Corrado Gini

Corrado Gini um 1945

Corrado Gini (* 23. Mai 1884 in Motta di Livenza nahe Treviso; † 13. März 1965 in Rom) war italienischer Statistiker, Soziologe und Demograph. Er entwickelte unter anderem den nach ihm benannten Gini-Koeffizienten, mit dem er die Ungleichverteilung der Einkommen in einer Volkswirtschaft darstellte.

Leben

Ab 1913 lehrte er an der Universität Padua und ab 1923 an der Universität Rom. Gini war auch ein führender faschistischer Theoretiker und Ideologe, der 1927 als Leiter des Zentralen Instituts für Statistik in Rom Die Theorie des Faschismus schrieb. Gini meinte, die „Vitalität“ eines Volkskörpers und die von ihm propagierte „Revolution der Jugend“ speise sich einzig aus den Unterschichten der ländlichen Bevölkerung. 1932 trat er aus Protest gegen die Einmischung des faschistischen Staates in seine Arbeit von seinem Amt zurück.

1949 reaktivierte er in Konkurrenz zur im gleichen Jahr gegründeten International Sociological Association (ISA) die alte Gelehrtengesellschaft Internationales Institut für Soziologie (IIS), die bis zum Zweiten Weltkrieg die einzige und allgemein anerkannte internationale Soziologenorganisation gewesen, wegen der Kollaboration ihres letzten Leiters, René Maunier, mit dem Nationalsozialismus aber stillgelegt worden war. Gini wurde erster Nachkriegspräsident des IIS. 1962 wurde er zum Mitglied der Accademia Nazionale dei Lincei gewählt.

Literatur

Commons: Corrado Gini – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ Victoria de Grazia: Le patriarcat fasciste: Mussolini et les Italiennes (1922–1940). Le XXe siècle. In: Françoise Thébaud (Hrsg.): Histoire des femmes en Occident. Beitrag aus dem Englischen übersetzt von Sonia Debeauvais (= Collection Tempus. Band 5). 2. Auflage. Éditions Perrin, Paris 2002, ISBN 978-2-262-01873-3, Kap. 5, S. 197–232, hier S. 213 (erste Auflage Éditions Plon, Paris 1992).
  2. ↑ Johannes Weyer: Der "Bürgerkrieg in der Soziologie". Die westdeutsche Soziologie zwischen Amerikanisierung und Restauration. In: Sven Papcke (Hrsg.): Ordnung und Theorie. Beiträge zur Geschichte der Soziologie in Deutschland, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1986, ISBN 3-534-09098-5, S. 280–304, hier S. 288.
  3. ↑ Accademici: Corrado Gini. Accademia Nazionale dei Lincei, abgerufen am 19. Juni 2026 (italienisch).
Personendaten
NAME Gini, Corrado
KURZBESCHREIBUNG italienischer Statistiker, Soziologe und Demograph
GEBURTSDATUM 23. Mai 1884
GEBURTSORT Motta di Livenza bei Treviso
STERBEDATUM 13. März 1965
STERBEORT Rom