Conficker

Conficker
Name Conficker
Aliase Downup, Downadup, Kido
Bekannt seit 2008
Herkunft unbekannt (vmtl. Ukraine)
Typ Netzwerkwurm
Autoren unbekannt
Dateigröße 58.368 Bytes (A-Version)
Speicherresident ja
Verbreitung Exploits, Wechseldatenträger,
Brute-Force
System Windows 2000, XP, 2003, Vista, 2008
Info Version C installiert Scareware

Conficker ist der Name einer Gruppe von Computerwürmern, deren verschiedene Versionen ab Ende November 2008 mehrere Millionen Windows-Rechner infizierten.

Der Wurm installierte dabei unter anderem Backdoors auf den kompromittierten Systemen und erstellte innerhalb einiger Wochen das (Stand August 2020) größte jemals existente Botnet. Es könnte möglicherweise neun bis zehn Millionen Zombierechner umfasst haben.

Die weiteren Funktionen des Wurms waren die Unterdrückung von Sicherheits- und Antimalware-Updates und das Verwischen der eigenen Spuren.

Spätere Varianten von Conficker installierten auch Scareware oder benutzten das infizierte System für E-Mail-Spam.

Aliasse

Conficker in der Malwareliste des MSR-Tools

Der in der Presse und Fachwelt etablierte Name wurde von Microsoft-Mitarbeitern vergeben. Die amerikanischen Softwareentwickler, die sich mit dem Wurm befassten, verbanden die Vorsilbe „con“ mit einem deutschen Vulgärwort. Möglicherweise wollte man die anstößige Bezeichnung durch die Verwendung des ähnlich klingenden Fremdwortes ein wenig abmildern. „Con“ steht dabei für die Domain www.trafficconverter.biz, über die Conficker weitere Schadsoftware herunterlud.

Eine andere Erklärung lieferte Microsoft-Mitarbeiter Joshua Phillips, der den Begriff Trafficker (engl. für Schieber oder Schleuser) als plausible Anspielung vermutete.

Die Namen der bekanntesten Schutzsoftware-Firmen für den Wurm lauten:

Der Wurm soll auch als Dumprep bekannt sein. Allerdings ist unter diesem Namen bereits ein reguläres Microsoft-Tool in der IT-Szene bekannt.

Versionen

Der Wurm lud mehrfach ein Update von verschiedenen Servern und konnte so neue Funktionen oder Instruktionen erhalten. Spätere Varianten des Wurms öffnen auch eine P2P-Verbindung zu anderen infizierten Rechnern und laden so neue Programmteile nach. Da die Server, von denen Conficker seine Updates bezog, nach kurzer Zeit stillgelegt wurden, war dies eine effektivere und kaum zu unterbindende Methode.
Nach der Nomenklatur von Microsoft sind folgende Derivate von Conficker bekannt:

Herkunft

Die genaue Herkunft und Identität der Entwickler von Conficker sind bis heute nicht zweifelsfrei geklärt. Verschiedene technische Hinweise deuteten jedoch auf einen Ursprung in der Ukraine hin. So enthielt die erste bekannte Variante Conficker.A eine Abfrage der Windows-Tastaturbelegung, bei der ukrainische Systeme gezielt von einer Infektion ausgenommen wurden. Darüber hinaus vermied die Schadsoftware ukrainische IP-Adressen. Sicherheitsforscher fanden weitere Hinweise auf Verbindungen zu Infrastruktur in Kiew sowie mögliche technische Überschneidungen mit der in der Ukraine ansässigen beziehungsweise mit Kiew in Verbindung gebrachten Baka Software, die unter anderem die Schadsoftware Antivirus XP verbreitete. Diese Indizien wurden als Hinweis auf ukrainische Urheber gewertet, stellen jedoch keinen eindeutigen Beweis für deren Identität oder Herkunft dar. Die Urheber von Conficker wurden nie zweifelsfrei öffentlich identifiziert.

Funktion

Verbreitung

Verbreitungswege von Conficker, der Infektionsweg über Wechseldatenträger fehlt auf der Grafik

Conficker infiziert Computer, auf denen das Betriebssystem Microsoft Windows installiert ist, wobei 2008 bis 2009 hauptsächlich die Version Windows XP betroffen war. Prinzipiell waren aber alle Windows-Editionen bis einschließlich Windows Vista, bzw. bis zur Server-Variante Windows 2008, gefährdet. Conficker nutzt je nach Version mehrere verschiedene Methoden, um sich zu verbreiten:

Unzureichender Malwareschutz erleichtert dem Wurm seine Verbreitung auf indirekte Art. Signaturen, um den Conficker-Wurm mit geläufiger Antivirensoftware zu finden und zu entfernen, wurden kurz nach seinem ersten Auftreten als Update bereitgestellt. Veraltete Programme oder Signaturen bieten aber keinen Schutz. Eine entsprechend konfigurierte Firewall unterbindet einige der Conficker-Aktivitäten.

