Constance Villiers-Stuart

Villiers-Stuart: Plan der Taj-Mahal-Gärten

Constance Mary Villiers-Stuart, geborene Fielden (* 4. September 1876 in Caton, Lancashire; † 6. Februar 1966 in Beachamwell Hall, Beachamwell, King’s Lynn, Norfolk) war eine englisch-britische Gartenhistorikerin und -künstlerin, Autorin und Frauenrechtlerin. Sie veröffentlichte die erste umfassende Studie über Mogulgärten in Britisch-Indien und setzte sich dafür ein, dass Neu-Delhi einem indischen Stadtplanungsentwurf folgen sollte.

Leben

Villiers-Stuart war die Tochter von Joshua Fielden (1848–1892) und Frances Fielden, geborene Thom (1850–1936). Sie wuchs in georgianischen Beachamwell Hall in Norfolk auf, bis diese 1903 durch einen Brand zerstört wurde und bis 1906 komplett neu errichtet werden musste. Sie war Erbin eines großen Vermögens, das aus dem in Lancashire ansässigen Baumwollunternehmen ihrer Familie stammte. Sie wurde zunächst von einer Gouvernante unterrichtet und studierte anschließend Malerei in Paris und Rom.

Sie heiratete 1908 Patrick Villiers-Stuart (1879–1949), einen Offizier der Royal Fusiliers. Nach seiner Versetzung zogen sie im Januar 1911 nach Britisch-Indien. Sie hatten eine Tochter, Patricia Frances Mary Fielden Villiers-Stuart (1910–1998).

Villiers-Stuart galt als äußerst überzeugende Persönlichkeit, und bei einer Gelegenheit brachte sie den Prince of Wales dazu, sie zum Tee nach Sandringham House einzuladen.

In Indien erforschte und sammelte Villiers-Stuart Material über die Gärten der Moguln, unter anderem auf einer Alleinreise nach Shimla, Himachal Pradesh, wo sie Gast des Maharadscha Bhupinder Singh von Patiala war. Ihre Forschungen wurden 1913 in dem Buch Gardens of the Great Mughals veröffentlicht, das das erste umfassende Werk über Mogulgärten war und deren historische Erforschung begründete. Sie war die erste, die im Zusammenhang mit den Mogulgärten den persischen Begriff Tschahār Bāgh behandelte und ihn als einen „großen Garten, der durch vier Wasserläufe geteilt ist“, interpretierte. Ihr Buch enthielt außerdem Skizzen und Aquarelle, unter anderem vom Taj Mahal und dem Delhi-Palast, sowie eine Fotografie einer reich verzierten Marmorschaukel in den Gärten des Deeg-Palastes.

Im Schlusskapitel des Buches plädierte sie unter dem Titel Some garden contrasts and a dream für Respekt gegenüber indischen Gestaltungstraditionen. Der „Traum“ bezog sich auf ihre Hoffnung, Einfluss auf die Gestaltung von Neu-Delhi, das seit 1911 am Entstehen war, zu nehmen. Villiers-Stuart forderte, dass Neu-Delhi einem indischen Stadtplan folgen solle, und mobilisierte die Royal Society of Arts in London zur Unterstützung dieser Idee. Sie tauschte sich zu diesem Thema mit dem Architekten Edwin Lutyens aus, der ihr Buch ebenfalls gelesen hatte. Die Zusammenarbeit Lutyens mit Gertrude Jekyll hatte ihm zudem ein ausgeprägtes Verständnis für Gartengestaltung vermittelt. Sowohl Lutyens als auch der Vizekönig von Indien, Charles Hardinge, waren von ihren Ideen beeindruckt. Das Ergebnis war der berühmte Mogulgarten des heutigen Rashtrapati Bhavan, der offiziellen Residenz des Präsidenten Indiens.

Während des Ersten Weltkriegs wurde ihr Ehemann nach Gallipoli versetzt, und sie begleitete ihn an die Front, wobei sie in einem Hotel in Saloniki wohnte. Zuvor hatte ihr Mann an seine Mutter geschrieben: „Sie wird mit ziemlicher Sicherheit hierherkommen, und ich glaube nicht, dass irgendetwas, was ich hätte sagen können, sie davon abgehalten hätte.“ Während ihres Aufenthalts in Saloniki schrieb Villiers-Stuart für die britische Zeitschrift Country Life über die einheimischen Blumen Makedoniens.

Villiers-Stuart war Sekretärin der National Union of Societies for Equal Citizenship (NUSEC). Im Jahr 1919 setzte sie sich dafür ein, dass mindestens einem Teil der indischen Frauen das Wahlrecht eingeräumt wurde, etwa Grundbesitzerinnen und Universitätsabsolventinnen.

