
Cogito ergo sum (in ausführlicher lateinischer Fassung: ego cogito, ergo sum sive existo, „Ich denke, also bin ich oder existiere ich“) ist ein grundlegender Satz des Philosophen René Descartes. Im französischen Original des Discours de la méthode von 1637 lautet er je pense, donc je suis („Ich denke, also bin ich“).
Die explizite lateinische Formulierung ego cogito, ergo sum, sive existo findet sich 1641 in Descartes’ Responsio ad secundas objectiones. In den Principia philosophiae von 1644 bezeichnet Descartes die Erkenntnis ego cogito, ergo sum als die erste und gewisseste Erkenntnis. Das ausdrücklich gesetzte Personalpronomen ego ist im Lateinischen grammatisch nicht erforderlich, da die Verbform cogito bereits die erste Person Singular bezeichnet. Es hebt bei Descartes das denkende Ich als Subjekt der Selbstgewissheit hervor.
Descartes formulierte die mit dem Cogito-Argument bezeichnete Gewissheit an verschiedenen Stellen seiner Werke unterschiedlich.
In der Zweiten Meditation lautet das Ergebnis der Argumentation ausdrücklich Ego sum, ego existo („Ich bin, ich existiere“). Andreas Kemmerling schlägt daher vor, die dort entwickelte Argumentation nicht als Cogito-Argument, sondern präziser als Existo-Argument zu bezeichnen: „Nennen wir das Argument, mit dem der Denker in der Zweiten Meditation zur Gewißheit seiner eigenen Existenz gelangt, also passenderweise: das Existo-Argument.“
Der Unterschied zwischen diesen Formulierungen und die Frage nach der logischen Struktur des Arguments werden in der Forschung kontrovers diskutiert.
| Werk | Jahr | Formulierung | Nachweis |
|---|---|---|---|
| Discours de la méthode, IV | 1637 | je pense, donc je suis | AT VI, S. 32–33 |
| Meditationes de prima philosophia, II | 1641 | Ego sum, ego existo | AT VII, S. 25 |
| Responsio ad secundas objectiones | 1641 | ego cogito, ergo sum, sive existo | AT VII, S. 140 |
| Principia philosophiae, I, 7 | 1644 | ego cogito, ergo sum | AT VIII-1, S. 7 |
| Dissertatio de methodo, IV | 1644 | Ego cogito, ergo sum sive existo | AT VI, S. 558 |
Die verschiedenen Formulierungen lassen sich dabei auf einige Grundformen zurückführen:
| Form | Formel | Charakteristik |
|---|---|---|
| I | je pense, donc je suis / ego cogito, ergo sum | klassische Form mit donc bzw. ergo |
| II | Ego sum, ego existo / Je suis, j’existe | existentielle Setzung der Zweiten Meditation |
| III | ego cogito, ergo sum, sive existo | ausführliche lateinische Form: „Ich denke, also bin ich bzw. existiere ich“ |
| IV | Je pense, donc je suis, ou j’existe | französische Entsprechung der ausführlichen lateinischen Form |
Das lateinische Adverb ergo („also“, „folglich“) kennzeichnet in cogito, ergo sum eine Folgerungsbeziehung zwischen Denken und Existenz. Descartes weist jedoch ausdrücklich zurück, dass es sich dabei um einen syllogistischen Schluss handelt. In den Responsiones secundae erklärt er, die eigene Existenz werde nicht aus dem Denken „durch einen Syllogismus“ (per syllogismum) abgeleitet, sondern unmittelbar durch einen „einfachen Blick des Geistes“ (simplici mentis intuitu) erkannt.
Jaakko Hintikka griff diese Spannung in seinem Aufsatz Cogito, Ergo Sum: Inference or Performance? (1962) auf. Nach seiner performativen Deutung ist die Gewissheit der eigenen Existenz nicht lediglich das Ergebnis einer logischen Ableitung: Der Vollzug des Denkens setzt bereits die Existenz des Denkenden voraus. Hintikka präzisierte später, dass sich performativer Charakter und Inferenz nicht ausschließen müssen.