Eigenschaften

Um seine eigene Entdeckung und Entfernung möglichst zu verhindern, blockiert Conficker die Benutzung von Windows-Diensten wie Windows Update, den Aufruf von vielen Herstellerseiten von bekannten Antiviren- und sonstigen Sicherheitsprogrammen, das Windows-Sicherheitscenter, Windows Defender und das Windows-Systemprotokoll. Durch erfolglose Versuche, sich an passwortgeschützten Dateifreigaben anzumelden, kann es dazu kommen, dass ganze Rechner nicht mehr benutzt werden können, da unter Umständen das entsprechende Benutzerkonto komplett gesperrt wird.

Conficker ist in der Lage, sich mit Servern oder neueren Wurm-Versionen in Verbindung zu setzen, von denen das Programm schädliche Programmteile oder andere Updates nachladen kann.

Historie der Auswirkungen

Der Wurm fand ein breites Medienecho, als er um die Jahreswende 2008 auf 2009 an Bekanntheit gewann.

Identifikation und Beseitigung

Neben der Beseitigung des Wurms ist ein Windows-Systemupdate notwendig, um die hohe Wahrscheinlichkeit einer Neuinfektion auszuschließen.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Windows-Rechner: Conficker-Wurm treibt immer noch sein Unwesen. In: Süddeutsche Zeitung. 26. April 2012, abgerufen am 16. Februar 2024.
  2. ↑ Toni: Calculating the Size of the Downadup Outbreak. In: F-Secure Labs. 16. Januar 2009, abgerufen am 16. Februar 2024 (englisch).
  3. 1 2 3 Mark Bowden: Opinion | The Worm That Nearly Ate the Internet. In: The New York Times. 29. Juni 2019, abgerufen am 15. Januar 2025 (englisch).
  4. ↑ Worm:Win32/Conficker.A. In: Microsoft Security Intelligence. 15. September 2017, abgerufen am 16. Februar 2024 (englisch).
  5. ↑ Staff Writer: Kaspersky discovers Conficker variant. In: IT Web. 14. April 2009, abgerufen am 16. Februar 2024 (englisch).
  6. ↑ Microsoft Security Bulletin MS08-067 - Kritisch. In: Microsoft. 23. Oktober 2008, abgerufen am 9. Oktober 2015.
  7. ↑ Moritz Jaeger: Grundlagen, Hintergrund und Information: Conficker – das größte Botnet aller Zeiten. In: ComputerWoche. 5. Januar 2010, abgerufen am 15. Januar 2025.
  8. ↑ Daniel AJ Sokolo: Conficker schlägt bei Kärntner Regierung zu. In: heise.de. 8. Januar 2009, abgerufen am 3. Februar 2024.
  9. ↑ Daniel AJ Sokolo: Conficker in Kärnten: Nach der Landesregierung nun die Spitäler. In: heise.de. 12. Januar 2009, abgerufen am 3. Februar 2024.
  10. ↑ "Conficker"-Wurm legte Landesregierung und Spitäler in Kärnten lahm. In: Der Standard. 12. Januar 2009, abgerufen am 29. März 2024 (österreichisches Deutsch).
  11. ↑ Daniel Bachfeld: F-Secure: Jetzt neun Millionen Windows-PCs mit Conficker-Wurm befallen. In: Heise Newsticker. 19. Januar 2009, abgerufen am 9. Oktober 2015.
  12. ↑ Britta Widmann: Deutschland: Sieben Prozent aller PCs mit Conficker infiziert. In: ZDNet. 22. Januar 2009, abgerufen am 9. Oktober 2015.
  13. ↑ Frank Patalong: Conficker/Downadup: Fachleute befürchten 50 Millionen verseuchte Rechner. In: Spiegel Online. 23. Januar 2009, abgerufen am 9. Oktober 2015.
  14. ↑ Sean: Where is Downadup? In: F-Secure Labs. 23. Januar 2009, abgerufen am 15. Januar 2025 (englisch).
  15. ↑ Response: Downadup Sinkhole Numbers. In: F-Secure Labs. 5. Februar 2009, abgerufen am 9. Oktober 2015 (englisch).
  16. ↑ Response: Downadup, Good News / Bad News. In: F-Secure Labs. 27. Februar 2009, abgerufen am 9. Oktober 2015 (englisch).
  17. ↑ Kim Willsher: French fighter planes grounded by computer virus. In: telegraph.co.uk. 7. Februar 2009, abgerufen am 6. Februar 2024 (englisch).
  18. ↑ Conficker-Wurm: Bundeswehr kämpft gegen Viren-Befall. In: Spiegel Online. 13. Februar 2009, abgerufen am 9. Oktober 2015.
