Cockney

Cockney ist die Bezeichnung für einen englischen Regiolekt in London, der zum Teil mit spezifischen Reimformen arbeitet. Der Begriff ging aus einem Spottnamen für die Bürger von London hervor. Im engeren Sinne bezeichnet man als Cockneys jedoch nur jene Menschen, die in Hörweite der Glocken der Kirche St Mary-le-Bow in der City of London geboren wurden.

Beschreibung

Charakteristisch für diesen Regiolekt sind folgende Ausspracheerscheinungen:

Ein typisches Wort ist guv (so wird man als Mann v. a. von Taxifahrern angesprochen).

Wortherkunft

Das Wort Cockney lässt sich zuerst 1362 nachweisen und kommt vom mittelenglischen cokeney aus cocken + ey (englisch cock + egg), eines Hahnes Ei, also ein Stück Hahnenkot. Geoffrey Chaucer nutzt den Begriff „cokenay“ (etwa 1386) in seiner Erzählung The Reeve’s Tale und meint damit einen „verweichlichten Jungen“. 1521 wird mit dem Begriff abwertend ein verweichlichter Städter bezeichnet. Samuel Rowlands benutzt den Begriff für jemanden, der in Hörweite der Kirche St Mary-le-Bow geboren wurde. Nach dem Klassischen Wörterbuch der Vulgärsprache (engl. A Classical Dictionary of the Vulgar Tongue) des englischen Lexikographen Francis Grose (* 1730/31 in Greenford, Middlesex; † 12. Juni 1791 in Dublin) aus dem Jahre 1785 entstammt der Begriff folgender Geschichte:

Ein Londoner hörte während eines Landaufenthalts ein Pferd wiehern und rief aus: „Herr! Was das Pferd lacht!“ Ein Nebenstehender klärte ihn auf, der Pferdelaut heiße „Wiehern“. Als am nächsten Morgen der Hahn krähte, wollte der Londoner zeigen, dass er das Gelernte nicht vergessen hatte, und rief aus: „Hören Sie, wie der Hahn wiehert?“ (Do you hear how the Cock neighs)?

Cockney Rhyming Slang

Eine Besonderheit der Cockney-Sprecher ist der Cockney Rhyming Slang: Das Wort, das man ausdrücken will, wird ersetzt durch einen mehrteiligen Ausdruck, der sich auf dieses Wort reimt. In den meisten Fällen (aber nicht immer) wird sogar nur der erste Teil des Reimbegriffs verwendet, wodurch man als Uneingeweihter den Sinn kaum noch erraten kann.

Beispiele:

Der Rhyming Slang war früher möglicherweise eine richtige Geheimsprache oder gar eine Gaunersprache, heutzutage ist es eine beliebte Wortspielerei, die sich im ganzen englischen Sprachraum ausgebreitet hat. Im Australischen sagt man häufig auch Dead horse statt Tom sauce (Tomatenketchup). Rhyming Slang unterliegt keiner normenbildenden Regulierung durch Wörterbücher wie das Oxford English Dictionary, das als Maßstab für die englische Standardsprache gilt. Rhyming Slang wird durch seine Nutzer gestaltet und am Leben erhalten. Begriffe, die den Sprechern zu einer bestimmten Zeit als eingängig erscheinen, werden verwendet und andere fallen gelassen. Beispiele für solche zeitgebundenen Begriffe sind:

Untersuchungen haben auch ergeben, dass das traditionelle Cockney auf dem Rückzug aus London ist und durch einen neuen multikulturellen Slang ersetzt wird.

Beispiele berühmter Cockneys

Bekannte Cockney-Sprecher oder -Sänger

Bekannte Cockney-Filme

Siehe auch

Literatur

Commons: Cockney – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Cockney – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Quellen

  1. ↑ John Timbs: Bow Bells. (Memento des Originals vom 12. Juli 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. In: The Illustrated London News. 21. Dezember 1850.
  2. ↑ Cockney. In: Oxford English Dictionary.
  3. ↑ Born within the sound of Bow Bells. Erklärung bei: The Phrase Finder. Samuel Rowlands Erzählung The Letting of Humours Blood in the Head-Vaine. Im 17. Jahrhundert hat sich diese Bedeutung etabliert. Siehe: John Timbs, Bow Bells
  4. ↑ Phrases.org.uk listet Beispiele von Rhyming Slang auf und vergleicht sie mit John Camden Hotten: The Vulgar Tongue. A Glossary of Slang, Cant, and Flash Phrases, used in London from 1839 to 1859. London 1859.
  5. ↑ Cockney to disappear from London within 30 years. auf: BBC News. 1. Juli 2010.
  6. ↑ »Berliner Zeitung« vom 26. Februar 2014, Seite 25