schaden. Bei ihrer Aussage gegen ihre eigenen Clubs erklärte Anna Genovese, dass der Club 82 von einer kriminellen Organisation betrieben werde. Ihre Aussage diente offenbar dazu, die Verantwortung nicht allein ihr selbst zuzuschreiben, sondern auch den Vertrauten ihres Ehemannes Vito, die während dessen Exil in Italien die Geschäfte des Clubs überwacht und angeblich ihre Tätigkeit kontrolliert hatten.

Die New York State Liquor Authority hatte dem Club 82 bereits zuvor wegen „ordnungswidrigen Verhaltens“ die Schanklizenz entzogen. Der Begriff diente damals als Sammelbezeichnung für Verstöße, zu denen beispielsweise die Bewirtung homosexueller oder für homosexuell gehaltener Personen mit alkoholischen Getränken gehörte.

Kultur

Obwohl die Unterhaltungskünstler überwiegend homosexuell waren, richtete sich das Angebot des Club 82 hauptsächlich an ein heterosexuelles Publikum.

Berichten zufolge waren die Künstler einer erheblichen Arbeitsbelastung ausgesetzt. Zugleich gehörten wohlhabende und prominente Persönlichkeiten zu den regelmäßigen Gästen des Clubs. In einer Beschreibung des Clubbetriebs heißt es:

„Das Management stellte unmenschliche Anforderungen an das Ensemble, das jeden Abend drei Produktionen auf Broadway-Niveau aufführte und dabei glamouröse Abendkleider des Designers John Wong trug. Der Orchesterleiter Johnny Wilson und der am Carnegie ausgebildete Showregisseur Kit Russel duldeten nicht, dass jemand auch nur einen einzigen Einsatz verpasste. Liberace, Burt Lancaster, Judy Garland, Frank Sinatra, Elizabeth Taylor, Tennessee Williams und andere Prominente benahmen sich schlecht. Es war ein Ort, an dem ein betrunkener Errol Flynn um zwei Uhr morgens auf der Bühne Klavier spielen konnte – mit seinem männlichen Geschlechtsteil.“

Künstler

Eine der bekanntesten Künstlerinnen des Club 82 war Angie Stardust. In den 1960er Jahren begann sie jedoch eine Hormontherapie zur körperlichen Geschlechtsangleichung. Daraufhin wurde sie von den Betreibern des Clubs entlassen.

Koordinaten: 40° 43′ 34,3″ N, 73° 59′ 23,6″ W

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Michail Takach, B. J. Daniels: A History of Milwaukee Drag: Seven Generations of Glamor. The History Press, Charleston 2022, ISBN 978-1-4671-4917-4, S. 66.
  2. ↑ Dorothy Kilgallen: Voice of Broadway In: Shamokin News-Dispatch, 12. November 1958, S. 6. Abgerufen am 3. November 2026 
  3. 1 2 Wayne Anderson: Hidden History: Tobi Marsh & Club 82 In: HuffPost, 14. Juni 2012. Abgerufen am 3. November 2026 
  4. ↑ Club 82 – Gay Scene In: Queer Music Heritage. Abgerufen am 3. November 2026 
  5. ↑ Kim Christy’s Lost World In: The Advocate, 12. Februar 2011. Abgerufen am 3. November 2026 
  6. ↑ Club 82 Program of 1969 In: Queer Music Heritage. Abgerufen am 3. November 2026 
  7. ↑ Club 82 Program In: Queer Music Heritage. Abgerufen am 3. November 2026 
  8. ↑ Club 82 Program In: Queer Music Heritage. Abgerufen am 3. November 2026 
  9. ↑ Club 82 Performance in 1970 In: Queer Music Heritage. Abgerufen am 3. November 2026 
  10. ↑ Club 82 Bunny In: Queer Music Heritage. Abgerufen am 3. November 2026 
  11. ↑ Sincapades of 1954 In: Queer Music Heritage. Abgerufen am 3. November 2026 
  12. ↑ Club 82 Program of 1953 In: Queer Music Heritage. Abgerufen am 3. November 2026 
  13. ↑ The Unique Club 82 Presents... Fun-Fair For ’57 (1957) In: Digital Transgender Archive. Abgerufen am 3. November 2026 
  14. ↑ Club 82 Advertising Material In: Queer Music Heritage. Abgerufen am 3. November 2026 
  15. 1 2 3 James Desmond: Village Joints Probe Seeks Mrs. Genovese In: Daily News, 19. März 1953, S. 89. Abgerufen am 3. November 2026 
  16. ↑ Gay Rights (Memento des Originals vom 21. September 2018 im Internet Archive) In: History. Abgerufen am 3. November 2026 
  17. ↑ George Chauncey: The Forgotten History of Gay Entrapment In: The Atlantic, 25. Juni 2019. Abgerufen am 3. November 2026 
  18. 1 2 Michail Takach, B. J. Daniels: A History of Milwaukee Drag: Seven Generations of Glamor. The History Press, Charleston 2022, ISBN 978-1-4671-4917-4, S. 67–68.
  19. ↑ Lucas Hilderbrand: Paris Is Burning: A Queer Film Classic. Arsenal Pulp Press, Vancouver 2013, ISBN 978-1-55152-519-8, S. 49.
  20. ↑ Elyssa Maxx Goodman: Glitter and Concrete: A Cultural History of Drag in New York City. Hanover Square Press, New York 2023, ISBN 978-1-335-44936-8, S. 98–99.