  19. ↑ Briefchen für Piloten. In: ORF.at. 9. Februar 2009, abgerufen am 9. Oktober 2015 (österreichisches Deutsch).
  20. ↑ Britta Widmann: Wurm "Conficker" infiziert hunderte Bundeswehr-Computer. In: zdnet.de. 16. Februar 2009, abgerufen am 6. März 2024.
  21. ↑ Conficker-Wurm rüstet massiv auf. In: Microsoft Newsletter. 17. März 2009, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 12. Dezember 2010; abgerufen am 9. Oktober 2015.
  22. ↑ Jürgen Schmidt: Conficker-Wurm lädt nach - vielleicht. In: Heise Online. 30. März 2009, abgerufen am 9. Oktober 2015.
  23. ↑ Nadine W.: AntiVir erkennt Conficker nicht. In: frogged.de. 1. Juni 2009, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 27. Februar 2016; abgerufen am 9. Oktober 2015.
  24. ↑ Kaspersky Lab listet Top 20 der Schadprogramme für März 2009: Conficker treibt noch immer sein Unwesen. In: Connect Professional. 1. April 2009, abgerufen am 15. Januar 2025.
  25. ↑ Loucif Kharouni: Waledac - Nachfolger für Storm gefunden. In: Trend Micro. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 19. April 2009; abgerufen am 9. Oktober 2015.
  26. ↑ Paul Ferguson: DOWNAD/Conficker Watch: New Variant in The Mix? In: Trend Micro. 8. April 2009, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 16. August 2013; abgerufen am 15. Januar 2025 (englisch).
  27. ↑ Alexander Gostev: The neverending story. In: SecureList. 9. April 2009, abgerufen am 15. Januar 2025 (englisch).
  28. ↑ Ministerium wirft 170 neue Computer wegen Virus auf den Müll. In: t-online.de. 30. April 2013, abgerufen am 16. Februar 2024.
  29. ↑ Simon Fistrich: Conficker-Wurm: Microsoft-Sicherheitsanalyse warnt vor nach wie vor großer Bedrohung. In: PC Games. 26. April 2012, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 9. Juni 2020; abgerufen am 15. Januar 2025.
  30. ↑ Jai Vijayan: Conficker: The Worm That Won't Die. In: DarkReading. 7. Dezember 2017, abgerufen am 15. Januar 2025 (englisch).
  31. ↑ Fabian A. Schers: AKW Gundremmingen: Infektion mit Uralt-Schadsoftware. In: heise.de. 26. April 2016, abgerufen am 3. Februar 2024.
  32. ↑ Christoph Steitz, Eric Auchard: German nuclear plant infected with computer viruses, operator says. In: Reuters. 27. April 2016, abgerufen am 15. Januar 2025.
  33. ↑ Stefan Beiersmann: Conficker: Acht Jahre alter Wurm führt Malware-Statistik im April an. In: ZDNet. 18. Mai 2016, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 19. Mai 2016; abgerufen am 15. Januar 2025.
  34. ↑ Felix Leder, Tillmann Werner: Conficker Entschärfen: Informationen und Werkzeuge. In: Universität Bonn. 21. Januar 2011, abgerufen am 9. Oktober 2015.
  35. ↑ Malicious Software Removal Tool: Download. In: Microsoft. 8. September 2015, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 23. September 2015; abgerufen am 15. Januar 2025.
  36. ↑ W32.Downadup Removal Tool. In: Symantec. 13. Januar 2009, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 5. Juni 2013; abgerufen am 9. Oktober 2015 (englisch).
  37. ↑ Response: ISTP and F-Downadup Removal Tool. In: F-Secure Labs. 20. Januar 2009, abgerufen am 9. Oktober 2015 (englisch).
  38. ↑ Free Virus Removal Tools. In: Bitdefender. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 9. Oktober 2015; abgerufen am 15. Januar 2025 (englisch).
  39. ↑ Wie wird der Wurm Net-Worm.Win32.Kido bekämpft (andere Benennungen: Conficker, Downadup). In: Kaspersky Lab. 8. Oktober 2010, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 2. Juli 2013; abgerufen am 9. Oktober 2015.
  40. ↑ Panda USB Vaccine - Antimalware and Vaccine for USB devices. In: Panda Security. Abgerufen am 9. Oktober 2015 (englisch).