| Alpha 60 | |
|---|---|
| Rechtsform | eingetragener Verein |
| Gründung | 1966 |
| Sitz | Schwäbisch Hall, Büro- & Sitzungsräume in der Pfarrgasse 3, Vereinsheim in der Spitalmühlenstraße 13/2 und Kino in Im Lindach 9 |
| Zweck | Allen jungen Menschen von Schwäbisch Hall und Umgebung angemessene Unterhaltung in Form von Tanzveranstaltungen, Diskussionen und sonstigen kulturellen Veranstaltungen zu bieten und dadurch den Rückstand Schwäbisch Halls auf diesem Gebiet zu verringern und die Förderung des Hallenbadbaus in Hall |
| Vorsitz | Mathias Kugler |
| Mitglieder | ca. 551 |
| Website | www.clubalpha60.de |
Der Club Alpha 60 ist ein 1966 gegründetes, selbstverwaltetes soziokulturelles Zentrum in Schwäbisch Hall. Er wird seit seiner Gründung ununterbrochen durch seine im Verein Club Alpha 60 e. V. organisierten Besucher verwaltet. Damit gilt er als eine der ältesten Einrichtungen dieser Art und als ältestes soziokulturelles Zentrum Baden-Württembergs.
Heute betreibt der Club ein Vereinsheim mit Veranstaltungssaal, Tagungsraum, Atelierräumen und verpachteter Kneipe, ein kommunales Kino und besitzt ein denkmalgeschütztes Haus mit Büro, Tagungsraum und Archiv. Er veröffentlichte bis Dezember 2010 eine monatliche Regionalzeitung.
Der club alpha 60 ist als Alpha 60 beim Vereinsregister eingetragen. Der Name geht auf den Film Lemmy Caution gegen Alpha 60 von Jean-Luc Godard zurück.
Die Vereinsangelegenheiten regelt der Vorstand, in dem alle Arbeitskreise repräsentiert sind. Der geschäftsführende Vorstand besteht gemäß der Vereinssatzung aus einem oder einer club-Sprecher*in und zwei stellvertretende Sprecher*innen. Alle Aufgaben werden ehrenamtlich erledigt. Der Verein hat etwa 551 Mitglieder. Vereinsziele sind unter anderem die Demokratisierung der Gesellschaft und die Förderung des kulturellen Lebens in Schwäbisch Hall.
In der Lokalpresse und in den (lokal-)politischen Auseinandersetzungen wird oft die Bezeichnung Jugendclub alpha 60 verwendet. Der Verein selbst bezeichnet sich als Soziokulturelles Zentrum club alpha 60 e. V. In der Vereinskommunikation wird überwiegend die Schreibweise club alpha 60 e. V. angewandt. In der Umgangssprache ist meist vom club alpha oder nur vom club die Rede.
Seit 2013 charakterisiert sich der club alpha 60 e. V. als selbstverwaltet, unkommerziell, kapitalismuskritisch und unbequem. Gegenwärtig besteht der club alpha 60 e. V. als gemeinnütziger Verein und anerkannter Träger der offenen Jugendhilfe, mit den Arbeitskreisen AK Film (Kino im Schafstall), AK Programm, AK Awareness, AK Politik, AK Debatte, AK Sport, AK Technik und AK Bar. Die Arbeit des AK alpha press ruht.
Gegründet wurde der club am 16. Juli 1966 als Geselligkeitsverein. Vorbild waren die Heidelberger Studentenclubs, der 1964 gegründete Stuttgarter Club Voltaire und die Burg-Waldeck-Festivals. Der Medizinstudent Walter Müller galt als „Clubboss“, der mit Freunden und Interessierten das von der Stadt angemietete Vereinslokal im sogenannten Anlagencafé betrieb. Das Lokal war ein 1828 für die Haller Schützencompagnie erbautes biedermeierliches Schützenhaus, ab 1936 war es für den Kurbetrieb als Konditoreicafé verpachtet und betrieben worden.
Dort fand am 21. Mai 1967 mit dem Folkduo Shirley Hart & Colin Wilkie das erste Konzert des club alpha 60 e. V. statt. Es folgte am 1. Juni 1967 mit Viva Zapata die erste Filmvorführung und am 15. Juni 1967 die erste politische Veranstaltung zum Thema Notstandsgesetzgebung.
Im März 1968 kam es zu einem Konflikt nach einer auch von den lokalen Jusos mitorganisierten Woche der Demokratie und einer Demonstration gegen den Vietnamkrieg. Unter anderem Rudi Dutschke war als prominenter Referent beteiligt. Der lokale AWO-Vorsitzende Alfons Schorpp (SPD) sammelte danach über 700 Unterschriften mit dem Motto: Das Anlagencafe diene lieber einem sozialen als einem radikalen Zweck und beantragte, das Anlagencafé in eine Altentagesstätte umzuwandeln. Der Oberbürgermeister Theodor Hartmann (CDU) unterstützte nun die gute Sache des Clubs und vertagte den Antrag der SPD, die in der Folge erhebliche interne Konflikte durchzustehen hatte. Im Oktober 1971 ging auch formell die Bewirtschaftung des Vereinsheimes auf den Verein über. Im Dezember 1971 wurde der Verein vom Finanzamt als gemeinnützige Einrichtung anerkannt.
