| Colpodella | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
Colpodella sp., EM-Aufnahme und Illustration | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
| ||||||||||||
| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Colpodella | ||||||||||||
| Cienkowski, 1865 |
Colpodella ist eine Gattung der Alveolata, die etwa fünf (und einige weitere mögliche) Arten (Spezies) umfasst.
Sie weisen alle Synapomorphien der Apicomplexa auf, sind aber freilebend und nicht parasitisch. Viele Mitglieder dieser Gattung wurden früher anderen Gattungen zugeordnet, etwa Spiromonas.
Die Typusart ist Colpodella pugnax Cienkowski 1865.

Die Angehörige der Gattung Colpodella sind kleine begeißelte Protisten, ihr Durchmesser beträgt weniger als 20 μm. Der Lebenszyklus besteht aus zwei Hauptstadien: begeißelte Trophozoiten (vegetative Form, Wachstumsphase) und Zysten, die das reproduktive Stadium im Lebenszyklus darstellen.
Morphologisch (von der Gestalt her) ähneln die Trophozoiten von Colpodella den Zoosporen von Perkinsus, obwohl die beiden Gattungen zwar Alveolata, aber unter diesen nicht näher miteinander verwandt sind. Die beweglichen Stadien beider Gattungen haben ein Paar anteriorer (vorderer) orthogonaler (senkrecht zueinander angeordneter) Geißeln, Mitochondrien mit vesikulären (bläschenartigen) Cristae, innere Alveolarmembranen (Alveoli) und Mikroporen. Sowohl die Colpodella- als auch die Perkinsus-Arten haben seitlich offene, abgestumpfte Conoide (manchmal auch Pseudoconoide genannt), Rhoptrien (sekretorische Organellen, die die gesamte Länge der Zelle einnehmen), und kleinere Mikroneme (ebenfalls sekretorische Organellen). Sowohl die Rhoptrien als auch die Mikroneme entstehen im vorderen Teil der Zelle. Unter der Plasmamembran liegt eine dreischichtige Pellicula, die ansonsten aus den Alveolarmembranen und weit auseinander liegenden Mikrotubuli besteht, die subapikal (kurz hinter der Vorderspitze) entstehen. Einige Arten haben extrusive Organellen (Trichozysten).
Im Gegensatz zu Perkinsus sind die Colpodella-Arten freilebend und gefräßige Räuber, die sich von anderen freilebenden Protisten ernähren. Die meisten Arten durchdringen offenbar deren Zellmembran und verzehren das Zytoplasma der Beute (Myzozytose). Während der Nahrungsaufnahme heftet sich der Räuber mit seinem vorderen Teil – dem Rostrum – an die Beute. Das Rostrum enthält das Pseudoconoid, das sich in einen Ring aus Mikrotubuli verwandelt, der die Anheftungszone umgibt. Das Zytoplasma der Beute wird dann in eine große hintere Nahrungsvakuole gesaugt, weshalb die Myzozytose auch als „Zellvampirismus“ bezeichnet wird.
Nach der Nahrungsaufnahme verlieren die Zellen ihre Geißeln, werden zu kugelförmigen Zysten und teilen sich (d. h. sie vermehren sich). Die Zysten sind einfache Kugeln, in denen die Nahrungsvakuole als große zentrale Vakuole erscheint. Mit fortschreitender Teilung wird das restliche Vakuolenmaterial zu einem Restkörper reduziert. In der Regel teilt sich Colpodella in vier Tochterzellen (manchmal auch nur zwei). Dies steht im Gegensatz zu den echten Apicomplexa und Perkinsus, die bei der Fortpflanzung in der Regel viel mehr Tochterzellen produzieren, bei Perkinsus können beispielsweise bis zu 32 Zellen und bei Toxoplasma gar 128 Zellen. Den Tochterzellen wachsen dann wieder Geißeln, die Zystenwand reißt auf, und die Zellen schwimmen davon, wobei sie den Restkörper zurücklassen. Sexuelle Fortpflanzung als weitere Möglichkeit wurde bei mindestens zwei Arten beobachtet.

Die Klade (Verwandtschaftsgruppe), zu der Colpodella gehört, scheint eine Schwestergruppe der Apicomplexa zu sein. Ihre Lebensweise ist möglicherweise repräsentativ für die frei lebenden Vorfahren der Apicomplexa. Ein signifikanter Unterschied besteht darin, dass diese Gattung wie Perkinsus ein offenes Conoid (Pseudoconoid) hat, während die ein Conoid besitzenden (echten) Apicomplexa (auch „Conoidasida“ genannt) ein geschlossenes Conoid haben.
Adl et al. (2019) charakterisieren die Colpodella beinhaltenden Taxa stichpunktartig wie folgt:
Die nachstehende äußere und innere Systematik folgt, wo nicht anders vermerkt, der Taxonomie von Adl et al. (2019). Nachrangige Quellen wurden in der folgenden Reihenfolge benutzt:
Anm.: Ein nachfolgendes * bedeutet „ohne Autorenschaft“; Stand jeweils ist jeweils Anfang April 2023; einige veraltete bzw. synonyme Bezeichnungen sind in eckigen Klammern angegeben.


Klade Sar Burki et al. 2008(N) [Harosa Cavalier-Smith 2010(A)]
Verschiebungen:

Alternative Taxonomien:
Die zur Gattung Colpodella zählenden Organismen werden normalerweise nicht als humanpathogene Krankheitserreger angesehen. 2012 wurde jedoch über eine Infektion der Erythrozyten bei einer Frau aus China mit einem Mangel an natürlichen Killerzellen berichtet. 2021 wurde der Urin einer Frau mit einer langjährigen mehrfachen Vorerkrankung, unter anderem an COPD, positiv auf Colpoda spp. und Colpodella spp. getestet.