1929 veröffentlichte Villiers-Stuart ein zweites Buch, Spanish Gardens: Their History, Types and Features, nachdem sie Mitte der 1920er-Jahre eine Solo-Forschungsreise zu den maurischen Gärten Spaniens unternommen hatte. In diesem Werk stellte sie Vergleiche zwischen den spanischen Gartengestaltungen und den Mogulgärten ihres früheren Buches an.

Villiers-Stuart starb 1966 und ist auf dem St. Mary the Virgin Churchyard in Beachamwell beigesetzt.

2022 zeigte das Garden Museum in London einige ihrer Gemälde in der Ausstellung Constance Villiers-Stuart: Earthly Delights, nachdem ihre Enkelinnen ihr privates Archiv dem Archive of Garden Design gespendet hatten. Mary Ann Prior veröffentlichte 2022 eine Biografie über Villiers-Stuarts Leben mit dem Titel Constance Villiers Stuart: In Search of Paradise.

Werke

Commons: Constance Villiers-Stuart – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Registereinträge für „Constance Mary Stuart“ in Lancashire, England, Church of England Births and Baptisms, 1813–1911 bzw. England & Wales, National Probate Calendar (Index of Wills and Administrations), 1858–1995.
  2. ↑ Ursula Buchan: A choice of gardening books for Christmas. The Spectator, 10. November 2022, abgerufen am 9. April 2025.
  3. 1 2 Stephen Bury: Villiers-Stuart, Constance Mary. In: Benezit Dictionary of British Graphic Artists and Illustrators. Oxford University Press, London 2012, ISBN 978-0-19-992305-2, S. 518 (google.de).
  4. 1 2 3 4 Bethany Hopper: Mary Ann Prior on Constance Villiers-Stuart: Mughal Gardens. In: News. Garden Museum, 30. Juni 2022, archiviert vom Original am 15. Juli 2022; abgerufen am 21. Februar 2026.
  5. 1 2 3 James L. Wescoat und Joachim Wolschke-Bulmahn: Mughal Gardens: Sources, Places, Representations, and Prospects. Dumbarton Oaks, Washington, D.C. 1996, ISBN 978-0-88402-235-0, S. 17 (google.com).
  6. 1 2 3 4 5 Priscilla Grundy: Constance Villiers Stuart: In Pursuit of Paradise. In: Leaflet, Band 10, Nummer 3. Elisabeth C. Miller Library, University of Washington, März 2023, abgerufen am 21. Februar 2026.
  7. 1 2 3 4 Mary Ann Prior: Constance Villiers Stuart: In Pursuit of Paradise. Unicorn Publishing Group, London 2022, ISBN 978-1-914414-43-5.
  8. 1 2 3 Tim Richardson: How one adventurous Edwardian lady discovered paradise in a Mughal garden. In: Lifestyle. The Telegraph, 8. Juli 2022, abgerufen am 21. Februar 2026.
  9. 1 2 James L. Wescoat Jr.: Mughal Gardens: The Re-emergence of Comparative Possibilities and the Wavering of Practical Concern. In: Michel Conan (Hrsg.): Perspectives on Garden Histories. Band 21. Dumbarton Oaks, Washington, D.C. 1999, ISBN 978-0-88402-265-7, S. 8, 124, (107–136).
  10. ↑ Safa Mahmoudian: Palace Gardens in Lower Mesopotamia: 8th to 11th Centuries. Edinburgh University Press, Edinburgh 2024, ISBN 978-1-3995-2428-5 (google.com).
  11. 1 2 Eugenia W. Herbert: Flora's Empire: British Gardens in India. Penguin Books Limited, London 2013, ISBN 978-81-8475-871-9.
  12. ↑ Ian Christopher Fletcher, Philippa Levine und Laura E. Nym Mayhall: Women's Suffrage in the British Empire: Citizenship, Nation and Race. Routledge, London 2012, ISBN 978-1-135-63999-0, S. 194 ff.
  13. ↑ Steve Shaw: Special talk to be held on Norfolk author's life in India. Watton & Swaffham Times, 18. April 2018, abgerufen am 21. Februar 2026.
  14. ↑ Constance Mary Fielden Villiers-Stuart in der Datenbank Find a Grave, abgerufen am 21. Februar 2026.
Personendaten
NAME Villiers-Stuart, Constance
ALTERNATIVNAMEN Villiers-Stuart, Constance Mary; Fielden, Constance Mary (Geburtsname)
KURZBESCHREIBUNG englisch-britische Gartenhistorikerin und Autorin
GEBURTSDATUM 4. September 1876
GEBURTSORT Caton, Lancashire, England, Vereinigtes Königreich
STERBEDATUM 6. Februar 1966
STERBEORT Beachamwell, King’s Lynn, Norfolk, England, Vereinigtes Königreich