Conrad Schmidt

Conrad Schmidt. Fotografie um 1885.

Conrad Schmidt (* 25. November 1863 in Königsberg, Preußen; † 14. Oktober 1932 in Berlin) war ein deutscher Ökonom, Philosoph und Journalist.

Leben

Conrad Schmidt war der Sohn von Carl Schmidt (1825–1898) und von Katharina Schmidt geb. Rupp (1837–1925). Er war der ältere Bruder der Bildhauerin Käthe Kollwitz. Mitte der 1880er Jahre studierte er in Berlin und promovierte 1886 an der Universität Königsberg mit einer Arbeit Der natürliche Arbeitslohn, in welcher er die Lohn- und Ausbeutungstheorien von Johann Karl Rodbertus und Karl Marx miteinander verglich. Schmidt verwarf die Marxsche Theorie als unbewiesene Hypothese zugunsten der Rodbertuschen, welche auf der Annahme natürlicher Rechte fußte. Nach weiteren Marx-Studien revidierte Schmidt dieses Urteil und wurde ein Anhänger des Marxismus.

Schmidt wandte sich einem Problem zu, welches Friedrich Engels 1885 im Vorwort zum 2. Band von Das Kapital gestellt hatte. Er kündigte Engels seine Lösung an, worauf auf Fürsprache von Engels und Karl Kautsky hin 1889 die Schrift Die Durchschnittsprofitrate auf Grundlage des Marx’schen Werthgesetzes erscheinen konnte. Den Preis erhielt aber Peter Fireman.

Schmidt machte die Bekanntschaft von Friedrich Engels, bei dem zuhause er mehrere Abende verbrachte. Es ist ein reger Briefwechsel zwischen beiden überliefert, aus dem insbesondere die Briefe von Engels an Schmidt am 27. Oktober 1890 und vom 12. März 1895 als wichtige Dokumente des Marxismus gelten.

Grabstätte

1890 trat er auf Zuraten von Engels eine Stellung in der Schweiz als Redakteur bei der Züricher Post an. Er wandte sich zunehmend von einem Friedrich Engels zugeschriebenem ökonomischen Determinismus ab, und Neukantianischen Positionen zu. Er betonte die ethischen Aspekte der Arbeiterbewegung wie Opferbereitschaft, Pflichtbewusstsein und Parteitreue. Nach Ansicht Schmidts entstanden diese Eigenschaften ursprünglichen aus animalischen überegoistischen Instinkten, welche sich bei den Lebewesen im Verlauf der Evolution zur Erhaltung der eigenen Gattung herausgebildet hätten, und im Menschen mehr und mehr bewusst gemacht und rationalisiert, und nunmehr von der Arbeiterklasse verkörpert würden. Da Schmidt für sich keine Möglichkeit einer akademischen Karriere in der Schweiz sah, kehrte er 1895 nach Berlin zurück, wo er Mitarbeiter der sozialdemokratischen Wochenzeitung Vorwärts wurde. Er war Vorsitzender der Freien Volksbühne von 1897 bis 1918. 1919 ernannte Konrad Haenisch ihn zum Professor am Berliner Polytechnikum.

Conrad Schmidt wurde in der Künstlerabteilung des Berliner Zentralfriedhofs Friedrichsfelde beigesetzt. Den Grabstein schuf seine Schwester Käthe Kollwitz. Conrad Schmidt war mit Anna Butzke (1863–1924) verheiratet.

Werke

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Der Stammbaum der Familie ist enthalten in dem Buch: Käthe Kollwitz. Die Tagebücher. Hrsg. von Jutta Bohnke-Kollwitz, Siedler, Berlin 1989. ISBN 3-88680-251-5.
  2. ↑ Carl Erich Vollgraf, „Die Preisrätselliteratur vor Erscheinen des dritten Buches“, in: Marx-Engels-Gesamtausgabe. Abteilung II, Band 14, Akademie-Verlag Berlin 2003, ISBN 3-05-003733-4, S. 482–486.
  3. ↑ Friedrich Engels: Vorwort zum Band 3 von Das Kapital. 4. Oktober 1894.
  4. ↑ Friedrich Engels: Brief an Conrad Schmidt in Zürich. 12. März 1895.
  5. ↑ Friedrich Engels: Engels an Joseph Bloch in Königsberg. 21. September 1890.
  6. ↑ Stanley Pierson: Marxist Intellectuals, 1993, Seite 52.
  7. ↑ Paul Kampffmeyer, S. 897.
  8. ↑ Joachim Hoffmann: Berlin-Friedrichsfelde. Ein deutscher Nationalfriedhof. Kulturhistorischer Reiseführer. Das Neue Berlin 2001, ISBN 3-360-00959-2, S. 138.