Code Noir

Code Noir: ou Recueil d’edits, déclarations et arrets concernant les Esclaves Nègres de l’Amérique … / Code Noir: oder Sammlung von Edikten, Erlassen und Verfügungen, die Negersklaven in Amerika betreffend … (Ausgabe Paris 1743)

Der Code Noir (Code: französisch für Gesetzbuch, noir: französisch für schwarz) ist ein Dekret, das Frankreichs König Ludwig XIV. 1685 zur Regelung des Umgangs mit den schwarzen Sklaven erließ. Zwar schaffte Frankreich die Sklaverei 1848 ab, der Code Noir wurde dabei aber nicht formell aufgehoben. Dies geschah erst am 28. Mai 2026 einstimmig durch die französische Nationalversammlung.

Hintergrund

Bevor die einzelnen Artikel das Los der Schwarzen geregelt hatten, wurde einleitend bestimmt, dass alle Juden die französischen Kolonien zu verlassen haben. Dies wurde aber aufgrund ihrer dortigen Unentbehrlichkeit 1688 wieder zurückgenommen. Mit Ausnahme der römisch-katholischen durfte keine andere Religion ausgeübt werden. Dieses Gesetz bezog sich de facto nur auf die Sklaven, da neben Juden auch auf Protestanten als Sklavenhalter nicht verzichtet werden konnte. Sodann ging es um die Einschränkung der Aktivitäten freier Schwarzer und die Festlegung der Bedingungen für die Sklaverei der Schwarzen, die über den atlantischen Dreieckshandel ins französische Kolonialreich u. a. auf die Inseln der Karibik gelangten. Schwarze stellten dort die Mehrheit der Bevölkerung.

Der Code Noir ist eines der vielen Gesetze, die auf Jean-Baptiste Colbert zurückgehen. Dabei handelt es sich um die eine Sammlung, Vereinheitlichung und Rationalisierung bereits bestehender Gebräuche der französischen Plantagenbesitzer in der Karibik, die ab 1635 Schwarzafrikaner auf die Antillen verschleppen ließen, wo diese ohne jegliche rechtliche Regelungen den industriemäßigen Anbau von Zuckerrohr betrieben. Der Gesetzgebungsprozess wurde mit der Konsultation von Charles de Courbon, Statthalter der Karibik (Gouverneur générale des iles d’Amérique), und des Intendanten Jean-Baptiste Patoulet 1681 lanciert, die beauftragt wurden, lokale Jurisprudenz zu sammeln und die Meinung der Mitglieder der Conseils souverains (Inselparlamente) von Martinique, Guadeloupe und Saint-Christophe (St. Kitts und Nevis) einzuholen. Colbert starb im September 1683, nachdem ein erster Entwurf mit weitgehend endgültigem Text im Februar 1683 vorgestellt worden war; erst zwei Jahre später wurde der Gesetzestext von Ludwig XIV. gebilligt und in Kraft gesetzt. Die Gültigkeit wurde später mit einigen wenigen Änderungen auf Saint-Domingue (ab 1804 als Haiti unabhängig), Louisiana, Guyane sowie auf die Kolonien im Indischen Ozean, Île de France (Mauritius) und Île Bourbon (La Réunion), ausgeweitet.

Inhalt

Das Gesetz besteht aus 60 Artikeln. Unter anderem wurde 1685 festgelegt:

Gültigkeit des Code Noir

Die katholische Religion als Regel galt ausschließlich für die Sklaven. Denn wie die Archive und Literatur zeigen, gab es zahlreiche Juden und Protestanten auf den französischen Inseln, und die einen wie die anderen waren in den Sklavenhandel und die Sklavenhaltung verstrickt, so dass entsprechend flexibel mit dem Gebot des Katholizismus als einzig erlaubter Religion verfahren wurde.
Mit der Französischen Revolution hätte eine Änderung anstehen können: Am 4. Februar 1794 wurde per Dekret die Abschaffung der Sklaverei in allen französischen Kolonien beschlossen. Das Dekret wurde jedoch nie umgesetzt und angewendet. Unter Napoleon, der auch verantwortlich für den Umgang mit Toussaint Louverture und die erneute blutige Unterwerfung von Saint-Domingue unter Charles Victoire Emmanuel Leclerc war, wurden 1802 die Abschaffungsdekrete wieder aufgehoben und 1805 die weitere Anwendung des Code Noir ausdrücklich bestätigt, so dass er bis zur Abschaffung der Sklaverei in den französischen Kolonien im Jahre 1848 insgesamt 163 Jahre lang gegolten hat. Gleichwohl: Mit dem Code de l’indigénat wurden den Bewohnern der französischen Kolonien bis nach dem Zweiten Weltkrieg weiterhin elementare Rechte vorenthalten.

Erst nach 1980 wurde bekannt, dass, während der „Code de l'indigénat“ in den 1950er Jahren auslief, der „Code Noir“ von 1685 niemals offiziell aufgehoben worden war, er war schlicht in Vergessenheit geraten. Erst am 28. Mai 2026, nach über 340 Jahren seiner Existenz, wurde dieser durch die französische Nationalversammlung aufgehoben.

Einordnung

Louis Sala-Molins, Professor für politische Philosophie an der Sorbonne (1966 bis 2000), der zum ersten Mal 1987 in der Vorbereitung der Feiern zum zweihundertsten Jahrestag des Beginns der Französischen Revolution auf die Existenz des der Vergessenheit anheimgefallenen Code Noir aufmerksam machte, hebt hervor, dass im Zeitalter der Aufklärung niemand – weder Montesquieu, Diderot, Rousseau, Voltaire noch Condorcet – zur unmittelbaren Aufhebung des Code Noir aufgefordert habe. Das Gesetz ist nach seinem Kommentar „der monströseste juristische Text der Moderne“.

Die Folgen und die Bedeutung des Code Noirs für die versklavten Menschen wurden bereits 1938 von C. L. R. James im Werk Die schwarzen Jakobiner. Toussaint Louverture und die Haitianische Revolution eindrücklich an der Kolonialgeschichte Haitis dargelegt.

Literatur

Anmerkungen

  1. 1 2 DPA/sto: Französische Nationalversammlung hebt Sklavereigesetz von 1685 auf, Online auf tagesanzeiger.ch, abgerufen am 29. Mai 2026; aber auch in zahlreichen weiteren Presseartikeln am gleichen Tag.
  2. ↑ Es war auf jüdische Sklavenhalter nicht zu verzichten, verfügten sie doch über wichtiges Wissen beim Zuckerrohranbau und dessen Gebrauch zur Herstellung von Rum (siehe: Rosa Amelia Plumelle-Uribe: Victimes des esclavagistes musulmans, chrétiens et juifs. Racialisation et banalisation d’un crime contre l’humanité. Anibwé, Paris 2012, Kap. 2; 3; 4; 5, S. 51 f.)
  3. ↑ Plumelle Uribe (2008), S. 112.
  4. ↑ Marc Lee Raphael, Jews and Judaism in the United States: a Documentary History, New York 1983. Eric Saugera, Bordeaux, port négrier XVIIe-XIXe siècles, Paris 2002.
  5. ↑ Sala-Molins (2008), S. 12.
  6. ↑ Sala-Molins (2007), S. 17.
  7. ↑ Vgl. die beiden 2007 und 2008 neu aufgelegten Arbeiten von Louis Sala-Molins.
  8. ↑ Sala-Molins (2007), S. VIII.
  9. ↑ James, C.L.R. Verfasser: Die schwarzen Jakobiner. Toussaint Louverture und die Haitianische Revolution. Hrsg.: Phillip Dorestal, Çiğdem Inan. 2. Auflage. b_books Dietz, Berlin 2022, ISBN 978-3-320-02386-7, S. 29 f., 50 f.