Descartes hat die meisten seiner Werke in Latein verfasst, einzelne schrieb er jedoch auf Französisch, wodurch sie auch für Laien zugänglich waren. In einem davon, dem Discours de la méthode (Teil IV), schreibt Descartes 1637:
„Nun hatte ich beobachtet, daß in dem Satz: ‚Ich denke, also bin ich.‘ (französisch «Je pense, donc je suis») überhaupt nur dies mir die Gewißheit gibt, die Wahrheit zu sagen, daß ich klar einsehe, daß man, um zu denken, sein muss.“
Im Jahr 1641 schreibt Descartes in seinen Meditationen über die Grundlagen der Philosophie über einen möglichen bösartigen Dämon, durch den Sinne und Wahrnehmung getäuscht werden könnten:
„Nun, wenn er mich auch täuscht, so ist es also unzweifelhaft, daß ich bin. Er täusche mich, so viel er kann, niemals wird er jedoch fertigbringen, daß ich nichts bin, so lange ich denke, daß ich etwas sei. Und so komme ich, nachdem ich nun alles mehr als genug hin und her erwogen habe, schließlich zu der Feststellung, daß dieser Satz: ‚Ich bin, ich existiere‘ (lateinisch ego sum, ego existo), so oft ich ihn ausspreche oder in Gedanken fasse, notwendig wahr ist.“
Später (1644) fasst Descartes seine Erkenntnis in den Prinzipien der Philosophie mit der lateinischen Formulierung „ego cogito, ergo sum“ zusammen. Die Textstelle in deutscher Übersetzung:
„Indem wir so alles nur irgend Zweifelhafte zurückweisen und für falsch gelten lassen, können wir leicht annehmen, dass es keinen Gott, keinen Himmel, keinen Körper gibt; dass wir selbst weder Hände noch Füße, überhaupt keinen Körper haben; aber wir können nicht annehmen, dass wir, die wir solches denken, nichts sind; denn es ist ein Widerspruch, dass das, was denkt, in dem Zeitpunkt, wo es denkt, nicht bestehe. Deshalb ist die Erkenntnis: »Ich denke, also bin ich,« (lateinisch: ego cogito, ergo sum) von allen die erste und gewisseste, welche bei einem ordnungsmäßigen Philosophieren hervortritt.“
Die bis heute oft zitierte Formulierung „cogito, ergo sum“ stammt aus einer Verkürzung des lateinischen „ego cogito, ergo sum“ aus den Principia philosophiae. Im Discours de la méthode ist jedoch das berühmte französische «Je pense, donc je suis» zu finden, welches der eben genannten lateinischen Fassung vorausging und dieselbe Bedeutung hat.
Vor Descartes hatte bereits Augustinus in seinem Gottesstaat (XI, 26) mit der unmittelbaren Selbstgegebenheit des Denkenden argumentiert:
“Si enim fallor, sum. Nam qui non est, utique nec falli potest. Ac per hoc sum, si fallor. Quia ergo sum, si fallor, quomodo esse me fallor, quando certum est me esse, si fallor?”
„Selbst wenn ich mich täusche, bin ich. Denn wer nicht ist, kann sich auch nicht täuschen. Und demnach bin ich, wenn ich mich täusche. Weil ich also bin, wenn ich mich täusche, wie sollte ich mich über mein Sein täuschen, da es doch gewiss ist, dass ich bin, gerade wenn ich mich täusche?“
Gómez Pereira formulierte in seinem Werk Antoniana Margaritavon 1554 einen Satz, der Descartes’ „Cogito, ergo sum“ ähnelt: „Nosco me aliquid noscere: at quidquid noscit, est: ergo ego sum“ („Ich weiß, dass ich etwas weiß: aber was auch immer weiß, existiert: also bin ich“).
Immanuel Kant betrachtet die Schlussfolgerung „Ich denke, also bin ich“ als problematisch, insbesondere in Bezug auf die Annahme, dass Existenz aus dem Denken abgeleitet werden kann. Kant argumentiert, dass diese Schlussfolgerung die Existenz des Subjekts voraussetzt und somit keinen echten Beweis für das Sein darstellt.
Non cogitant, ergo non sunt. (Sie denken nicht, also existieren sie nicht) Georg Christoph Lichtenberg, in: Sudelbücher [J 379] (vor 1800).
Friedrich Nietzsche kritisiert in Jenseits von Gut und Böse Descartes’ „Cogito, ergo sum“, indem er die Annahme hinterfragt, dass es ein bewusstes, denkendes Subjekt gibt, das als Grundlage für die Existenz dient. Nietzsche argumentiert, dass das Konzept des „Ich“ als denkende Substanz eine Illusion ist, die durch sprachliche und grammatikalische Strukturen erzeugt wird. Er schlägt vor, dass das Denken nicht notwendigerweise einem bewussten Subjekt zugeschrieben werden muss, sondern eher als ein Prozess ohne festes Subjekt verstanden werden kann. Diese Kritik ist Teil von Nietzsches breiterer Ablehnung der traditionellen metaphysischen Annahmen über Substanz und Identität.
Edmund Husserl, der Begründer der Phänomenologie, sah das „Cogito“ als Ausgangspunkt für eine tiefere Untersuchung des Bewusstseins. In seinen Cartesianische Meditationen entwickelt er die Idee der Epoché, die das Urteil über die Existenz der äußeren Welt aussetzt, und betont die Intentionalität des Bewusstseins. Husserl kritisiert Descartes’ Annahmen über das Subjekt als Substanz und erweitert sie durch seine phänomenologische Methode.
Rudolf Carnap kritisierte Descartes’ „Cogito, ergo sum“ aus einer sprachphilosophischen Perspektive. Er argumentierte, dass der Satz zwei logische Fehler enthalte: Zum einen sei das „Ich bin“ kein reales Prädikat, und zum anderen sei der Übergang von „Ich denke“ zu „Ich existiere“ problematisch, da er die Existenz des Subjekts voraussetzt. Carnaps Analyse hebt die sprachlichen und logischen Herausforderungen hervor, die mit Descartes’ Argument verbunden sind.
Jaakko Hintikka hingegen betrachtete das „Cogito“ nicht als logischen Schluss, sondern als performativen Akt. Er argumentierte, dass die Aussage „Ich denke, also bin ich“ nicht deduktiv ist, sondern die Existenz des Subjekts durch die Handlung des Denkens selbst bestätigt. Hintikkas Ansatz betont die performative Natur des Cogito und dessen Rolle als existenzieller Selbstbeweis.