Corrado Levi

Corrado Levi (* 1936 in Turin) ist ein italienischer Künstler, Architekt, Kurator, Schriftsteller, Hochschullehrer, Sammler und Kulturaktivist. Er gilt als bedeutende Figur der zeitgenössischen internationalen Kunstszene, insbesondere für seine Rolle als Förderer junger Künstler und als Vermittler zwischen der Mailänder Szene und der internationalen Kunstwelt der 1980er Jahre.

Leben

Ausbildung, akademische Laufbahn

Corrado Levi wurde 1936 in Turin geboren. Während der Rassengesetze (Italien)|faschistischen Rassengesetze wurde er von dem Maler Felice Casorati an der Accademia Albertina di Torino versteckt. Er studierte Architektur und war Schüler von Carlo Mollino und Franco Albini.

Levi war Professor für Architekturkomposition an der Fakultät für Architektur des Politecnico di Milano. Sein Unterricht war unkonventionell: Er lud unterschiedlichste Persönlichkeiten zu Gastvorträgen ein, von etablierten internationalen Künstlern wie Richard Long und Alighiero Boetti bis zu DJs wie Nicola Guiducci. In den 1970er Jahren organisierte Levi an der Fakultät Gruppen für homosexuelle Studenten sowie gemischte Gruppen für Hetero- und Homosexuelle und für Frauen.

Künstlerische und kuratorische Tätigkeit

Ab den 1980er Jahren begann Levi, Ausstellungen in seinem Mailänder Atelier in der Via San Gottardo zu organisieren und wurde zu einem wichtigen Vermittler zwischen der Mailänder und der internationalen Kunstszene, insbesondere New York. Die Zeitschrift Artforum beschrieb Levi als "seltsame Figur innerhalb der italienischen Kunstlandschaft, Sammler, Dozent, Theoretiker, Künstler und Organisator von Ausstellungen, die für die neue jugendliche Intersubjektivität zwischen Mailand und New York empfänglich sind".

1986 kuratierte er die Ausstellung Il Cangiante im PAC Milano|Padiglione d’Arte Contemporanea (PAC) in Mailand, in der er Jugendwerke berühmter Künstler wie Filippo de Pisis, Francis Picabia und Otto Dix mit Arbeiten junger, damals unbekannter Künstler gegenüberstellte. Die Ausstellung zeigte auch Arbeiten amerikanischer Künstler wie Rodney Alan Greenblat, David Wojnarowicz und Judy Rifka, wodurch Levi als Brückenbauer zwischen europäischer und amerikanischer Kunstszene fungierte.

Künstlerisches Werk

Levis künstlerische Praxis ist durch Interdisziplinarität geprägt und bewegt sich zwischen Kunst, Architektur, Design und Literatur. Artforum International charakterisierte ihn 1998 als "Architekt und Architekturlehrer, Künstler und Schriftsteller", der "zeitgenössische Kunst sammelt und die Arbeit jüngerer Künstler begeistert fördert". Der Kritiker Giacinto Di Pietrantonio beschrieb Levi 2002 als "Außenseiter in einer Welt von Spezialisten ... ein Mann der Zukunft, weil er ein Mann der Vergangenheit in einem interdisziplinären, Renaissance-artigen Sinne ist".

Seine Arbeiten umfassen Installationen, architektonische Interventionen, Skulpturen, Designobjekte, Gemälde und Texte. Ein wiederkehrendes Thema in seinem Werk ist der Körper, der entweder direkt dargestellt oder durch Anspielungen und Verweise evoziert wird.

Zu seinen bekanntesten Werken gehören:

Internationaler Einfluss

Beziehungen zur internationalen Kunstszene

Levi war als bedeutender Sammler und Vermittler im internationalen Kunstkreis anerkannt. Der italienische Konzeptkünstler Alighiero Boetti schloss Levi in sein Werk Dossier Postale (1969–70) ein, eine Serie von Briefen an 26 prominente Persönlichkeiten der internationalen Kunstwelt, darunter Künstler wie Bruce Nauman und Giulio Paolini, Kritiker wie Lucy Lippard, Galeristen wie Leo Castelli und Konrad Fischer, sowie Sammler wie Giuseppe Panza und Corrado Levi.

2004 kuratierte Levi gemeinsam mit Giacinto Di Pietrantonio die bedeutende Retrospektive Alighiero Boetti. Quasi tutto an der GAMeC in Bergamo, die anschließend nach Buenos Aires zur Fundación PROA reiste.

Architektonische Projekte

Als Architekt realisierte Levi gemeinsam mit Laura Petrazzini das DUPARC Contemporary Suites in Turin (1970er Jahre), ein avantgardistisches Projekt des italienischen Rationalismus der 1970er Jahre. Das Gebäude beherbergt eine bedeutende Sammlung zeitgenössischer Künstler wie Giuseppe Penone, Michelangelo Pistoletto, Mario Schifano, Alighiero Boetti, Giovanni Anselmo, Gilberto Zorio, Thomas Struth und Fischli & Weiss.