Während bis 1972 bei den politischen Veranstaltungen und Publikationen die internationalen Themen im Vordergrund standen, rückte bald danach die Lokalpolitik in den Mittelpunkt des Interesses. Im Anlagencafé wird ein Kulturprogramm angeboten. Im Mai 1974 kauft der club alpha 60 e. V. zudem das Haus Pfarrgasse 3 in Hall. Das zentral gelegene, denkmalgeschützte Gebäude wurde erstmals im Jahre 1424 urkundlich erwähnt. Hier ziehen die AKs des Vereins, die Redaktion des alpha press und die Druckerei des Vereins ein.
Gehäufte Rockerüberfälle im Sommer 1973 und 1974, mit massivem Sachschaden und Massenschlägereien im Vereinsheim Anlagencafé, bringen den Verein in Existenznöte. Das Publikum bleibt aus Angst vor Übergriffen aus, ebenso wird der Ende 1970 eingerichtete Kinderladenbetrieb 1973 wieder eingestellt. Es kommt zu einer Krise beim Vorstand.
Am 9. Februar 1974 sendet die ARD die 90-minütige Fernsehsendung „Diskuss 7 – Sieben Jahre Club Alpha 60“, eine Dokumentation über den club alpha 60. Darin enthalten ein Mitschnitt einer vom Verein organisierten Veranstaltung mit den Kandidaten zur bevorstehenden Oberbürgermeisterwahl, Floh de Cologne und dem Jusos-Bundesvorsitzenden Wolfgang Roth.
Im Januar 1978 will das Innenministerium von Baden-Württemberg die Förderungswürdigkeit, wegen Verfassungsfeindlichkeit, aberkennen lassen. Zudem wird der Club Alpha nach Berliner Extra-Dienst und Frankfurter Rundschau in einer Liste linksextremistischer und linksextremistisch beeinflusster Organisationen des Bundesinnenministerium erwähnt. Der Club wurde aber von den regionalen Behörden nicht als verfassungsfeindlich angesehen und blieb auch 1978 förderungswürdig.
Im Januar 1981 muss das Vereinsheim im Zuge der anstehenden Landesgartenschau 1982 aus dem Anlagencafé ausziehen. Als Übergangslösung wurden Räumlichkeiten in der Innenstadt (Am Spitalbach) vorgeschlagen und angenommen. Die Übergangszeit wurde mit vier Jahren veranschlagt. Das Vereinsheim verkam zwischenzeitlich zum reinen Discobetrieb, das Interesse ging auch wegen der unpassenden Räumlichkeiten deutlich zurück.
Ab 1985 ist das Vereinsheim der Löwenkeller in der Stuttgarter Straße. Dies belebte das Interesse am Club wieder. Auch dieses Gebäude, eine ehemalige Brauereigaststätte mit angebauter Kegelbahn, galt als Übergangslösung.
Am 4. Juni 2014 beschließt der Schwäbisch Haller Gemeinderat, dem club alpha 60 das Gebäude Spitalmühlenstraße 13/2, eine ehemalige Wäscherei, als dauerhaftes Domizil zur Verfügung zu stellen. Die Renovierungsarbeiten werden von Seiten der Stadt Schwäbisch Hall mit 470.000 € unterstützt. Am 13. März 2015 stimmt die Mitgliederversammlung des Vereins für den Umzug und die entsprechenden Umbaupläne. Seit August 2015 wird das Gebäude Spitalmühlenstraße 13/2 renoviert und umgebaut.
Am 24. Juni 2017 wird das neue Vereinsheim eröffnet.
Neben der ab 1985 verpachteten Gastronomie finden regelmäßig weitere Aktivitäten in dem Club statt. Getragen werden diese durch die Arbeitskreise.
Der erste Clubarbeitskreis war der AK Politik. Er bildete sich im Jahre 1967. [...] Man besprach Tagesereignisse und die Themen der studentischen Linken.
Als Nachfolgegruppe ist der 1971 oder 1972 gegründete AK Ökonomie anzusehen.
Die erste Zusammenkunft des nun gegründeten Arbeitskreises zur Emanzipation der Frau war am 14. September 1969 im Club alpha 60. Der Arbeitskreis tagte nun 14-täglich, Mitglieder waren damals 2 Hausfrauen, 2 Lehrerinnen und 1 Schülerin. Gelesen und diskutiert wurde Themen zur Sexualität (Bacia), Der sexuelle Kampf der Jugend (Reich), Repressive Familienpolitik (Haensch). Eine Umfrage an über 100 Hohenloher Ärzte zur Verschreibungspraxis der Antibabypille mit anschließender Diskussionsveranstaltung mit Heidelberger Ärzten, Psychologen und Studenten im März 1970 sowie eine Artikelserie im alpha press unter der Gesamtüberschrift: Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Art. 3 Abs. 2 folgten.