Auszeichnungen

Ausstellungen (Auswahl)

Einzelausstellungen

Gruppenausstellungen (Auswahl)

Publikationen

Monografien und Künstlerbücher

Schriften über Kunst und Architektur

Literarische Werke

Katalogbeiträge und Interviews

Politisches und soziales Engagement

In den frühen 1970er Jahren beteiligte sich Levi an den ersten Treffen der Homosexuellenbewegung F.U.O.R.I. in Mailand und praktizierte dort erstmals homosexuelles Selbstbewusstsein. Er veröffentlichte in der gleichnamigen Zeitschrift den Artikel Storia palpitante e violenta. Von 1975 bis 1977 gab er die Hefte Dalle cantine und Dalle cantine frocie heraus.

Artforum International würdigte 1998 Levis theoretische Beiträge zur italienischen Schwulenbefreiungsbewegung der 1970er Jahre, einschließlich seines Essays "New Kamasutra" über Sadomasochismus und dessen philosophische Implikationen.

Internationale Rezeption und Kritik

Levis Werk wurde in führenden internationalen Kunstzeitschriften mehrfach besprochen:

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Pier Luigi Tazzi: Corrado Levi, "New Polverone". In: Artforum International. Dezember 1986, abgerufen am 6. Januar 2026 (englisch).
  2. 1 2 3 4 5 6 7 LEVI, Corrado. In: Centro Documentazione Cassero. Abgerufen am 6. Januar 2026 (italienisch).
  3. 1 2 3 4 Corrado Levi in Triennale. Triennale Milano, abgerufen am 6. Januar 2026 (englisch).
  4. ↑ Corrado Levi e gli anni Ottanta milanesi. In: UnderTrenta. 19. September 2015, abgerufen am 6. Januar 2026 (italienisch).
  5. 1 2 3 4 Pier Luigi Tazzi on Corrado Levi, "New Polverone". In: Artforum International. Dezember 1986, abgerufen am 6. Januar 2026 (englisch).
  6. ↑ Corrado Levi: l'arte è felicità, non verità. In: Il Giornale dell'Arte. Abgerufen am 6. Januar 2026 (italienisch).
  7. 1 2 3 4 Giorgio Verzotti on Corrado Levi. In: Artforum International. Dezember 1998, abgerufen am 6. Januar 2026 (englisch).
  8. ↑ Corrado Levi at GAMeC. In: Artforum International. 13. Juli 2010, abgerufen am 6. Januar 2026 (englisch).
  9. ↑ Beppe Finessi (Hrsg.): Corrado Levi. Corpi. Electa, 2021, ISBN 978-88-9282-130-9 (italienisch).
  10. ↑ Corrado Levi in Triennale. Triennale Milano, abgerufen am 6. Januar 2026 (englisch).
  11. ↑ Cinzia Ruggeri: Cinzia Says... In: ARTBOOK. D.A.P., abgerufen am 6. Januar 2026 (englisch).
  12. ↑ Corrado Levi: l'arte è felicità, non verità. In: Il Giornale dell'Arte. Abgerufen am 6. Januar 2026 (italienisch).
  13. ↑ Alighiero Boetti. Quasi tutto. GAMeC, abgerufen am 6. Januar 2026 (englisch).
  14. ↑ DUPARC Contemporary Suites. In: Archilovers. Abgerufen am 6. Januar 2026 (englisch).
  15. ↑ Corrado Levi. In: Artribune. Abgerufen am 6. Januar 2026 (italienisch).
  16. ↑ Corrado Levi at GAMeC. In: Artforum International. 13. Juli 2010, abgerufen am 6. Januar 2026 (englisch).
  17. ↑ Corrado Levi Studio. In: Artforum International. Februar 1988, abgerufen am 6. Januar 2026 (englisch).
  18. ↑ Il libro sull'artista Corrado Levi. In: Artribune. 26. April 2022, abgerufen am 6. Januar 2026 (italienisch).
  19. ↑ Ruggeri, Cinzia. In: Encyclopedia.com. Abgerufen am 6. Januar 2026 (englisch).
  20. ↑ Corrado Levi. Corpi. Electa, abgerufen am 6. Januar 2026 (englisch).
  21. ↑ Alighiero Boetti Books. In: ThriftBooks. Abgerufen am 6. Januar 2026 (englisch).
  22. ↑ Cinzia Ruggeri: Cinzia Says... In: ARTBOOK. D.A.P., abgerufen am 6. Januar 2026 (englisch).
  23. ↑ Carol Rama: A Rebel of Modernity / Retrospective at Kunstmuseum Bern. In: VernissageTV. 14. März 2025, abgerufen am 6. Januar 2026 (englisch).
  24. ↑ Alighiero Boetti. Quasi tutto. GAMeC, abgerufen am 6. Januar 2026 (englisch).
  25. ↑ Corrado Levi at GAMeC. In: Artforum International. 13. Juli 2010, abgerufen am 6. Januar 2026 (englisch).
  26. ↑ Corrado Levi. In: Artnet. Abgerufen am 6. Januar 2026 (englisch).
  27. ↑ Corrado Levi. In: Artsy. Abgerufen am 6. Januar 2026 (englisch).
  28. ↑ Corrado Levi. In: Contemporary Art Library. Abgerufen am 6. Januar 2026 (englisch).
Personendaten
NAME Levi, Corrado
KURZBESCHREIBUNG italienischer Künstler, Architekt, Kurator, Schriftsteller, Sammler und Kulturaktivist
GEBURTSDATUM 1936
GEBURTSORT Turin