Von 2007 bis 2010 veranstaltete der Club Alpha 60 das jährlich stattfindende Internationale JazzArtFestival Schwäbisch Hall. Hierbei kooperierte er mit dem Goethe-Institut, dem Konzertkreis Triangel und dem Kulturbüro der Stadt Schwäbisch Hall. Seit Sommer 2010 wird der Part des Club Alpha 60 vom neu gegründeten Jazzclub Schwäbisch Hall übernommen.
Bereits 1945 wurde der Schwäbisch Haller Filmverein gegründet. Eine zentrale Figur beim Wiederaufbau der Schwäbisch Haller Bildungs- und Kulturlandschaft nach dem Ende der Nazi-Herrschaft war der spätere Kultusminister (CDU) von Baden-Württemberg, Gerhard Storz. Er beschreibt in seinen Memoiren, wie nicht nur kleine Universitätsstädte wie Tübingen, sondern auch allgemein die im Vergleich zu Stuttgart wenig zerstörten, aber von Flüchtlingen, Evakuierten und ehemaligen Militärs überfüllten Landstädte wie Hall damals einen Schub an Urbanität und kulturellem Interesse erlebten. Storz verwies auf die besondere Rolle des Kinos in Hall, neben Filmen waren auch die Volkshochschule und die Vorträge der neugegründeten Akademie für Lehrerfortbildung dort stark besucht. Mit La Belle et la Bête wurde begonnen, Filme vorzuführen, was sich in einer Vereinsgründung niederschlug. Der Filmbesuch wurde zu mehr als einem Ersatz für das Theater, welches in Stuttgart noch in Trümmern lag bzw. schlecht zu erreichen war. Storz zufolge kam diese Situation und die vielfältigen Anregungen von außen der Atmosphäre von Hall damals schon kräftig zustatten.
Der erste Filmverein löste sich mit dem Kinosterben Ende der 60er Jahre auf. Das Anliegen einer Erneuerung des Ansatzes nahm der Club Alpha erneut auf und trug zu einem kommunalen Kino mit bei. Das Kino im Schafstall wird zu 3/4 vom club alpha 60 e. V. getragen. Am 13. Januar 1972 wurde hier mit Der Zirkus von Charlie Chaplin der erste Film gezeigt. In den 80er-Jahren entwickelte sich zunehmend eine Konkurrenzsituation zwischen dem Kino im Schafstall und dem inzwischen einzigen noch verbliebenen kommerziellen Kinobetreiber in Schwäbisch Hall. 2012 wird die Spielstätte aufwendig saniert und mit neuen Kinosesseln ausgestattet.
Als Nachfolgepublikation zu einem Programmheft wurde im Februar 1970 die Erstausgabe der alpha press veröffentlicht. Nach eigenen Angaben ist alpha press damit „das älteste, regelmäßig erscheinende nichtkommerzielle Alternativblatt.“ Nach einer anfänglichen Konzentration auf internationale Themen wurde ab 1972 der Schwerpunkt auf kommunale Berichterstattung verlagert. In einer empirischen Vergleichsuntersuchung lokaler Alternativpressen kam Nadja Büteführ zu dem Schluss, dass die alpha press dem Idealtypus alternativer Zeitungsproduktion am nächsten kam. Insgesamt erschienen 385 Ausgaben. Mittlerweile arbeiten etliche der früheren Redakteure selbst als freie Mitarbeiter beim Haller Tagblatt, das den Aktivitäten früher eher negativ gegenüberstand.
Menschen vom Awarenessteam kümmern sich aktiv darum, dass Besucher*innen sich sicherer und respektvoll behandelt fühlen.
Daneben gab es die Arbeitskreise Lateinamerika, Südliches Afrika, Cuba, Südamerika, Musikk, Neue Musik, Diskothek, Jubel, Öffentlichkeitsarbeit, Foto und Druck, Video, Zukunft, Umzug, der Club muss in die Wildbadquelle ziehen, ohne Rüstung leben lernen, Antimilitarismus, Anti-Landesgartenschau, Politbüro und AntiFa.
Der Barbetrieb bei den Veranstaltungen und die regelmäßige Reinigung der Vernastaltungsräume werden von Ehrenamtlichen übernommen, der zugehörige Dienstplan regelmäßig beplant.
Aus dem Verein heraus gab es zahlreiche Initiativen und Kooperationen, die mittlerweile zu etablierten Institutionen heranreiften.
Folgende Personen haben den Verein geprägt, wurden innerhalb der Vereinsstrukturen politisch sozialisiert oder sind aufgrund einer politischen Nähe Vereinsmitglied geworden: